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Führungswechsel
Quelle: imago images

Sparen ist Verrat an den Enkeln

Die Deutschen machen nicht genug aus ihrem Ersparten. Statt es mit Risiko, aber mit langfristigen Gewinnaussichten anzulegen, bunkern sie es auf Girokonten und Sparbüchern. Dabei wird das Geld beim Sparen sogar weniger.

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Das DAX-Rendite-Dreieck von Deutschen Aktieninstitut (DAI) zeigt es deutlich: Wer 1990 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, erzielte in diesem Zeitraum eine durchschnittliche jährliche Rendite von 6,8 Prozent. Trotz Finanzcrash 2008! Hätte man im Krisenjahr 2008 in den DAX investiert und die Aktien zehn Jahre gehalten, wären es bis heute 11,1 Prozent jährliche Rendite gewesen.

Wohlgemerkt: „Hätte“! Denn die meisten kleinen Sparer wie großen Vermögenden haben es sich in einem wohligen Gefühl von Sicherheit am falschen Ort gemütlich gemacht. Sie bunkern fast eine Billion Euro auf Girokonten – unverzinst. Weitere 566 Milliarden Euro liegen auf niedrig verzinsten Tagesgeldkonten und dann parken immer noch etwa 60 Prozent der Deutschen Geld auf Sparbüchern. Die Aktien-Rendite erreicht nur rund neun Prozent der Sparer. Alle anderen scheuen das vermeintliche Risiko.

Dabei bringt die gefühlte Sicherheit von Giro-, Tagesgeld oder Sparkonto nur eins mit völliger Sicherheit: den Verlust von Geld! Wer sein Geld dort anlegt, ist garantiert am Ende ärmer als am Anfang – nur eben schleichend.

Wenn Unternehmerfamilien Geld von einer Generation zur nächsten weitergeben, sehen sie sich oft als Verwalter und Bewahrer des Erbes. Doch Sparen ist nicht das Ehren der vorherigen, sondern Verrat an der nächsten Generation. Große Vermögen wurden nicht durch das Vermeiden von Risiken geschaffen. Und so werden sie auch nicht erhalten.

Es ist wie in der Moral so auch in der Ökonomie: Untätigkeit ist eine Variante von Schuld. Wer sich durch risikoaversen Kapitalerhalt vor der Verantwortung drückt, verschwendet Zeit und Leistung. Sparen ohne Risiko gibt es genauswenig wie Investieren ohne Risiko. Wer glaubt, er handelt zukunftsorientiert und ökonomisch sicher, indem er oder sie in die heute wertvollsten Unternehmen der Welt investiert, unterschätzt die realen Wahrscheinlichkeiten: Denn es ist bislang nicht vorgekommen, dass Unternehmen über Jahrzehnte an der Spitze der wertvollsten Unternehmen bleiben. Warum sollte das ausgerechnet Alphabet/Google, Amazon, Apple, Facebook erstmals gelingen? Sehr viel wahrscheinlicher ist es, dass sie alle in zwanzig Jahren das Schicksal einer IBM oder Exxon nehmen – Kurs- und Wertverlust. Solches Auf und Ab ist genau das, was auf den ersten Blick verunsichert. Doch wer verantwortungsbewusst und auf Sicherheit bedacht ist, kennt nur eine Frage: Woher kommt das Wachstum der nächsten 10 oder mehr Jahre? Die Antwort lautet sicher nicht: Geld untätig ruhen lassen!

Der Preis von Geld ist inzwischen negativ. Jetzt ist selbst dem kleinen Sparer der Unterschied zwischen nominalem und realen Kapitalerhalt klar: Weniger (Risiko) ist in jedem Fall weniger (Rendite). Nominal und real – solange die Inflation positiv ist.

Dabei haben wir den längsten Aufschwung seit der Nachkriegszeit. In Zeiten des Überschusses müsste es eigentlich leicht sein zu investieren. Die Zinsen sind niedrig wie nie, auch langfristig. Die Zyklen der Veränderung immer kürzer. Der technologische Fortschritt immer schneller. Nichts ist so falsch, wie eine Entscheidung für den Erhalt des Status Quo zu treffen. Es braucht Entscheidungen, die wachstumsorientiert sind statt risikoscheu.

Sollte also nach diesem langen Aufschwung, den wir alle genießen durften, doch bald eine Rezession kommen, dann ist das kein Grund zum Jammern. Der angebliche Schrecken der Krise ist in Wahrheit die optimale Einstiegschance. Wer Wachsein und Wachstum miteinander verbinden will, sucht nach neuen Technologien (Nein, nicht „irgendwas mit Internet“. Das ist nicht neu!). Derzeit entpuppen sich vor allem unkopierbare, einzigartige digitale Werte – kurz die Blockchain-Technologie – als Treiber von Wachstum und damit Rendite. Sicher, man könnte sich an den unzulänglichen Testpiloten stören, deren Scheitern in konservativen Kreisen genüsslich zelebriert wird. Aber wie viele erfahrene Piloten sind gescheitert, bevor Charles Lindberg oder Elly Beinhorn um die Welt flogen? Gerade in der Blockchaintechnologie gibt es unglaubliche Chancen zu entdecken: in Gesundheit und Bildung, in Produktion und Verwaltung, aber auch in der Finanzindustrie selbst.

Etablierte, langjährig erfolgreiche Fonds zeigen dieselben Tugenden wie große Firmen: Offenheit für neue Technologien, Ehrgeiz, erfrischende Ideen und Mut, neue Standards zu setzen. Ein solcher Investmenthorizont ist meistens eine lohnende Wahl. Nicht vor dem vermeintlichen Risiko sollte man Angst haben, sondern vor der Frage der Enkel: Wieso hast du aus dem, was du hattest, nicht zumindest versucht, mehr zu machen?

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