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Gefühle am Arbeitsplatz Lassen Sie Ihre schlechte Laune raus

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Zweifler und Nörgler sind erfolgreicher

Auch Julie Norem misstraut den Versprechen der Glücksforschung. In ihren Studien beobachtete die Psychologin von der US-Privatuniversität Wellesley College: Nicht die Glücklichen sind erfolgreich, sondern die Zweifler, Nörgler und Schwarzseher. Dahinter steckt oft eines der stärksten menschlichen Gefühle: „Angst ist eine sehr intensive Emotion, die gerade deswegen aber auch die Sinne schärft“, sagt Norem. „Menschen, die sie besonders stark empfinden, werden dadurch oft zu Pessimisten.“ Die Folge: Sie konzentrieren sich auf die Ursprünge ihrer Furcht und damit vor allem auf das, was bei einer Sache schiefgehen kann. Keine gute Idee. Und ein großer Fehler.

Glaubt man der Glücksforschung, ist Pessimismus fast schon eine Krankheit. Die Erfolgreichen, das sind die Optimisten, die überall die Chancen sehen und vorangehen. Viele Studien zeigen allerdings das Gegenteil. Norem hat in mehreren Experimenten herausgefunden, dass Pessimisten Aufgaben genauso gut lösen wie Optimisten, manchmal sogar besser.

Wie gehen Sie mit Stress und Ärger um?

„Pessimismus kann eine sehr erfolgreiche Strategie sein, denn dadurch finden wir Fehler und vermeiden sie künftig“, sagt Norem. Der Grund: Wenn wir gut gelaunt sind, beschäftigen wir uns weniger mit Details und neigen zu schnellen Schlüssen. Negative Gefühle wie Angst und Unsicherheit erhöhen hingegen die Aufmerksamkeit.

Mit guter Laune trifft man schlechtere Entscheidungen

Der Psychologe Rui Mata von der Universität Basel konnte zum Beispiel zeigen, dass Gutgelaunte häufig schlechtere Entscheidungen treffen. Er ließ 64 Probanden in einem simulierten Onlineshop einkaufen. Bei 60 Produkten, vom Rasenmäher bis zum Kühlschrank, sollten sie nach dem günstigsten Preis suchen.

Management



Vorher hatte er detailliert abgefragt, in welcher Stimmung sich die Teilnehmer gerade befanden. Und siehe da: Wer sich glücklich und ausgeglichen auf die Suche nach Schnäppchen machte, gab sich oft mit dem ersten Angebot zufrieden. Die besten Geschäfte machten jene Teilnehmer, die mies gelaunt waren. Es stimmt also offenbar, dass jedes Team mindestens einen Optimisten und einen Pessimisten haben sollte. Leider sei diese Regel in den vergangenen Jahren durch den Hype um die gute Laune in Vergessenheit geraten, sagt Julie Norem.

So berechtigt der Fokus auf Glück auch sein mag – dadurch missachten wir, dass jede menschliche Emotion eine Aufgabe und einen Sinn hat. Manchmal brauchen wir eben eine gesunde Portion Schwarzseherei, um gute Arbeit zu leisten. Und damit am Ende glücklich zu werden.

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