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Geschäftsreisen Dienstreisen dürfen wieder etwas mehr kosten

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Anteil der Businessclass-Reisenden nimmt zu

Wem dabei welche Flugklasse zusteht, wie viele Sterne das Hotelzimmer haben darf, mit welchen Airlines oder Hotelketten zusammengearbeitet wird, ob die Sekretärin für den Reisenden bucht oder ob er das über eine Plattform selber machen muss, ist in den Reiserichtlinien fixiert. Um deren Gestaltung, den Einkauf von Flugtickets und Hotelzimmern und die Preisverhandlungen mit den Dienstleistern kümmert sich in Großunternehmen und bei vielen Mittelständlern ein Travel Manager.

Mit dem gestiegenen Wettbewerbsdruck für die deutsche Wirtschaft, vor allem aber durch die Finanz- und Wirtschaftskrise haben sich die Prämissen des Reisemanagements verändert. Nicht mehr der Service für die Reisenden stand im Vordergrund, sondern das Kappen der Kosten, die Travel Manager wurden zu Sparkommissaren: Holz- statt Businessklasse im Flugzeug, zweite statt erste Klasse in der Bahn, Drei- statt Vier-Sterne-Hotel, öffentlicher Nahverkehr statt Taxi wurden zum Standard.

Mittlerweile geht es der deutschen Wirtschaft wieder gut, den Geschäftsreisenden wird mehr Komfort zugestanden: „Wo die Auftragsbücher voll sind, werden die Richtlinien gelockert“, sagt Liane Feisel vom Travel-Management-Beratungsunternehmen Feisel Consulting. Innerdeutsch und auf Europaflügen bleibt die Economyklasse zwar Standard, auf Langstrecken spendieren viele Firmen ihren Vielfliegern aber wieder die Businessclass.

Beim Automobilzulieferers Hella darf nach der der vierten Langstreckenreise im Jahr automatisch Business geflogen werden Quelle: dpa

Meistens gibt es das Upgrade erst bei Flügen von mehr als vier, teilweise auch sechs oder sieben Stunden, wie beim Paderborner Autozulieferer Hella. Der Leuchtenhersteller hat aber zusätzlich eine Härteregelung in seinen Reiserichtlinien eingebaut: „Nach der vierten Langstreckenreise im Jahr darf automatisch Business geflogen werden“, sagt Personalchef Markus Richter.

Die neue Freiheit schlägt sich auch im Verkehrsaufkommen nieder. Auf den Strecken nach Nordamerika ist der Businessclass-Anteil seit 2009 von 37 auf 40 Prozent gestiegen, auf Asienflügen von 39 auf 45 Prozent, nach Südamerika sogar von 49 auf 58 Prozent, ergab eine Auswertung der Geschäftsreisebürokette FCm Travel.

Stefan Vorndran, Chef von BCD Travel, sieht aber noch Raum für Verbesserungen: „Nur 40 Prozent der deutschen Vielreisenden fühlen sich gut von ihren Unternehmen unterstützt.“ Bemängelt wurden in der Studie „Chefsache Business Travel“ des Deutschen ReiseVerbands (DRV) vor allem Zeitverluste durch mangelhafte Planung und fehlender Komfort. „Begehrte Fachkräfte können Sie nicht in die Holzklasse zwängen“, warnt Beatrice Lingnau von der Geschäftsreisebürokette Hogg Robinson.

Unternehmen, die auf Kosten ihrer Vielreisenden sparen, laufen Gefahr, ein Eigentor zu schießen: Für 75 Prozent aller Angestellten, die regelmäßig beruflich auf Achse sind, ist der Reisekomfort ein entscheidender Faktor bei der Beurteilung der Attraktivität ihres Arbeitgebers. Anders ausgedrückt: Nicht nur Gehalt und Karriereaussichten spielen bei der Jobsuche eine Rolle, auch die Ausgestaltung der Reiserichtlinien ist ein Kriterium.

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