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Gefühlvoll Führen Tun Sie nicht, als hätten Sie alles im Griff

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Keine Angst vor Niederlagen

Ähnlich positiv sieht Julia Jäkel, CEO des Hamburger Verlagshauses Gruner & Jahr, die bewusste Trennung von Mensch und Handlung. Denn nur wer keine Angst vor Konsequenzen hat, kann sich den „Mut zum Experiment“ erlauben, der für Kreativität notwendig ist. Sie erzählt: „Nachdem wir 2015 mit großem Erfolg neue Magazine gestartet hatten wussten wir, wie innovativ G+J sein kann. Angesichts einiger Erfolgsgeschichten haben wir den Eintritt in einen der attraktivsten Märkte gewagt, den der wöchentlich erscheinenden Frauenzeitschriften.

Das Magazin „Frei“ sollte moderner, jünger und anders sein als die zahllosen Konkurrenzblätter. Alle Markt- und Werbeumfeld-Analysen sprachen für eine Erfolgsstory.“ Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht. Die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen zurück. Auch Anpassungen von Preis, Titel und Logo halfen nicht. Nach 18 Ausgaben zog der Verlag die Notbremse und stellte das Heft wieder ein.

Dennoch – oder: gerade deshalb – bezeichnet Jäkel „Frei“ als „Schlüsselerfahrung für eine kreative Kultur und den Unternehmergeist bei G+J, weil bei den Mitarbeitern dank einer absolut offenen und stringenten Kommunikation des Scheiterns zwei Botschaften angekommen sind. Erstens: G+J erlaubt Mut und fordert das Wagnis. Zweitens: G+J entscheidet schnell und konsequent. Das war von großer Bedeutung, um eine kreative Arbeitsatmosphäre zu schaffen und zu bewahren. Denn niemand kann kreativ sein, wenn er ständig Angst vor der Niederlage hat.“

Eine derartige Unternehmenskultur, in der nicht jedes Problem gleich persönlich übel genommen wird, kann sogar noch viel größere Schäden vermeiden. Zum Beispiel, wenn man sich den Bereich IT-Sicherheit anschaut. Christian Funk, Leiter des Global Research and Analysis Team beim IT-Sicherheitsunternehmen Kaspersky, mahnt: „In vielen Firmen gibt es keine gute Fehlerkultur. Wenn Angestellte ihre E-Mails lesen und merken, dass es sein könnte, dass sie gerade auf einen Link in einer zweifelhaften Mail geklickt haben, verschweigen sie das häufig aus Scham oder Angst vor Konsequenzen. Dabei wäre es für die Firma absolut notwendig, sofort Bescheid zu wissen. Dann kann die IT-Abteilung schnell reagieren und das Schlimmste verhindern. Solche E-Mails sind sehr gut gemacht, oft zielgerichtet, es kann wirklich jedem passieren, aus sowas hereinzufallen. Doch statt die IT zu benachrichtigen, werden Spuren vernichtet, E-Mails und heruntergeladene Dateien gelöscht. Erst nach Monaten wird die Infektion entdeckt – dann ist keine Forensik mehr möglich und man kann kaum mehr feststellen, wie lange schon jemand im Netzwerk ist, welche Dateien ausgespäht wurden und welche nicht. Jeder Mitarbeiter sollte wissen: Du musst sofort reagieren und hast nichts zu befürchten!“

Wäre das auch bei ihm im Team der Fall? Funk lacht: „Ich hoffe es! Hier wissen alle, wie schnell man am Ende eines langen Tages einen Fehler machen kann.“

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