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Großbritannien Vom ausgebrannten Staatsbanker zum Alpha-Tier

Ein Dutzend Topmanager der Lloyds Bank, die zu 40 Prozent dem britischen Staat gehört, hat sich im vergangenen Jahr in einem Luxus-Spa gegen Burnout behandeln lassen. Ziel der Kur: Als gestärkte Alpha-Tiere sollten sie bessere "Jäger und Sammler in Firmen-Dschungel" werden.

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Eine Feder eines Füllfederhalters Quelle: Fotolia
Mann am Schreibtisch Quelle: dpa-tmn
Lächelnde Frau Quelle: Fotolia
Eine depressive Frau an ihrem Arbeitsplatz Quelle: dpa
Junge Frau mit einem nicht echten Loch im Kopf Quelle: Fotolia
Hände Quelle: Fotolia
Strenge frau Quelle: Fotolia

Champneys Tring ist ein äußerst exklusiver Ort: hier, in einem alten Herrenhaus in der Grafschaft Hertfordshire, umgeben von einer Parklandschaft mit altem Baumbestand, manikürtem Rasen und gepflegten Blumenbeeten lässt es sich hervorragend abschalten. Filmstars, reiche Fußballer, wohlhabende Unternehmergattinnen wissen diese Schönheitsfarm zu schätzen - und die Topbanker der britischen Lloyds Bank ebenso.

Am 3. November jedenfalls checkte ein Dutzend von ihnen dort für einen zweitägigen Aufenthalt ein, um sich im Rahmen einer eigens für sie entwickelten Kur zu entspannen, wie die britische Tageszeitung "The Guardian" erfuhr. Champneys Tring hatte für die Herren (und Damen?) ein kleines Programm zusammengestellt, damit sie sich künftig besser als "Jäger und Sammler im Firmen-Dschungel" behaupten können. Weiteres Ziel: Burn out und Rausschmiss vermeiden.

Die Lloyds Bank ist heute zu 40 Prozent in Staatsbesitz, nachdem sie 2008 im Zuge der Finanzkrise für umgerechnet 22 Milliarden Euro (17,4 Milliarden Pfund) vom Steuerzahler gerettet werden musste. Zum Verhängnis war der Bank die Übernahme der schwer angeschlagenen Hypothekenbank HBOS geworden. Der damalige Chef Eric Daniels verließ die Lloyds Bank dann allerdings mit einem goldenen Abschiedsgruß: allein für 2010 sackte er einen Bonus von 1,45 Millionen Pfund ein.

Mit dem neuen Chef Antonio Horta-Osorio, der von der spanischen Großbank Santander gekommen war, hatte die Lloyds Bank bisher allerdings auch wenig Glück: der Portugiese zog sich am 2. November - zehn Monate nach seinem Amtsantritt - für acht Wochen zur psychiatrischen Behandlung ins Privatleben zurück, weil er unter Stress und Burnout litt.

Überlebenskünste zur Alltagsbewältigung

Vielleicht war das der Grund, warum das Topmanagement der britischen Bank sich entschied, den zwölf Führungskräften eine kleine Pause im Luxus-Spa Champneys Tring zu gönnen. Dort wurden ihnen nicht nur Tischmanieren beigebracht sondern auch, wie man sich gesund ernährt. Prominenten-Trainer Tim Bean (Spitzname "Der gnadenlose Mr. Bean") unterwies die Banker außerdem in "wenig bekannten aber äußerst wirksamen" Überlebenskünsten und wie man den "chaotischen Alltag bewältigt". Ferner lehrte Mr. Bean seinen Schützlingen "Methoden zur Verbesserung der äußeren physischen Erscheinung" sowie zur Bekämpfung des Alterungsprozesses. Mit einem Wort, alles was eine Führungskraft benötigt, um ein echtes Alpha-Tier zu werden.

Unklar ist allerdings noch, wer für die knapp tausend Pfund pro Person - alles in allem also 12.000 Pfund oder 15.000 Euro - aufkommen musste, die normalweise für derartige Aufenthalte berappt werden müssen. Während ein Sprecher der Lloyds Bank dem "Guardian" erklärte, Champneys Tring habe ein neue Behandlungspaket testen wollen, und die Kur daher kostenlos zur Verfügung gestellt, betonte der Chef der Schönheitsfarm, Stephen Purdew: "Verdammt noch mal, klar haben die dafür bezahlt!" Champneys Tring war schon vor einem Jahr in die Schlagzeilen geraten, als aufflog, dass der frühere Chef der Londoner Polizei, Sir Paul Stephenson, sich dort fünf Wochen lang kostenlos von einem Beinbruch erholen durfte.

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Dumm nur, dass dann auch bekannt wurde, dass Neil Wallis, der ehemalige stellvertretende Chefredakteur von Rupert Murdochs Boulevardzeitung "News of the World" als PR-Experte für die Schönheitsfarm agierte. Denn den hatte auch Sir Paul als Berater für die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei angeheuert. Ende des Skandals: Sir Paul musste seinen Hut nehmen. Ein ähnliches Schicksal scheint auch den Manager der Lloyds Bank ereilt zu haben, der die Kur für seine Kollegen organisiert hatte. Er arbeite nicht länger für die Bank, heißt es.

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