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Gerhard Richter Auch mal was wegwerfen

Wie Kunst-Weltstar Gerhard Richter den Trubel zu seinem 80. Geburtstag erlebt, was er von seiner Geburtstadt Dresden hält und wie er mit missglückten Bildern umgeht

Ein Malergenie wird 80
Zum 80. Geburtstag von Gerhard RichterDer Maler Gerhard Richter wurde in Dresden geboren, lebt inzwischen aber in Köln. Schon jetzt ist klar: Der nun 80-Jährige wird in die Kunstgeschichte eingehen. Quelle: dpa
Die Dresdner Schau ist eine der beiden großen Präsentationen in Deutschland zu Richters 80. Geburtstag am 9. Februar. Quelle: dpa
Zur Eröffnung der Ausstellung "Gerhard Richter Atlas" im Lipsiusbau in Dresden hat sich allerlei Presse eingefunden. Die unter diesem Werktitel zusammengefassten 783 gerahmten Tafeln aus dem Münchner Lenbachhaus enthalten Fotografien, Zeitungsausschnitte, Skizzen und Entwürfe, die Richter seit den frühen 60er-Jahren für seine Arbeit im Atelier zusammengetragen hat. Quelle: dpa
Eine Besucherin geht in der Gerhard-Richter-Ausstellung "Bilder einer Epoche" im Bucerius Kunst Forum in Hamburg am Bild "Ema" vorbei. Das Gemälde gehört zu den berühmtesten des Malers. Quelle: dpa
Das Monumentalbild "Düsenjäger" aus der frühen Phase von 1963 wurde 2007 in New York für 7,7 Millionen Euro von einem unbekannten Bieter ersteigert. Quelle: dpa
"Abstraktes Bild ("Rot")" von Gerhard Richter: Auch dieses Bild wurde für mehrere Millionen versteigert. Quelle: Reuters
Der Maler Gerhard Richter in der Galerie Neue Meister im Albertinum in Dresden zwischen seinen Werken "Die Sekretaerin" (r.), aus dem Jahr 1963 und "Das Motorboot" aus dem Jahr 1965. Der Kuenstler selbst hat in den 1960er Jahren die Programmlosigkeit zu seinem Konzept erhoben. "Ich mag alles, was keinen Stil hat", soll Gerhard Richter damals in seinen Notizen festgehalten haben. Eine große Richter-Retrospektive in den 90ern kommentierten Kritiker mit den Worten, die Schau könnte auch ganz verschiedene Künstler zeigen. Quelle: dapd

Herr Richter, Sie feiern am 9. Februar Ihren 80. Geburtstag. Wie verbringen Sie den Tag?

Richter: In Berlin, mit meiner Familie. Wir werden uns meine Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie ansehen, bevor sie offiziell eröffnet wird.

Dort wird, neben Schlüsselwerken Ihres Werks auch ein 200 Meter langes Gemälde zu sehen sein, eine Aneinanderreihung abstrakter Farbtafeln. Was hat es damit auf sich?

Diese Art der Zusammenstellung war eine Idee des Museums. Albern.

Museen ehren Sie anlässlich Ihres Geburtstags weltweit mit Ausstellungen, Sammler, Kuratoren und Kritiker überschütten Sie mit Lobeshymnen. Ist Ihnen das unangenehm?

Was soll ich denn machen? Es ist schon viel. Aber es ist auch ein Trost.

Die teuersten Bilder unterm Hammer
Das Gemälde "Nafea faa ipoipo?", 1892 von Paul Gauguin gemalt, ist Gerüchten zufolge das teuerste Gemälde der Welt. Quelle: AP
Künstler: Andy Warhol Werk: Self-Portrait (1963-1964) Versteigert am: 11. Mai 2011, bei Christie's in New York, USA Auktionspreis: 34.250.000 US-Dollar Quelle: Christie's
Künstler: Egon Schiele Werk: Häuser mit bunter Wäsche (1914) Versteigert am: 22. Juni 2011, bei Sotheby's in London, Großbritannien Auktionspreis: 35.681.800 US-Dollar Quelle: Sotheby's
Künstler: Gustav Klimt Werk: Litzlberg am Attersee (1914/1915) Versteigert am: 02. November 2011, bei Sotheby's in New York, USA Auktionspreis: 36.000.000 US-Dollar Quelle: Sotheby's
Künstler: Pablo Picasso Werk: La Lecture (1932) Versteigert am: 02. August 2011, bei Sotheby's in London, Großbritannien Auktionspreis: 36.274.500 US-Dollar Quelle: Sotheby's
Künstler: Beihong Xu Werk: Cultivation on the peaceful land (1951) Versteigert am: 05. Dezember 2011, bei Poly International Auction Co., in Beijing, China Auktionspreis: 36.679.200 US-Dollar Quelle: Poly International Auction Co.
Künstler: Francesco Guardi Werk: Venedig, eine Ansicht der Rialto-Brücke, nach Norden schauend, von der Fondamenta del Carbon (1768) Versteigert am: 06. Juli 2011, bei Sotheby's in London, Großbritannien Auktionspreis: 38.256.120 US-Dollar Quelle: Sotheby's

Auch Ihre Geburtsstadt Dresden feiert Sie dieser Tage mit einer Ausstellung. Rührt Sie das?

Das ist sehr berührend, ja. Die Stadt hat mich ja sehr geprägt, auch wenn mir manches inzwischen wie Disneyland vorkommt. Aber die Ausstellung, die ist mir ein großes Ereignis.

Gezeigt wird Ihr Atlas – eine Sammlung aus mittlerweile knapp 800 Tafeln, die wiederum aus mehr als 15.000 Skizzen, Zeitungsausschnitten, Entwürfen und vor allem Fotografien bestehen – Schnappschüsse von Kriegsszenen, Blumen, Flussläufen, Gebirgszügen, bis hin zu Aufnahmen Ihrer Frau beim Stillen, von denen einige die Entstehung eines späteren Bildes verdeutlichen, andere einfach nur wie zusammenhanglose Schnipsel wirken. Was hat das mit Kunst zu tun?

Es ist ja kein Kunstwerk – aber interessant ist es schon. Und ich bin dankbar, dass jemand das Zeug aufgehoben hat. Es ist ein Versuch, sich zu orientieren, Ordnung ins Chaos zu bringen. Aber auch Ausdruck meiner Ordnungsliebe. Und zum Wegwerfen zu schade, zum Verkaufen nicht gut genug.

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