Industrial Excellence Award Das ist Deutschlands beste Fabrik

Fokussiert aufs Wesentliche, klare Verantwortlichkeiten, nachhaltige Produkte: Mit diesen Erfolgsrezepten konnte sich das Thüringer Motorenwerk MDC Power im Wettbewerb „Die Beste Fabrik“ gegen die Konkurrenz durchsetzen.

Deutscher Sieger: MDC Power. Geschäftsführer Sven Breitschwerdt hat die Produktionszeiten halbiert und die Verantwortung der Mitarbeiter gestärkt. Quelle: Christoph Busse für WirtschaftsWoche

Wie viele Mitarbeiter bei MDC Power für das Warten der Maschinen zuständig sind? Geschäftsführer Sven Breitschwerdt hat keine Ahnung. Mit wie vielen Wagen die Logistiker Einzelteile an die Produktionsstraße fahren? Keinen blassen Schimmer. Es interessiert ihn auch nicht. Und zwar aus gutem Grund: „Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche“, sagt Breitschwerdt.

Das Wesentliche ist in diesem Fall die Montage von täglich durchschnittlich mehreren Tausend Motoren, die der Mittelständler aus Kölleda in Thüringen vor allem an seine Muttergesellschaft, den Automobilhersteller Daimler, liefert. Was nicht zum Kerngeschäft gehört, übernehmen externe Dienstleister. Die sind für die Logistik innerhalb der Fabrik zuständig, stellen das nötige Werkzeug bereit, warten und reparieren alle Maschinen im Werk. Taucht etwa eine Störung auf, brauchen die externen Mechaniker durchschnittlich nur eine Minute, bis sie mit der Reparatur beginnen.

Methode

MDC Power bezahlt die Serviceunternehmen pro Motor, der am Schichtende fertig montiert ist und das Werk Richtung Kunde verlassen kann. Ein einfaches, aber effektives Anreizsystem: Das Werk liefert alle Motoren pünktlich aus. Und weil die Dienstleister eigenverantwortlich arbeiten, können sich Breitschwerdt und seine etwa 1.000 Mitarbeiter ausschließlich auf die Produktion der Motoren fokussieren. „Wir wollen schlank bleiben“, sagt Geschäftsführer Breitschwerdt, „obwohl wir uns in der Vergangenheit alle 18 Monate verdoppelt haben.“

Breitschwerdts Führungsteam besteht aus gerade mal zwölf Verantwortlichen. Ein Mittelmanagement gibt es genauso wenig wie ein separates Verwaltungsgebäude, interne E-Mails sind tabu. Kurze Kommunikationswege statt digitaler Nachrichtenflut. Nah an der Produktion, statt sich in der Chefetage hinter Aktenstapeln zu verkriechen. Das Managementteam kennt das Kerngeschäft im Detail und kann dementsprechend zügig auf Probleme reagieren.

„Durch diese Strategie der Fokussierung ist MDC Power schnell, effizient und flexibel“, sagt Arnd Huchzermeier, Professor für Produktionsmanagement an der Hochschule WHU – Otto Beisheim School of Management. Er hat gemeinsam mit Experten von den Hochschulen Insead, IESE, Judge Business School, Rotterdam School of Management, der TU Eindhoven und der türkischen Koç-Universität das Motorenwerk aus Thüringen zum deutschen Sieger des Wettbewerbs „Die Beste Fabrik“ erkoren (siehe Kurztext oben).

Europas beste Fabrik

Bereits zum 18. Mal hat die WirtschaftsWoche zusammen mit ihren Hochschulpartnern die Leistungsschau ausgerufen, die den deutschen Teil des europäischen Industrial Excellence Award repräsentiert. Wer in diesem Jahr den Titel des internationalen Gesamtsiegers erhält, entscheiden die Juroren im Oktober auf der WirtschaftsWoche-Konferenz Beste Fabrik in Weimar (siehe Kurztext oben). Dort trifft MDC Power auf die Landessieger aus Spanien, Frankreich und der Schweiz.

Sie alle zeigen, dass die Industrie den Kern einer jeden funktionierenden Wirtschaft bildet – in Deutschland steuerte sie 2013 immerhin knapp 22 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei. „Die Industrie ist weiterhin Jobmotor Nummer eins“, bestätigt Huchzermeier.

Jobmotor Industrie

Denn neben den sieben Millionen Menschen, die in Deutschland im verarbeitenden Gewerbe tätig sind, schafft die Industrie Arbeit für knapp vier Millionen weitere Beschäftigte im Dienstleistungsbereich, schätzt Alexander Eickelpasch vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) – vom Werbetexter über Reinigungskräfte bis hin zum Wirtschaftsprüfer. „Wer Deutschland nur als Dienstleistungsgesellschaft wahrnimmt, verkennt einen Teil der Realität“, sagt der Volkswirt.

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