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Innovationskultur Der Mittelstand ist Deutschlands Lichtblick

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Vom Weltmarktführer zum Pleitekandidaten

Wohin dieses "weiter wie bisher" führen kann, zeigte sich vor einigen Jahren bei Nokia. Einst Weltmarktführer bei Mobiltelefonen, hat das finnische Unternehmen den Wandel zum Smartphone unterschätzt. Eine erdrutschartige Verschiebung von Marktanteilen war die Folge, am Ende stand der Verkauf der Mobilfunksparte an Microsoft. So etwas könnte genauso gut einem deutschen Konzern passieren.

Innovation ist dabei nicht auf Produkte beschränkt. Neue Dienstleistungen, Prozesse und Geschäftsmodelle zählen ebenso hinzu. Daher muss ein Hausgerätehersteller nicht zwangsläufig die Waschmaschine neu erfinden, vielleicht aber sein Geschäftsmodell erweitern. Und ein Sportartikelhersteller braucht nicht den Turnschuh zu revolutionieren – aber unter Umständen lohnt es sich, über neue Dienstleistungen nachzudenken.

Revolution in Produkt, Dienstleistung und Geschäftsmodell

Ein klassisches Beispiel dafür gibt Apple: Mit dem iPod (neues Produkt) kam auch die Plattform iTunes (neue Dienstleistung) und das dazugehörige Bezahlsystem (neues Geschäftsmodell). Diese Kombination mehrerer Innovationen war nur aufgrund verschiedener interner Prozessinnovationen und anderer organisatorischer Änderungen sowie in der Zusammenarbeit von Apple mit externen Partnern möglich.

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Natürlich sind auch in Deutschland schon bahnbrechende Neuerungen hervorgebracht worden, beispielsweise die Magnetschwebebahn oder die MP3-Technologie. Eine gute Idee zu haben heißt hierzulande aber leider nicht automatisch, sie auch gewinnbringend umzusetzen. Zur Marktreife wurde beides im Ausland weiterentwickelt - der MP3-Player wegen Lizenzschwierigkeiten, der Transrapid, weil die Finanzierung nicht geklärt und die Kosten zu hoch waren.

Keine Lust auf Veränderung

Hinzu kommt, dass viele Ideen nicht umgesetzt werden können, weil Unternehmen sich mit ihrem Regelwerk selbst im Wege stehen. "Die Integration disruptiver Ideen ist die größte Herausforderung deutscher Konzerne", bestätigt Marc Wagner, Partner bei der Managementberatung Detecon und verantwortlich für die Themen Transformation, People Management und Nachhaltigkeit. Anders ausgedrückt: Der Marketing-Praktikant kann mit seinem Einfall nicht einfach zum CEO gehen und sagen: "Chef, ich habe eine Idee, wie wir mehr Kunden erreichen." Er muss stattdessen zu seinem Praktikumsbetreuer, der sich dann vielleicht an den Chef der Marketingabteilung wendet, der den Vorschlag dann vielleicht weitergibt.

Ausnahmen gibt es natürlich. So dürfen zum Beispiel die Mitarbeiter bei VW und Porsche ihre Verbesserungsvorschläge einreichen. Die besten Vorschläge werden prämiert und umgesetzt. 2014 haben die VW-Mitarbeiter mehr als 66.000 Verbesserungsvorschläge eingebracht. Das gesamte Einsparvolumen beziffern die Wolfsburger laut einer Mitteilung auf 111,6 Millionen Euro. Insgesamt habe Volkswagen laut eigener Einschätzung in den vergangenen 67 Jahren so allein in Deutschland drei Milliarden Euro in der Fertigung eingespart.

Trotzdem: Erfolg führt laut PA Consulting häufig dazu, dass man auf Veränderungen keine rechte Lust hat. Lief ja auch immer gut ohne neue Ideen, scheint man sich in manchem Unternehmen zu sagen. Entsprechend denken sich die Dax-Konzerne laut der Studie von Ili-Consulting nicht einmal für neue Märkte andere Produkte oder Dienstleistungen aus. Wer deutsche Autos mag, der will auch deutschen Kundenservice, scheint die Überzeugung zu sein.

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