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Gesetz gegen Manager-Boni Alles nur Wahlkampf, oder was?

Die SPD will Manager-Boni wie bei VW und der Deutschen Bank verhindern. Noch in dieser Legislaturperiode soll aus dem ewigen Neid- und Aufregerthema ein Gesetz werden.

Die SPD will per Gesetz eine feste Obergrenze für Managerboni einführen. Quelle: dpa

Die SPD haut kräftig auf die Wahlkampf-Pauke: Erst kündigt Arbeitsministerin Andrea Nahles an, noch in dieser Legislaturperiode einen Anspruch auf befristete Teilzeit für alle zu schaffen. Jetzt wärmt Vizekanzler Sigmar Gabriel das Neidthema Manager-Gehälter wieder auf.
Schon im Dezember sagte Gabriel, dass die SPD der Gier mancher Manager per Gesetz Grenzen setzen wolle. Es sei „unfassbar, wenn Spitzenmanager ein Unternehmen in die Krise fahren und sich unter Berufung auf ihre Verträge Boni auszahlen lassen“, sagte er damals.

3000 Euro pro Tag für Winterkorn - das macht wütend

Jetzt, im Wahlkampfjahr, bringt er das Thema wieder auf den Tisch. Und es zieht. „Bei 3000 Euro pro Tag, da sind natürlich viele irritiert“, sagt Hans Hermann Aldenhoff, Vergütungsexperte und Leiter der deutschen Büros der international tätigen Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons. 3000 Euro pro Tag, so viel soll Ex-VW-Chef Martin Winterkorn an Ruhebezügen bekommen. Gegen solche Auswüchse will die SPD – am liebsten noch in dieser Legislaturperiode – vorgehen. Ein Schelm, wer da „Populismus“ denkt.

In welchen Ländern und Branchen Manager die höchsten Boni erhalten

Zwar hält es auch Aldenhoff für „grundfalsch“, dass Manager, die ihrem Unternehmen einen großen wirtschaftlichen Schaden zugefügt haben, ihren Abgang auch noch vergoldet bekommen. Daraus ein für alle gültiges Gesetz zu konstruieren, sei aber schwierig.

Das liege unter anderem daran, dass viele Straftaten, die sich letztlich auf den Unternehmenserfolg auswirken, nicht vom CEO, sondern auf der zweiten und dritten Managerebene begangen werden. Hinzu komme, dass sich Manager wie Winterkorn ihre Bezüge über Tochter- oder Schwesterfirmen auszahlen könnten. „Ich sehe da ein erhebliches Umgehungsrisiko“, so Aldenhoff. Außerdem sei der Nachweis extrem schwierig, welches exakte Verhalten nun welchen monetären Schaden verursacht habe.

Welche Banker die höchsten Boni bekommen
UBS in London Quelle: REUTERS
HSBC in London Quelle: REUTERS
Logo Nomura Quelle: dpa
Deutsche Bank London Quelle: REUTERS
Credit Suisse Quelle: REUTERS
Citigroup London Quelle: REUTERS
Logo J.P. Morgan Quelle: REUTERS

Er plädiert für die Kopplung der Pensionsansprüche an den Unternehmenserfolg: Je besser das Unternehmen langfristig da steht, desto höher dürfen auch die Bezüge des CEO sein. Eine absolute Obergrenze der Manager einzurichten, wie die SPD dies plant – maximal 500.000 Euro – halte er jedoch für schwierig.
Für Gabriel ist diese vom Gesetzgeber verordnete Obergrenze offenbar logische Konsequenz aus den Eskapaden einiger Unternehmen. Schon im Dezember sagte er: „Natürlich wäre es mir lieber, die Unternehmen selbst würden das einsehen. Aber wenn der Anstand nicht von alleine kommt, kommt er vom Gesetzgeber.“
Wenn die Deutsche Bank und Volkswagen nicht hören wollen, müssen eben alle fühlen. Denn besonders oft kommt es nicht vor, dass ein Manager sein Unternehmen in eine Krise stürzt und dafür säckeweise Geld nach Hause trägt. „Die statistische Häufigkeit dieser Fälle rechtfertigt den Gesetzesvorschlag nicht. Für mich steckt da ein Wahlkampfaspekt dahinter“, sagt Aldenhoff.

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