Göttinger Studie Was den deutschen Unternehmer ausmacht

Der deutsche Unternehmer möchte sozial erscheinen und von allen gemocht werden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung.

Chef Quelle: Günter Menzl - Fotolia

Wie sehen sich deutsche Unternehmer und wie wollen sie gesehen werden? Was sind ihre biographischen Prägungen und Wertvorstellungen? Wie beurteilen sie die politischen Parteien und das politische System der Bundesrepublik? Das waren die wichtigsten Leitfragen für die Mitarbeiter des Göttinger Instituts für Demokratieforschung, als sie in den Jahren 2013/2014 insgesamt 160 Manager, Vorstandsvorsitzende, Betriebsdirektoren, Geschäftsführer und Unternehmer in sechzig- bis neunzigminütigen Interviews befragten. Jetzt liegt das Resultat, eine zehn Kapitel umfassende Studie, unter dem Titel „Sprachlose Elite?“ als Buch vor.

Die Studie zeigt, dass es bei allen Unterschieden eine Art Quintessenz, einen kleinsten gemeinsamer Nenner gibt: Die deutsche Wirtschaftselite, so Stine Marg, die geschäftsführende Leiterin des Instituts und Mitherausgeberin der Studie, im Interview mit der WirtschaftsWoche, definiere sich „vor allem durch ihre soziale Kompetenzen“.

Selbst Innovationslust und Risikobereitschaft verstehen die Unternehmer als „Dienst an der Gesellschaft“. Indem sie investieren, schaffen sie Arbeits- und Ausbildungsplätze, mehren sie den Wohlstand. Anders gesagt: Unternehmer setzen voraus, dass das Interesse, das sie mit ihrem Unternehmen verfolgen, Gewinnmaximierung, zugleich im Interesse aller ist.

Die Studie

Ansehensverlust des Unternehmers

Die Betonung der sozialen Dimension unternehmerischen Handelns ist nicht zuletzt ein Reflex auf den Ansehensverlust des Unternehmers: Sieben Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise rangiert er auf den hinteren Plätzen der Berufsprestigeskala.  Auch deshalb gibt man sich in den deutschen Chefetagen gern demonstrativ zurückhaltend, sieht den unternehmerischen Erfolg vor allem als Teamleistung, spricht vom „guten Betriebsklima“  und verweist auf die glücklichen Umstände, die für den eigenen beruflichen Aufstieg mindestens so wichtig gewesen seien wie die persönliche Leistung. 

Die Bedeutung der sozialen Herkunft wird dabei regelmäßig bagatellisiert: Selbst Familienunternehmer, die die Firma in der dritten oder vierten Generation leiten, betonen, dass sie das Unternehmen den Geschwistern abgekauft haben oder sich haben bewähren müssen. Dazu gehört gerade bei Familienunternehmern, dass man sich nicht nur den Kunden und Lieferanten, sondern auch der Belegschaft („in der Firma zählt der Mensch“) und Region verpflichtet weiß, aus der man stammt, kurz: dass man langfristig, im Idealfall über Generationen, „Verantwortung für ein Gemeinwesen“ übernimmt.

Die 30 Besten des deutschen Mittelstands
Produktion bei Ensinger Quelle: Presse
Sennheiser Produktion Quelle: Presse
Screenshot der Adva-Internetseite Quelle: Screenshot
Schiffsschraube Quelle: PR
Das Pfeiffer Vacuum Firmengebäude Quelle: Pfeiffer Vacuum Pressebild
Frank Blase, der Geschäftsführer von igus. Quelle: Presse
Armaturen in der Fertigung von Hansgrohe Quelle: REUTERS
Platz 23: Emka BeschlagteileDie Emka Beschlagteile GmbH stellt Komponenten für industrielle Schränke und Gehäuse her. Heute fertigt das 1932 in Velbert bei Düsseldorf gegründete Unternehmen weltweit an acht Standorten. Branche: Verschlusstechnik Mitarbeiter 2012: 1400 Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 42,99/230,00 durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 18,26 Prozent Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1000,5 Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer Quelle: Presse
In der Produktion von Bitzer Quelle: Presse
Das Firmengelände von Pöschl Tabak. Quelle: Pöschl Tabak GmbH & Co. KG Geisenhausen
Messestand von Mapal. Quelle: Presse
Prüfung eines Stufenschalters im Test Center Regensburg. Quelle: Presse
Viega führt das wirtschaftliche und sichere System „Geopress K“ in den Markt ein. Quelle: Presse
Vakuumbeschichtung. Das Bild zeigt die Carrier in geöffnetem, beladenem Zustand. Quelle: Presse
Granulate werden der Fluidproduktion direkt zugeführt. Quelle: Presse
Der MechaTron® LQ S von Schenck Process Quelle: Presse
Wintergerste Quelle: Presse
Koffer Quelle: Presse
Standort der SICK AG in Waldkirch Quelle: Presse
Screenshot der Internetseite von Rosenberger Quelle: Screenshot

Kein "Turbokapitalismus" angelsächsischer Spielart

Schon deshalb kann die Wirtschaft mit dem „Turbokapitalismus“ angelsächsischer Spielart nicht viel anfangen: Besonders die mittelständischen Unternehmer, die traditionell eine Aversion gegenüber den Banken pflegen, kultivieren das  Bild des „bösen, gierigen Finanzmanagers“ - und haben es als Bestätigung ihrer Bodenständigkeit empfunden, dass sie aus der Finanzkrise als Gewinner hervorgegangen sind: Zwischen 2006 und 2012 hat sich die Inlandsbeschäftigung der 500 größten Familienunternehmen um 11 Prozent erhöht.

Die Soziale Marktwirtschaft, das institutionalisierten Arrangement von Kapital, Arbeit und Staat in Deutschland wird als vorbildlich angesehen, gerade gegenüber Ländern wie Großbritannien, Frankreich und den USA.

Dazu passt, dass der Wert von Auslandserfahrungen eher niedrig angesetzt wird. Rund zwei Drittel der Topmanager haben nicht viel Auslandserfahrungen. Vor allem in mittelständischen Familienunternehmen gilt der mit Auslandsaufenthalten verbundene Aufwand als „zu hoch“. „Heimkarrieren“ werden bevorzugt: Sie sorgen für „Bodenhaftung“, garantieren, dass man das lokale Umfeld des Unternehmens nicht aus dem Blick verliert.

Entsprechend hat man auch mit der Mitbestimmung längst seinen Frieden gemacht: Gewerkschafter gelten bei Unternehmern mittlerweile als "vernünftige Leute", denen man "nicht erklären muss", wie wichtig eine funktionierende Industrieproduktion für den Wohlstand des Landes ist.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%