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Führungskräfte Vaterlandslose Gesellen auf der Chefetage

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Wachstum der Schwellenländer

BASF Nanjing Quelle: dpa/dpaweb

Wie Zahlenfachmann Bock tickt, bewies er bereits auf seiner ersten Strategiekonferenz Ende 2011: Europas Staaten würden schon eine Lösung für ihre Schuldenprobleme finden, sagte Bock knapp – wo Vorgänger Hambrecht mutmaßlich in eine Grundsatzrede verfallen wäre und Reformen angemahnt hätte. Statt über das mögliche Ende des Euro zu lamentieren, verkündete Bock seine ehrgeizigen Wachstumsziele: Bis 2020 will er das operative Ergebnis auf 23 Milliarden Euro mehr als verdoppeln – vor allem dank starken Wachstums in Asien und Südamerika.

Ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten

„Der globale Wettbewerb hat sich jüngst weiter verschärft“, sagt Christine Stimpel, Deutschland-Chefin der Personalberatung Heidrick & Struggles. „Wer sein Unternehmen im Rennen halten will, muss schnell und pragmatisch entscheiden – einen verengten Blick auf deutsche Befindlichkeiten kann sich da keiner mehr leisten.“

Dass deutsche Unternehmen ihrer Heimat immer öfter ade sagen, hat mehrere Gründe:

  • Wachstum findet heute vor allem in den Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas statt. Gebaut und konsumiert wird heute nicht in Deutschland oder Italien, sondern in China, Indien, Brasilien, Russland. Wollen deutsche Unternehmen an diesem Boom teilhaben, müssen und wollen sie vor Ort präsent sein. Das bestätigt auch eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Alix Partners unter 536 Top-Managern aus 70 Ländern weltweit: 52 Prozent der Befragten wollen in den nächsten ein bis drei Jahren vor allem in Asien investieren.
  • Regierungen in diesen Regionen unterstützen Unternehmen oft mit offensiver Industriepolitik – in Deutschland sehen sich Unternehmen dagegen zunehmend restriktiven oder zumindest unsicheren Rahmenbedingungen gegenüber, die verlässliche Planung erschweren.
  • Die Qualität lokaler Mitarbeiter ist auf einem Niveau, das nicht mehr nur die kostengünstige Auslagerung von Billigprodukten in Schwellenländer ermöglicht, sondern zunehmend auch komplexe Forschungsprojekte dort angesiedelt werden können, wo die Kunden sind.
  • Der Anteil ausländischer Anteilseigner an deutschen Unternehmen nimmt zu. Statt der klassischen Überkreuzverflechtungen der alten Deutschland AG nehmen heute US-Hedge- und arabische Staatsfonds wesentlichen Einfluss auf deutsche Unternehmen – nicht zuletzt in puncto Top-Management. Bevorzugt werden hoch qualifizierte, weltgewandte Personen, die Entscheidungen treffen, die Entwicklungen jenseits ihrer Heimat berücksichtigen.
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