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Globalisierung Was man von Asiens Managern lernen kann

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Listige Taktierer

Martial arts-Meister Chen Fusheng demonstriert seinen Schülern die Kampfkunst des Kung Fu Quelle: REUTERS

Business ist Krieg – und so steht das auch in jedem chinesischen Managementratgeber. Am Ende gewinnt derjenige, der eine langfristige Agenda verfolgt, aber in Einzelschlachten flexibel agiert und listig taktiert, mit langem Atem, größter Flexibilität und maximalem Einsatz. Wenn sie einmal ihr Ziel definiert haben, setzen sie es knallhart um. Die langfristige Strategie des Telekomriesen aus der chinesischen Küstenstadt Shenzhen ist es, den westlich dominierten Mobilfunkmarkt zu erobern – koste es, was es wolle. Und derzeit sind die Kriegskassen chinesischer Unternehmen prall gefüllt, Peking belohnt den Markteintritt in Europa und den Transfer von Wissen und Technologie nach China – entsprechend massiv preschen die Chinesen in die Märkte des Westens, die die Euro-Krise seit Monaten durchrüttelt.

Huawei im stillen Kämmerlein

Wie das funktionieren kann, hat Chinas Telekomgigant Huawei vorgemacht: Als die Deutsche Telekom voriges Jahr die Modernisierung ihres Mobilfunknetzes ausschrieb, fackelten die Chinesen nicht lang: Sie flogen 200 Männer aus China nach Deutschland, schlossen sie in einem Büro unweit des Kunden buchstäblich ein, wo die Task-Force Telekom vier Wochen am Angebot für die Modernisierung von Teilen des T-Mobile-Netzes feilte. Hinterher erzählte Vize-Europachef Ling Haifeng, die Vorbereitung habe zehn Millionen Euro gekostet. „Das war ein starkes Investment, aber wir haben diesen Auftrag gewonnen.“

Ein Jahrzehnt hat der Konzern in Deutschland völlig im Stillen gearbeitet, Gerüchten zufolge Richtmikrofone auf Wettbewerber gerichtet, nicht aber für Großaufträge mitgeboten. Jetzt will Huawei an allen Fronten angreifen. In einem PR-Magazin prahlt Deutschland-Chef Lewis Xu, dass „Huawei Know-how, Technologie, Innovation und Kompetenz von China nach Deutschland“ bringe – verkehrte Welt fürs westliche Auge.

Und Huawei ist erst der Anfang. Wenn der Telekomkonzern mit diesem Großauftrag in Deutschland Fuß fasst, werden viele der bald zehn Millionen Privatfirmen aggressiv an deutschen Ausschreibungen teilnehmen – zumal Peking genau das verlangt. Die Zentralregierung hat im laufenden Fünfjahresplan festgeschrieben, dass die chinesische Wirtschaft Marktanteile im Westen erobern und Technologien nach Osten verschiffen soll.

Stärken und Schwächen der BRIC-Staaten
Die Skyline der Millionen-Metropole Shanghai, China Quelle: REUTERS
Leute shoppen auf den Straßen von Sao Paulo, Brasilien Quelle: dapd
Der ehemalige brasilianische Präsident Lula da Silva mit ölverschmierten Händen auf einer Ölplattform vor Bacia De Campos Quelle: dpa
Indien befindet sich laut einer Studie der Weltbank zu den Rahmenbedingungen für unternehmerische Tätigkeiten nur auf Platz 132. Genehmigungen, Kredite bekommen, Vertragseinhaltung - alles ist auf dem Subkontinent mit erheblichen Aufwand und Unsicherheiten verbunden. Hinzu kommt Korruption, eines der größten Probleme für das Land. Transparency International listete Indien im Jahr 1999 noch auf Patz 72, elf Jahre später ist das Land auf Platz 87 im Korruptionsindex abgerutscht. Nicht nur für die ausländischen Unternehmen ist Korruption ein Ärgernis, weil sie stets fürchten müssen, dass Verträge nicht eingehalten werden. Korrupte Beamte und Politiker sind auch eine enormes Problem für die mittleren und unteren Schichten, denen schlicht das Geld zur Bestechung fehlt. Um öffentliche Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, die den Bürgern per Gesetz zustehen, müssen laut Transparency International mindestens 50 Prozent ihrer Befragten Bestechungsgelder zahlen. Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens. Analysten gehen davon aus, dass die Direktinvestitionen in Indien um ungefähr 31 Prozent zurückgegangen sind und aus dem indischen Aktienmarkt etwa 1,4 Milliarden Euro abgezogen worden sind. Besonders brisant: nach einer Studie der Washingtoner Global Financial Integrity Organisation leitete die Liberalisierung und Markt-Deregulierung im Jahr 1991 die Hochzeit der Korruption und des illegalen Geldtransfers ein. Im Bild: Der Antikorruptions-Aktivist, Anna Hazare, im August 2011 in Neu Delhi. Hazare ging für zwölf Tage in einen Hungerstreik, um gegen die grassierende Korruption seines Landes zu protestieren. Tausende Sympathisanten unterstützen den Aktivisten bis zum Schluss seiner Aktion. Quelle: dapd
Verkehrsstau auf dem Delhi-Gurgaon Expressway, in Neu Delhi, Indien. Quelle: AP
Im Bild: eine Fabrikarbeiterin in einer Textilfabrik aus der Provinz Anhui, China. Quelle: REUTERS
Im Bild: Ein Eierverkaufsstand in Jiaxing, Zhejiang Provinz. Quelle: REUTERS

Alles auf Angriff

Der Regierung treu ergeben, blasen Chinas Unternehmen zum Angriff. Anders als die Inder, die lieber in Nischen ihre Schlagkraft entfalten, drängen Chinas Unternehmen ins große Geschäft, in die umkämpften Märkte. Mit dem Kauf deutscher Mittelständler erhoffen sie sich neue Technologie, qualifizierte Arbeitskräfte und Zugang zum europäischen Markt.

Indische Unternehmen sind den Chinesen in Europa ein paar Schritte voraus: Seit Jahren steigen Investoren still und leise bei deutschen Unternehmen ein – so wie Megha Mittal, Schwiegertochter des indischen Stahlbarons, die seit Ende 2009 hinter dem Modelabel Escada steht. Ex-Hugo-Boss-Manager Bruno Sälzer, der die Marke seither saniert, berichtet über viele Freiheiten – aber auch, dass sich die Gesellschafterin aus Indien akribisch Bericht erstatten lässt.

Noch aggressiver sind die Chinesen, die allein im vergangenen Jahr 15 Unternehmen in Deutschland übernahmen, um Know-how zu beschaffen: Lenovo erwarb Aldi-PC-Hersteller Medion, Lingyun Industrial schnappte sich den weltgrößten Autoschlosshersteller Kiekert, Bauriese Sany schluckte den Betonpumpenhersteller Putzmeister. Dass dafür am Sany-Standort im rheinischen Bedburg Arbeiter gehen müssen, gilt in China als hinnehmbarer Kollateralschaden.

„Chinesen lernen unglaublich rasch, sie sind ausdauernd, reagieren schnell und taktisch klug“, sagt Rechtsanwalt Malte Hiort von der Kanzlei Graf von Westphalen, der Chinesen bei Übernahmen berät. „Sie geben die eigene Position nicht auf.“

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