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Geschäftsreisen So können sich Manager auf Reisen schützen

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Kurzfristige Business-Trips

Sicherheitsbeamter in Mumbai Quelle: AP

Während früher vor allem Geschäftsführer und Vorstände von München nach Singapur oder von Frankfurt nach Rio reisten, sind heute auch Ingenieure und das mittlere Management weltweit unterwegs. Gut acht Millionen Mitarbeiter deutscher Unternehmen fahren und fliegen regelmäßig durch die Welt, laut Verband Deutsches Reisemanagement kamen sie 2011 auf knapp 155 Millionen Dienstreisen. 40 Millionen dieser Reisen führten ins Ausland, davon 28 Millionen nach Europa, der Rest verteilte sich auf Asien, Afrika und Amerika.

Hinzu kommt: Viele Business-Trips lassen sich nicht lange im Voraus planen, sondern werden kurzfristig nötig – wenn etwa im Hafen von Karatschi ein Schiff wegen Maschinenschaden festliegt oder ein Monteur eingeflogen werden muss, um auf einem Ölfeld in Saudi-Arabien einen gebrochenen Bohrkopf zu reparieren.

Wie gefährlich das Arbeiten in diesen Regionen sein kann, zeigt das Schicksal eines Ingenieurs, der für den Baukonzern Bilfinger Berger jahrelang in Nigeria war: Der Mann wurde im Januar nahe der nordnigerianischen Stadt Kano von Islamisten entführt und bei einem Befreiungsversuch durch nigerianisches Militär im Mai von den Entführern getötet.

Wie Sie in Ländern mit hoher Kriminalitätsrate sicher unterwegs sind

Natürlich droht nicht gleich an jeder Ecke der Tod – dennoch müssen Geschäftsreisende heute mit Extremsituationen umgehen lernen – etwa bei sogenannten Carjackings, bei denen die Angreifer den Fahrer an Ampeln oder in abgelegenen Stadtvierteln mit Waffen bedrohen, um das Auto in ihre Gewalt zu bringen.

Bei Expressentführungen werden die Opfer gezwungen, am nächsten Geldautomaten Bargeld zu ziehen. Experten schätzen den Schaden auf mehr als 100 Millionen US-Dollar pro Jahr – allein in Mexiko-Stadt gibt es täglich mehr als 70 solcher Kurzzeit-Kidnappings, die selten mehr als eine halbe Stunde dauern. Am gefährlichsten sind die Minuten vor Mitternacht: Die Täter zwingen ihre Opfer dann häufig, den Höchstbetrag zweimal abzuheben – einmal kurz vor und ein zweites Mal unmittelbar nach dem Datumswechsel.

So spektakulär kriminelle Übergriffe auf Geschäftsreisende auch sind: „Das größte Risiko auf Reisen sind Verkehrsunfälle, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Infektionen“, sagt Jadwiga Dutsch, ärztliche Leiterin der International-SOS-Alarmzentrale in Neu-Isenburg.

Reibungsloser Prozess

Wie unerwartet die eigene Gesundheit zum Risiko werden kann, musste Klaus Münninger (Name geändert) erfahren. Der Bayer-Mitarbeiter sollte in São Paulo ein IT-Projekt vorbereiten. Vom langen Flug und der Hitze geschlaucht, wollte er die Zeit bis zu seinem Termin für ein Nickerchen im Hotel nutzen. „Das Nächste woran ich mich erinnere, ist, wie ich im Krankenhaus sitze und ein brasilianischer Arzt auf mich einredet“, sagt er. Da ist es zehn Uhr abends. An die Stunden dazwischen kann Münninger sich nicht erinnern.

Heute kann er unbeschwert von dieser Situation erzählen. Das reibungslose Notfallprogramm seines Arbeitgebers und die Geistesgegenwart seines Kollegen imponierten ihm dabei besonders: Weil Münninger zum vereinbarten Treffen nicht aufgetaucht war, war sein Bayer-Kollege zusammen mit einem Hotelangestellten in Münningers Zimmer geeilt. Dort lag Münninger auf seinem Bett, frisch geduscht und angezogen – war aber nicht ansprechbar. Das Hotelpersonal verständigte einen Krankenwagen, Münningers Kollege wählte die Notfallnummer seines Arbeitgebers, die rund um die Uhr besetzt ist. Dieser Anruf bei der Konzernsicherheit setzte einen detailliert geplanten Prozess in Gang: Die Bayer-Niederlassung in São Paulo wurde verständigt und rief in der Klinik an, um die Kostenübernahme aller Untersuchungen zu garantieren – sonst hätten die Ärzte mit der Behandlung wohl gar nicht begonnen. „Das kann im Notfall zum Problem werden“, sagt Michael Sorge, Leiter der Konzernsicherheit bei Bayer. Vier Tage testeten die Ärzte ihren Patienten auf Schlaganfall, Herzinfarkt und andere körperliche Beschwerden. Ihre Diagnose: transiente globale Amnesie – eine sehr seltene Form vorübergehenden Gedächtnisverlusts, gepaart mit Orientierungslosigkeit und Bewusstseinsstörungen.

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