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Impostorsyndrom im Management „Ständige Angst vor dem Auffliegen“

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Negative Auswirkungen

Welche negativen Auswirkungen gibt es noch?
Menschen mit dem Hochstapler-Selbstkonzept bleiben häufig unter ihren Möglichkeiten. Sie scheuen das Risiko und bewegen sich lieber in gewohnten Bahnen. Wenn sie eigentlich gerne Mathematiker werden wollen, studieren sie stattdessen Mathe im Nebenfach auf Lehramt. Oder sie lehnen eine neue Stelle oder Beförderung aus Angst vor Versagen ab. Zudem haben sie häufig eine ungesunde Arbeitsweise.

Inwiefern?
Die Betroffenen zeigen ein perfektionistisches Arbeitsverhalten, neigen aber auch zum Aufschieben. Das liegt zum einen daran, dass ihr Perfektionismus sie teilweise lähmt, zum anderen aber auch daran, dass sie sich später einreden können, sie hätten zu wenig Zeit gehabt. Diese Verhaltensweisen sind nicht besonders gesund für die Work-Life-Balance und sorgen für zusätzlichen Stress.

Was lässt sich dagegen tun?
Wir haben beobachtet, dass manche Menschen, die seit vielen Jahren in einer Führungsposition arbeiten, ihre Ängste irgendwann verlieren. Interessanterweise vor allem dann, wenn sie als Mentoren für jüngere Kollegen tätig sind. Dadurch verschiebt sich der Fokus von der eigenen Leistung auf die von anderen. Bei vielen Betroffenen ist aber auch ein Coaching notwendig und sinnvoll.

Was passiert dabei?
Es geht darum, verzerrte Denkmuster zu identifizieren und zu verändern. Dafür muss man lernen, das eigene Handeln realistischer zu bewerten. Der Klassiker: Jemand hält einen Vortrag, erhält Standing Ovations und hängt sich aber später nur daran auf, sich einmal versprochen zu haben. Dabei ist eine Fokussierung auf die Fakten sinnvoll: Kann sich das Publikum wirklich so irren? Es hilft auch, anderen von seinem Komplex zu erzählen. Zu hören, wie andere die eigene Leistung einschätzen, hilft dabei, das Selbstbild ins richtige Licht zu rücken.

Der wohl bekannteste Spruch eines empfundenen Hochstaplers ist Sokrates’ „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ – ist eine gewisse Demut nicht auch eine positive Eigenschaft?
Es sind vor allem sehr intelligente Menschen betroffen. Man muss schon sehr viel wissen, um zu wissen, dass man nicht alles weiß. Demut ist daher sicherlich eine positive Eigenschaft, die sich auch auf das Führungsverhalten auswirken kann.

Wege aus der Tiefstapelei

Inwiefern?
Diese Manager können möglicherweise besser zugeben, dass sie von einem Thema nur wenig Ahnung haben. Das führt dazu, dass sie sich richtig gute Leute in ihr Team holen. Zudem haben sie häufig eine hohe soziale Kompetenz und sind feinfühliger für die Stimmungen ihrer Mitarbeiter. Außerdem motivieren und stärken sie diejenigen, die sich ebenfalls nicht allzu viel zutrauen.

Also ist es gut, wenn sie auf andere mit Hochstapler-Selbstkonzept treffen?
Das ist eine eher schwierige Konstellation. Es kann passieren, dass sich die beiden in ihrem Arbeitseifer und perfektionistischen Ansprüchen bestätigen und weiter antreiben. Dadurch steigt aber auch die Gefahr, auszubrennen.

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