Gehaltsdebatte Ungedeckelte Boni sind inakzeptabel

Der Vergütungsexperte William Eggers spricht über die angemessene Bezahlung, deutsche Musterknaben und die Legende vom heimatlosen Top-Manager.

Foto von W. Eggers

WirtschaftsWoche: Herr Eggers, Volkswagen hat das Gehalt von Martin Winterkorn gedrosselt, die Munich Re passt ihre Vorstandsvergütung an, und bei der Deutschen Bank überprüft derzeit eine Kommission die Strukturen. Alles nur schöner Schein?

Eggers: Nein, in den deutschen Unternehmen verändert sich wirklich etwas. Und es hat in den vergangenen Monaten einen weiteren Schub gegeben.

Warum?

Vor allem zwei Ereignisse haben die Gemüter erhitzt. Zum einen die Spekulationen um das 20-Millionen-Euro-Salär von Winterkorn, zum anderen der 80-Millionen-Euro-Bonus eines Investmentbankers der Deutschen Bank. Diese ungedeckelte Bonuszahlung zeigt deutlich die Auswüchse im Investmentbanking, die den Bürgern weder vermittelbar noch vertretbar sind. Das haben mittlerweile auch viele Top-Manager eingesehen.

Die bestverdienenden Firmenlenker Europas
Platz 10: Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender bei der Daimler AG 8.654.000 EuroQuelle: Die Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner (hkp) hat die Vergütung der in den Börsenindizes STOXX Europe 50 und EURO STOXX 50 geführten Unternehmen für das Geschäftsjahr 2011 ausgewertet. Quelle: dpa
Platz 9: Peter Löscher, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG 8.706.633 Euro Quelle: dpa
Platz 8: Josef Ackermann, Ex-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank 9.355.150 EuroLaut hkp-Studie liegen die Gehälter für Manager im Finanz- und Bankenbereich unter dem europäischen Durchschnitt (5.719.286 Euro). Der Grund: Die Marktsituation, sowie eine verstärkte Regulierung der Branche drücken die Gehälter - auch auf den höheren Managementebenen. Noch vor der Wirtschafts- und Finanzkrise waren die CEO-Löhne bei Banken & Co die höchsten in Europa. Quelle: dpa
Platz 7: Sir Terry Leahy, Chief Executive der britischen Handelsmarktkette Tesco 9.922.936 EuroDie Gehälter der Top-Manager in Großbritannien, Schweiz und Deutschland bilden die Spitze im europäischen Vergleich. Im Durchschnitt verdienen die Schweizer CEOs 8.047.000 Euro, ihre Kollegen auf den britischen Inseln 6.730.000 Euro und die deutschen Vorstandsvorsitzenden 6.664.000 Euro. Die hkp-Studie stellt fest, dass innerhalb derselben Branche sich die Gehälter nach und nach annähern, doch die Unterschiede im Ländervergleich bleiben groß. Ein Schlüsselfaktor für die Vergütung: die Unternehmensgröße, die Branche, und der Standort des Konzernsitzes. Die Gehälter der europäischen Manager liegen laut hkp deutlich unterhalb der ihrer us-amerikanischen Kollegen. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 6: Severin Schwan, Chief Executive Officer beim Schweizer Pharmakonzern Roche 10.021.932 Euro Quelle: REUTERS
Platz 5: Peter Voser, Chief Executive Officer beim britischen Mineralöl- und Erdgaskonzern Royal Dutch Shell 10.208.000 Euro Quelle: dpa
Platz 4: Bernard Arnault, Chef der französischen Luxusgüter-Gruppe Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH) 10.696.670 EuroArnault hat im September die belgische Staatsbürgerschaft beantragt und angenommen - aus Angst vor den Steuererhöhungsplänen der französischen Regierung unter Staatspräsident Francois Hollande. Quelle: dpa
Platz 3: Alfredo Saenz Abad, Vorstandsvorsitzender der Banco Santander S.A. 10.723.000 Euro Quelle: dapd
Platz 2: Joseph Jimenez, Chief Executive Officer des Pharmakonzerns Novartis 12.544.596 Euro Unternehmenslenker aus der Pharmabranche verdienen laut der hkp-Studie die höchsten Gehälter. Der Sektor zähle zu den wenigen globalen Branchen, die überall auf der Welt Forschungs- und Produktionsmärkte besitzen. Die Folge: Führungskräfte sind einem globalen Wettbewerb ausgesetzt, Unternehmen müssen weltweit um die besten Manager werben. Quelle: REUTERS
Platz 1: Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG 16.569.206 EuroDer Grund für das hohe Gehalt in Großbritannien, Schweiz und Deutschland: In den drei Ländern beträgt der Anteil der langfristig variablen Vergütung am Gesamtgehalt jeweils 65, 62 und 53 Prozent - also fast zwei Drittel. In Italien, Spanien und Frankreich bestimmt das Gesamtgehalt dagegen ein Fixbeitrag - in Spanien beträgt er im Schnitt 39 Prozent des Gesamtgehalts. Langfristige Erfolge werden somit weniger stark honoriert. Quelle: dapd

Wird die Betriebsamkeit der deutschen Unternehmen mit Blick auf das Schweizer Referendum weiter zunehmen?

Eher nicht. In Deutschland sind die Veränderungen bereits 2010 infolge der Bankenkrise eingeleitet worden. Der Corporate Governance Kodex legt zum Beispiel fest, dass die Hauptversammlung ihr Votum zur Managervergütung abgeben kann.

In der Schweiz sollen jetzt auch Abfindungen und Antrittsprämien für Manager abgeschafft werden. Sind diese Regelungen auch in Deutschland denkbar?

Das ist bei uns nicht notwendig, es gibt dazu bereits Regeln. Zum Beispiel darf eine Abfindung nicht höher sein als die Gehälter, die der Vorstand in der Restlaufzeit seines Vertrages noch bekommen hätte – und zwei Jahresgehälter sind die Obergrenze. Die Schweizer hatten dazu bislang keine Vorschriften, deshalb war es für sie der richtige Weg. Aber sie sind bestimmt keine Revolutionäre.

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