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Heimliche Herrscher Die Strippenzieher der deutschen Wirtschaft

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Ein Bollwerk

Wo Frauen in deutschen Konzernen stehen
European Commissioner for Justice, Fundamental Rights and Citizenship Viviane Reding Quelle: dapd
Die Beine von Deutsche Bank-Mitarbeiterinnen, aufgenommen auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Festhalle in Frankfurt am Main Quelle: dapd
Frau an einem Fax-Gerät Quelle: Fotolia
Männer und Frauen verschiedenen Alters Quelle: Fotolia
zwei Frauen und zwei Männer in einem Meeting Quelle: Fotolia
Business-Meeting Quelle: Fotolia
Frau schaut in den Himmel Quelle: Fotolia

Unterstützt wurde das Bollwerk von führenden Industriellen wie Thyssen-Chef Dieter Spethmann, dem einstigen Bosch-Chef und „Gottvater“ Hans L. Merkle oder Ruhrgas-Lenker Klaus Liesen, die weit über ihre Unternehmen hinaus Deutschlands Wirtschaft in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts mitbestimmten.

Die Auflösung der Deutschland AG begann mit der Globalisierung der Wirtschaft und der schwindenden Bedeutung des Kreditgeschäfts der Banken. Statt an Unternehmen zu kleben und denen Geld zu leihen, verlegten sich die Institute zunehmend auf das weltweite Investmentbanking, also das Geschäft mit Anleihen, Aktien, Fusionen und Übernahmen.

Verbliebene Netzwerke

Der große Knall kam schließlich am 1. Januar 2002, als ein Gesetz des damaligen SPD-Finanzministers Hans Eichel in Kraft trat, das Unternehmen den so gut wie steuerfreien Verkauf ihrer Beteiligungen ermöglichte. „Das war das Ende der Deutschland AG, die schon vorher deutliche Auflösungserscheinungen zeigte“, bilanziert der Hamburger Wirtschaftssoziologie-Professor Jürgen Beyer. Die Deutsche Bank trennte sich daraufhin von ihren Beteiligungen an Continental, HeidelbergCement und Metallgesellschaft, die Allianz stieß ihre Anteile an der Commerzbank, der Deutschen Börse und der HypoVereinsbank ab.

Damit waren die Tage der Deutschland AG und ihres Machtknäuels großenteils gezählt. „Die Deutschland AG gibt es zwar so nicht mehr, die Banker haben sich zurückgezogen, die gegenseitigen Beteiligungen sind weitgehend aufgelöst“, sagt der Elitenforscher und Soziologie-Professor Michael Hartmann von der Technischen Universität Darmstadt. „Aber es gibt immer noch die Netzwerke und Strippenzieher.“

Auch wenn viele dieser Netzwerke und Strippenzieher zur Garde der heimlichen Herrscher gehören: Der eine oder andere Vertreter der alten Deutschland AG lebt durchaus erfolgreich fort – allerdings längst nicht mehr im öffentlichen Scheinwerferlicht. Als Prototyp dieser Kaste gilt der einstige Bayer-Chef Manfred Schneider, der zeitweise in den Aufsichtsräten von einem halben Dutzend Dax-Konzernen saß. Der 73-Jährige ist aktuell immer noch der mächtigste Kontrolleur deutscher Top-Unternehmen. Die Aufsichtsräte von Bayer, RWE und Linde tagen unter seinem Vorsitz.

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