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Heimliche Herrscher Die Strippenzieher der deutschen Wirtschaft

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Heute: Ein Netzwerk der heimlichen Herrscher

Die markigsten Sprüche der Firmenchefs
Martin Blessing Quelle: dpa
Martin Blessing Quelle: dpa
Martin Blessing Quelle: dpa
Hochtief - Manfred WennemerSo offene Worte hört man selten auf einer Hauptversammlung. Dem Aufsichtsratschef des Bauriesen Hochtief rutschte auf die Frage eines Aktionärs bezüglich der Entwicklung von Hochtief-Geschäft und mehrfachen Gewinnwarnungen folgendes heraus: „Dass wir alle frustriert sind, brauche ich Ihnen nicht zu erklären.“ Quelle: dpa
Deutsche Bahn - Rüdiger Grube"Ich muss nicht lernen, wie man Kaffee ausschenkt und Zeitungen verteilt. Wir zeigen mit dem Servicetag Interesse an der Arbeit unserer Mitarbeiter und Respekt und Wertschätzung für ihre Leistungen." Grube zum Einsatztag, den jeder Vorstand mindestens einmal pro Jahr im Tagesgeschäft in einem Bereich absolvieren muss. Quelle: Reuters
Lufthansa - Christoph FranzFür defizitäre Töchter gibt es keine Gnade. Franz droht, dass er seine Österreich-Tochter Austrian Airlines zusperrt, wenn sie nicht bald schwarze Zahlen schreibt. „Wir füttern auf Dauer niemanden durch.“ Aber auch im Mutterkonzern muss sich einiges tun, sagt der Lufthansa-Chef und verspricht radikale Veränderungen. Denn, kalauert Franz, „wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Quelle: REUTERS
Volkswagen AG - Martin Winterkorn"Ich möchte dem Berufsstand der Banker ja nicht zu nahe treten", erklärte Winterkorn süffisant auf die Frage einer Journalistin, ob die Vorstände in Anbetracht ihrer üppigen Gehälter die neuen Banker seien, "ich möchte aber darauf hinweisen, dass es sich im Falle von VW um reale Gewinne handelt". Betonung auf real. Quelle: dpa

Nachdem Schneider sich 2002 als Bayer-Vorstandschef verabschiedet hatte, zog sich der gewandte Boss vom Rhein aus der Öffentlichkeit zurück. Stattdessen pflegte der Fußballfan im Stillen seine Kontrollmandate. In jüngster Zeit fiel Schneider damit auf, dass er einige spektakuläre Transfers in der höchsten deutschen Wirtschaftsliga organisierte.

Holländer für die Spitze

So verordnete Schneider dem Bayer-Konzern den ersten Ausländer an der Spitze, noch dazu einen, der bislang sein ganzes Berufsleben außerhalb der Bayer-Mauern verbracht hatte: den Holländer Marijn Dekkers. Und beim Essener Energiekonzern RWE setzte Schneider nach einer turbulenten Aufsichtsratssitzung den Manager Peter Terium, ebenfalls einen Holländer, als Nachfolger gegen den Kandidaten des noch amtierenden Vorstandschefs Jürgen Großmann durch.

Von ähnlichem Kaliber wie Schneider ist auch Gerhard Cromme, der einstige ThyssenKrupp-Chef, der heute die Aufsichtsräte von ThyssenKrupp und Siemens führt. Cromme löste den durch die Siemens-Korruptionsaffäre angeschlagenen Aufsichtsratschef Heinrich v. Pierer ab und gewann den Österreicher Peter Löscher, einen ehemaligen Pharmamanager, als neuen Siemens-Vorstandschef.

Institutionell gebildete Netzwerke

Das heutige „Netzwerk der heimlichen Herrscher in Deutschlands Wirtschaft hängt stark von einzelnen Personen ab“, sagt Soziologe Hartmann. In Frankreich oder Großbritannien bildeten sich die Netzwerke „eher institutionell, durch die Mitgliedschaft an Elitehochschulen“. Der Soziologe hält Cromme in Deutschland für eine der Schlüsselfiguren.

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Nicht immer sind sich die heimlichen Herrscher der deutschen Wirtschaft untereinander einig. So gerieten die beiden Alpha-Manager Cromme und Schneider vor einigen Jahren aneinander – wegen Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Cromme, so heißt es, wollte Reitzle gern als Chef – und Nachfolger von v. Pierer – zu Siemens holen. Linde-Aufsichtsratschef Schneider dagegen wollte seinen erfolgreichen Vorstandsvorsitzenden behalten. Reitzle blieb schließlich, Cromme musste sich seine Siemens-Erfolge mit Staranwalt Hoffmann-Becking holen.

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