Führungsstil Was Führungskräfte aus dem Fall Piëch lernen können

"An die Spitze kommen ist leichter als dort oben zu bleiben", hat Ferdinand Piëch einmal gesagt. Das hat er nun am eigenen Leib erfahren. Der Selbstenthronung können Manager vorbeugen: durch einen anderen Führungsstil.

Warum Narzissten schneller Karriere machen
Narzissten sind selbstbewusstSelbstbewusstsein und die dazugehörige Portion Rücksichtslosigkeit macht Narzissten so erfolgreich - und Unternehmen häufig erst innovativ. Eine Studie deutsch-amerikanischer Forscher um Wolf Christian Gerstner und Andreas König von der Universität Erlangen-Nürnberg zeigt: Unternehmen investieren umso häufiger in neue Technologien, je narzisstischer der jeweilige CEO ist. Dennoch ist Vorsicht angebracht: Zu viel Risikobereitschaft kann dem Unternehmen auch schaden. Quelle: AP
Narzissten sind ideale ChefsNarzissmus ja, aber bitte nicht zu viel. So lautet die Beschreibung für den idealen Chef. Wissenschaftler um Emily Grijalva von der Universität von Illinois fanden heraus, dass der Zusammenhang zwischen Narzissmus und dem Erfolg als Führungskraft die Form eines umgekehrten U annimmt. Soll heißen: Extremer Narzissmus hilft ebenso wenig weiter wie überhaupt kein Narzissmus. „Der ideale Chef ist in Maßen narzisstisch“, sagt Grijalva. Quelle: Fotolia
Narzissten sind ehrgeizigVor allem in Chefetagen sind Narzissten keine Seltenheit. Kein Zufall: Zum einen sind Narzissten ehrgeizig, motiviert und machtgierig. Zum anderen verfügen sie über die nötige soziale Intelligenz, um ihre Untergebenen und Kollegen zu umschmeicheln. Das beweist auch eine Studie von der Ohio State Universität aus dem Jahr 2008. Die ergab: Narzisstische Studenten sind nicht nur besonders dominant bei Diskussionen, sondern wurden auch häufig in den Vorsitz von Studentenvereinigungen gewählt. Quelle: dpa
Narzissten machen steiler KarriereEgo hin oder her: Dass Narzissten schneller die Karriereleiter erklimmen, ist bekannt. Rücksichtslos und konsequent egoistisch lassen sie alle Hindernisse links liegen und ziehen durch, bis sie in der Chefetage angekommen sind. Dieses Charisma kann manchmal sogar ansteckend wirken - und Mitarbeiter dazu verleiten, selbst ein bisschen mehr Ehrgeiz an den Tag zu legen. Quelle: dpa
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Narzissten sind sympathischZumindest auf den ersten Blick. Das zeigt eine Studie der Universität Münster. Befragte Kommilitonen gaben bei Narzissten oft an: „Finde ich sympathisch, würde ich gern besser kennenlernen.“ Langfristig machen sich Narzissten dagegen keine Freunde – wer länger mit ihnen zu tun hat, dem werden Narzissten auf Dauer unsympathischer.   Quelle: Fotolia
Narzissten sind extrovertiertVor allem mit ihrer Extrovertiertheit können Narzissten oft punkten. Die kann schon beim Bewerbungsgespräch zum entscheidenden Vorteil werden - wenn der Narzisst es schafft, bereits bei diesem ersten Treffen zu glänzen. Quelle: Fotolia
Narzissten sind beharrlichNarzissten sind von sich und ihren Ideen überzeugt - und wirken dementsprechend selbstbewusst. Ihre Ziele halten sie für die einzig waren – und verfolgen sie daher konsequent, wenn andere bereits aufgeben. Auch das ist ein Charakterzug, der im Berufsleben von Vorteil ist. Zumindest in Maßen. Quelle: AP
Was als direkter Angriff begann, kann durch gezieltes Nutzen von Schwächen verstärkt werden Quelle: Werner Heiber/Fotolia

Ferdinand Piëch hat den Posten des Aufsichtsratschefs bei Volkswagen abgegeben. Er stolperte über seine Versuche, VW-Chef Martin Winterkorn zu unterwandern. Auf der heutigen VW-Hauptversammlung müssen sich nun der VW-Vorstand und -Aufsichtsrat den Aktionären stellen. Schuld an seinem Abgang war auch sein Führungsstil. So war es ihm nach eigenen Aussagen nicht wichtig, ein gutes Verhältnis zu seinem beruflichen Umfeld zu haben, Geschweige denn gemocht zu werden. Machthungrige Menschen nehmen sich oft nicht die Zeit, oder sehen keine Notwendigkeit darin, in den Beziehungsaufbau mit ihrem Umfeld zu investieren. Sie vergessen, dass genau diese Menschen ihnen in bestimmten Situationen wichtige Verbündete sein können. Sie setzten sich etwas in den Kopf und versuchen, es mit allen Mitteln durchzusetzen.

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Doch ist das wirklich das Verhalten eines wahren Alphatiers? Ist das der Weg, um sich langfristig seine Stellung im Unternehmen oder als Unternehmer zu sichern? Menschen, die mit aller Macht versuchen, andere zu beeinflussen, und die sich über die Bedürfnisse ihres Umfeldes stellen, haben keine Macht. Ihnen wird sie nur fälschlicherweise zugesprochen. Dieses Verhalten verbreitet keinen Respekt, sondern Missmut und Angst.Wahre Profis gehen viel gezielter und strategischer vor. Sie wissen ganz genau, was sie wollen und wo sie hin möchten. Sie wissen allerdings auch, dass sie ohne starke Verbündete an ihrer Seite schwer bis gar nicht an ihr Ziel kommen. Daher sind sie wertschätzend und respektvoll im Umgang mit ihren Mitmenschen.

Die Hitliste der Chef-Lügen

Und sie müssen keine diktatorische Anweisungen geben und sich über alle in ihrem Umfeld hinwegsetzen, sondern sie überzeugen Mitarbeiter so von ihrem Ziel, dass sie ihnen freiwillig folgen. Das passiert auf körpersprachlicher und auf kommunikativer Ebene.

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Zuerst werden alle verfügbaren – auch unterschwelligen – Informationen gesammelt. Diese müssen richtig eingeordnet werden, denn es geht darum, einzuschätzen, wie sich der Gesprächspartner fühlt, welche Einstellung er hat und was er denkt. Mit diesen Informationen hat der Charismatiker einen großen Vorsprung im Kontakt – er kann perfekt auf die Bedürfnisse des Gegenübers reagieren. Das erfordert viel Einfühlungsvermögen und Flexibilität – und vor allem eine gestandene Persönlichkeit. Durch genau diese Eigenschaften schaffen es charismatische Persönlichkeiten Anhänger für ihre Vorhaben zu finden. Doch eines ist dabei sehr wichtig. Wenn es bei den Zielen immer nur um den eigenen Nutzen geht, werden die vermeintlichen Unterstützer sehr schnell müde sein.

Denn die meisten Menschen möchten einen Sinn hinter dem finden, was sie tun. Besteht der einzige Sinn darin, die eigennützigen Ziele anderer zu verfolgen, werden sie sich schnell abwenden. Wichtig ist also, dass man Ziele so setzt oder formuliert, dass sie gemeinnützig sind. Was haben andere von Ihrem Ziel, dass ist die Frage. Danach erst kommt die dritte Frage: „Wer kann mir dabei helfen, das Ziel zu verwirklichen?“ Und spätestens hier zeigt sich, dass es sich lohnt, in allen Hierarchiebenen Verbündete zu haben.

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