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Gepflogenheiten im Ausland Warum ein einfacher Knigge-Kurs nicht reicht

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Kreative Problemlösetaktiken? Fehlanzeige

„In vielen Besprechungen zu Versuchsergebnissen und der Suche nach einer technischen Lösung fiel mir auf, dass zwar fleißig Versuche gemacht, aber aus den vermeintlichen Fehlschlägen kaum Schlüsse gezogen wurden“, erzählt Althoff. Stattdessen sei etwas anderes ausprobiert worden – in der Hoffnung, dass der andere Weg den gewünschten Erfolg bringt. „Anders ausgedrückt: In der Regel werden Strategien verfolgt, die auf Gelerntem beruhen. Die meisten Ideen zur Lösung technischer Probleme wurden im Verlauf der Ausbildung auswendig gelernt und nacheinander ausprobiert. Eine kreative Auseinandersetzung mit Fehlversuchen und die Kombination neuer Ideen findet eher weniger statt.“

Nicht jeder, der europäisch scheint, arbeitet auch so

Althoff, der sich viel mit Unternehmensexpansionen und -niederlassungen in Asien, Nordamerika und Europa befasst, erlebt häufig, dass sehr erfolgreiche Mittelständler im Ausland schwer auf die Nase fallen. Sie gehen davon aus, dass Menschen, die auf den ersten Blick europäisch zu denken scheinen auch arbeiten, wie der gemeine Deutsche es gewohnt ist. Dabei schlackert ja schon innerhalb Europas so mancher Unternehmer mit den Ohren, weil beispielsweise Pünktlichkeit von Land zu Land anders interpretiert wird.


Auf anderen Kontinenten sind die Unterschiede dann noch stärker spürbar, wie er sagt. „Eigentlich merkt man es schon am indischen Flughafen: Der Taxifahrer hat die Regel gelernt, dass er Fahrgästen das Gepäck ins Auto zu tragen hat. Die Regel wird gnadenlos durchgezogen – ob der Fahrgast das möchte oder nicht. Ihm wird ohne einen einzigen Augenkontakt das Gepäck entrissen.“

Dass die Regeln der Kommunikation den unseren aber wieder sehr ähnlich seien, ließe viele Unternehmer die restlichen Unterschiede übersehen. Schließlich werde man sich viel schneller einig, als beispielsweise mit japanischen Geschäftspartnern, die Wert auf ganz andere Konversationsformen legten.

So benehmen Sie sich in Indien richtig


Das ändere aber nichts daran, dass Inder und Deutsche unterschiedlich ticken, so Althoff. „Oft bekomme ich zu hören, man könne dies und jenes nicht tun, weiterführende Aktivitäten müssen gestoppt werden und in der Folge sei der Terminplan nicht mehr zu halten. Schaut man dann genauer hin, ist alles nicht so tragisch und man kann vieles umlenken in positive Effekte, die alle angeblichen Verzögerungen kompensieren.“ Ein paar Planänderungen, ein bisschen Kreativität und schon sei man wieder auf dem richtigen Weg. Diese Herangehensweise gehöre jedoch nicht zum Repertoire der Kollegen vor Ort – und schon steht die Produktion so lange, bis jedes Einzelteil völlig perfekt ist.

Bei der Lösung solcher kultureller Differenzen nützt es natürlich wenig, wenn sich der deutsche Unternehmer lediglich damit beschäftigt hat, ob er den Herrn oder die Dame zuerst begrüßt, und ob man schon vor oder erst nach dem Dessert über das Geschäftliche spricht.

Tipps für Meetings im Ausland

Wer nicht nur höflich, sondern auch unternehmerisch erfolgreich sein wolle, brauche vor allem eine Beobachtungsgabe für kulturelle Unterschiede und genügend Feingefühl, damit umzugehen. Standard-Kniggetrainings nützen da eher dem Studenten, der fürs Auslandssemester nach Spanien geht.

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