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Führungskräfte Vaterlandslose Gesellen auf der Chefetage

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Standort Deutschland auf der Kippe

Niederländer Marijn Dekkers CEO Bayer

Der barocke Selfmade-Milliardär, dessen unternehmerische Glanzleistung – die Sanierung des maroden Stahlerzeugers Georgsmarienhütte – in den Neunzigerjahren lag, gilt heute als letzter Dinosaurier der deutschen Energiebranche. Ein Vertreter der Atomlobby, gescheitert, ja zerbrochen an einer politischen Kehrtwende, für die er bis heute kaum Verständnis aufbringt. Und Fotovoltaik in Deutschland für ökonomisch so sinnvoll hält „wie Ananas züchten in Alaska“.

Personalabbau ohne Geschrei

Statt laut zu lamentieren, bastelt sein designierter Nachfolger längst an der atomfreien Zukunft von RWE. Gesundschrumpfen muss Terium das Unternehmen in Deutschland, 8000 Stellen abbauen, Unternehmensteile verkaufen. Nach dem Wunsch des Aufsichtsrats am besten so geräuschlos, wie er die Übernahme des niederländischen Versorgers Essent regelte, an dessen Spitze er derzeit noch steht. Dort baute er ein Drittel des Personals ab, ohne Geschrei der Gewerkschaften. Und ohne Getöse um seine Person. „Meine Aufgabe ist es“, so Terium, „Probleme zu lösen.“

Das soll auch Stefan Heidenreich. Ende April wird er Thomas-Bernd Quaas an der Spitze des Konsumgüterkonzerns Beiersdorf ablösen.

Eine Stunde im Badezimmer

Mit dem bald 60-Jährigen, der 33 Jahre in Diensten des Hamburger Dax-Konzerns verbracht hatte, waren Großaktionär Michael Herz und Chefaufseher Reinhard Pöllath immer weniger zufrieden. Selbst das Zugpferd Nivea schwächelte zuletzt – weil Quaas, der gerne erzählte, morgens im Bad eine Stunde Produkte des eigenen Unternehmens auszuprobieren, die Marke mit immer neuen Produktvarianten verwässerte. Sein im Frühjahr 2011 initiiertes Fitnessprogramm kam den Kontrolleuren zu spät, um Quaas den 2010 um fünf Jahre verlängerten Vertrag erfüllen zu lassen.

Heidenreich, dessen Berufung in Branchenkreisen als „cleverer Schachzug“ gilt, soll den Gewinngaranten wieder in die Erfolgsspur zurückführen. Dass er das kann, hat der öffentlichkeitsscheue Manager bei den Konsumgüterherstellern Procter & Gamble und Reckitt Benckiser, bei Bertelsmann und dem Schweizer Nahrungsmittelkonzern Hero gezeigt, den er seit 2002 lenkt und zu dem auch Deutschlands größter Konfitürehersteller Schwartau gehört. Das Credo des einstigen Vize-Europameisters im Windsurfen: sich quälen bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit. Und, wie er kurz nach seiner Berufung im Beiersdorf-Mitarbeitermagazin verriet: „Lernen, lernen, lernen.“

In Arbeit
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So wie Kurt Bock und Marijn Dekkers, die den Standort Deutschland längst nicht abgeschrieben haben. Beide werden viel Geld in neue Kunststofffabriken stecken – BASF in Ludwigshafen, Bayer in Dormagen. „Wir werden immer dort in neue Kapazitäten investieren“, sagt Bayer-Chef Dekkers, „wo wir die besten Wachstumsmöglichkeiten und die größte Nachfrage haben.“

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