Gehaltsschere Top-Manager verdienen das 54-fache ihrer Angestellten

Zwischen normalen Arbeitseinkommen und den Vorstands-Gehältern bei Deutschlands Börsenschwergewichten klafft eine riesige Lücke. Dabei steigen die Löhne der Angestellten deutlich stärker als die Vorstandsgehälter.

Die Top-Verdiener der Dax-Konzerne
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Auch RWE-Chef Peter Terium ist im Gehälter-Ranking der Dax-Vorstandschefs nach vorne gerückt. Er bekam im vergangenen Jahr nur etwas mehr Gehalt ausgezahlt als 2013. In der Summe waren es 5,7 Millionen Euro. Quelle: AP

Während sich Angestellte in Deutschland 2014 über durchschnittlich 3,8 Prozent mehr Lohn freuen konnten, sind die Gehälter der Dax-Vorstände nur um 1,5 Prozent gestiegen. Damit blieben sie auch deutlich hinter der Gewinnentwicklung im Dax mit 6,8 Prozent zurück.

Das geht aus einer aktuellen Untersuchung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen Universität München hervor. „Möglicherweise hat die gesellschaftliche Debatte um die Bezahlung von Top-Managern zu dieser moderaten Entwicklung beigetragen“, sagt Gunther Friedl, Professor am Lehrstuhl für Controlling der TU München.

2013 hatte die Entwicklung bei der Vergütung noch anders ausgesehen. Während die Vorstände damals ein Plus von etwa vier Prozent verzeichnen konnten, erhielten die einfachen Angestellten nur 1,4 Prozent mehr Lohn.

Durchschnittsgehalt von 3,4 Millionen Euro

Mit Blick auf die totalen Summen verdienten die Dax-Chefs mit durchschnittlich 3,4 Millionen Euro aber immer noch das 54-Fache des Durchschnittsgehalts eines Angestellten in Dax-Unternehmen. Das ist weit mehr, als viele Menschen denken. Im vergangenen Jahr hatte Forscher der Harvard Business School und der thailändischen Sorapop Kiatpongsan of Chulalongkorn University in einer Befragung in 40 Ländern herausgefunden, dass sich die Menschen nur eine 4,6 mal höhere Vergütung des Chefs gegenüber einem ungelernten Mitarbeiter wünschen. Die Realität sieht vielerorts anders aus.

So viel verdienen die deutschen Aufsichtsratschefs
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Ebenfalls auf Unverständnis stößt der Trend, dass Vorstandsgehälter immer weniger von Leistungen abhängig gemacht werden. „Diesen Trend halten wir für bedenklich“, sagt Friedl. „Denn das Gehalt sollte sich vor allem aus der Leistung eines Vorstandsmitglieds ergeben. Bei einem Rückgang der wirtschaftlichen Kennzahlen eines Unternehmens sollte auch das Gehalt entsprechend reagieren.“

Die Studie der DSW und der TU München zeigt einen sich festigenden Trend zu höheren Fixgehältern und sinkenden variablen Anteilen in der Vorstandsvergütung. Der an den Aktienkurs gekoppelte Teil der Vergütung ist laut Studie durchschnittlich um 11,1 Prozent gesunken. Der Anteil des Fixgehalts hingegen um 4,9 Prozent gestiegen. Damit macht es mittlerweile im Schnitt 30,5 Prozent der Vorstandsvergütung aus.

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„Für die Anteilseigner spielt die absolute Höhe der Vorstandsgehälter oft nur eine zweitrangige Rolle“, sagt DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Wichtiger sei, dass die Gehaltsentwicklung die Geschäftsentwicklung widerspiegle. Steigende Gehälter bei sinkenden Erträgen führten in der Regel zu intensiven Diskussionen auf den Hauptversammlungen. „Dann ist etwas faul im System“, sagt Tüngler.

Gleichwohl lobten die Studienautoren die zunehmende Transparenz bei der Vorstandsvergütung.

Die 30 Vorstandsvorsitzenden der Dax-Unternehmen erhielten im Schnitt für das abgelaufene Jahr 5,3 Millionen Euro und damit etwas mehr als ein Jahr zuvor. Damit lagen sie im internationalen Vergleich oberhalb ihrer Kollegen in Frankreich (3,7 Millionen Euro) und unterhalb ihrer Kollegen in der Schweiz (6,0 Millionen Euro), sagte DSW-Vergütungsexpertin Christiane Hölz.

Meilenweit entfernt bleibt für die meisten Top-Manager in Deutschland das Gehaltsniveau der USA: Die Bosse der Unternehmen im Dow Jones Industrial Average (DJIA) kamen im Schnitt auf eine Jahresvergütung von umgerechnet 15,1 Millionen Euro. Spitzenverdiener: Der neue Microsoft-Chef Satya Nadella, der insgesamt rund 63,4 Millionen Euro erhielt - zum Großteil (54,7 Millionen Euro) allerdings in Form von Aktienpaketen, auf die er erst 2019 zugreifen kann.

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