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Globalisierung Deutsche Fachkräfte für Brasilien

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Bedarf und Gehalt steigen

Markus Trefz Quelle: Fyodor Savintsev für WirtschaftsWoche

Als Cheftechnologe macht Trefz bei jeder Wurstlieferung die Qualitätsprüfung. Er entwickelt neue Rezepturen und testet alternative Gewürze. Als ihm ein Gewürzhändler einen Obolus versprach, falls Trefz sich für ihn als Lieferanten einsetze, erzählte der Schwabe seinem Chef Dymov von dem Bestechungsversuch.

„Der hat den ziemlich rund gemacht“, so Trefz. „Russen schätzen Loyalität und Detailversessenheit.“ Ein Deutscher setze sich auch mal freiwillig hin und entwickle Produkte – erst recht, wenn Leistung gut bezahlt wird.

In Indien kommt noch ein zusätzlicher Aspekt hinzu: „Es gibt hier tolle Fach- und Managementausbildungen, aber in der Breite fehlt unseren Leuten die Erfahrung“, sagt Sunil Goel, Indien-Chef der Recruiting-Firma Globalhunt. Der Headhunter registriert seit einigen Jahren, dass der Bedarf an ausländischen Fachkräften „um mindestens 20 Prozent“ steige – und damit auch die Gehälter, die indische Unternehmen bieten.

Unter den Deutschen in Indien sind vor allem Dienstleister wie Hotelfachleute gefragt. Darunter ist die deutsche Hotelmanagerin Birgit Zorniger. In der Wirtschaftsmetropole Mumbai leitet sie das Hotel Taj Lands End, das zur Taj-Hotelgruppe gehört. Zuvor war sie im Konzern als stellvertretende Direktorin für das Taj Mahal verantwortlich, das berühmteste Hotel des Landes.

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    Ungelernt ins Trainigscamp

    „Indien macht einem die Arbeit als Servicedienstleister gleichzeitig leicht und schwer“, sagt die 48-Jährige. Weil ihr hier mehr Personal zur Verfügung stehe als im Westen, sei es leichter, außergewöhnliche Dienstleistungen zu erbringen. „Andererseits sind die Hierarchien hier so ausgeprägt, dass sich Aufgaben nicht leicht delegieren lassen.“

    Dementsprechend schwierig sei es, qualifizierte Mitarbeiter für das mittlere Management zu finden. „Oft stellen wir unsere Mitarbeiter ungelernt ein“, sagt Zorniger. „Und dann schicken wir sie in unser internes Trainingsprogramm.“

    Ihr eigenes Trainingscamp hat Ariane Falkenberg längst hinter sich. Sie kam als Praktikantin nach Sydney – und arbeitete sich zur Personalmanagerin des Softwareunternehmens Ei-Media hoch. „Deutsche haben einen erstklassigen Ruf in Australien“, sagt die Berlinerin. „Man muss sich um die Karriere keine Sorgen machen.“

    Auch weil der Bedarf an Fachleuten hier groß ist: Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei mickrigen 5,2 Prozent – dank des Rohstoffbooms. Und der größten Anwerbeaktion seit einem halben Jahrhundert, die die Regierung in Canberra 2005 gestartet hatte: Weltweit buhlte der Staat damals um Ärzte, Friseure, Krankenpfleger oder Klempner für das dünn besiedelte Land, lockte in Zeitungsanzeigen: „Schlechtes Wetter? Schlechte Laune? Schlechte Konjunktur? Auf nach Australien!“

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