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Interimsmanager Jürgen Theis „Oft passieren Fehler schon zu Beginn des Projekts“

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Was sind die größten Herausforderungen des Jobs?

Bleibt bei Ihrem Arbeitspensum noch Zeit für die Mitarbeiter?
Ich muss von Anfang viele persönliche Gespräche führen. Schon allein, um herauszufinden, warum das Projekt nicht so läuft, wie es sollte. In den ersten zwei Wochen versuche ich je eine Stunde mit jedem Projektmitglied und Entscheidungsträger zu sprechen und analysiere dann das Gesamtbild. Das schafft Vertrauen. Außerdem ist es wichtig, dass die Leute lernen, wie ich ticke.

Wie reagieren Sie, wenn jemand Sie nicht im Team haben will?
Bei einem Kunden hat beispielsweise nach mehreren Wochen die Bindung zum Teilprojektleiter gefehlt. Ich habe ihm dann offen gesagt, dass ich ihm nichts wegnehme, ich im Unternehmen weder Vergangenheit noch Zukunft habe und dass ich lediglich mit dem Team ein Ziel erreichen werde. Als das geklärt war, konnten wir besser zusammenarbeiten.

Müssen Sie als Externer auch Mitarbeitern kündigen?
Es gibt meistens zu Beginn ein Drittel des Teams, das schnell hinter mir steht. Ein weiteres Drittel ist skeptisch und das letzte Drittel ist häufig falsch in ihrer bisherigen Position oder Aufgabe. Es zeigt sich schon nach wenigen Wochen, welche Besetzung im Projekt richtig ist und welche falsch. Es klingt hart, ist aber fair gegenüber dem Projektteam, wenn dann Mitglieder das Projekt verlassen müssen. Dies sage ich der betreffenden Person ehrlich und direkt. Die Personalabteilung entscheidet über weitere Maßnahmen.

Ihren Job hat vorher jemand anderes gehabt. Arbeiten der neue und der alte Manager auch zusammen?
Ein Tandem würde die Orientierung, die die Mitarbeiter brauchen, zerstören. Das klingt radikal, aber anders geht’s nicht. Der vorherige Projektleiter muss das Projekt verlassen. Bislang hatte ich immer das Glück, dass die Geschäftsführung mir in dieser Sache vertraut hat.

Was sind die größten Herausforderungen des Jobs?
Man muss damit klarkommen, dass sich alles schnell verändert und dass es keine Sicherheit darüber gibt, wo Sie in einem halben Jahr arbeiten. Die meisten Verträge sind zunächst auf wenige Monate angesetzt.

Überstunden, Ungewissheit, Leistungsdruck – lohnt sich das?
Für mich ist das kein Stress. Mich motiviert die Herausforderung und sogar die damit verbundene Ungewissheit. Ich messe mich nicht an Hierarchien oder meiner Position im Unternehmen, sondern daran, was ich erreichen kann. Dieser Druck und das Hochgefühl, wenn ich mit dem Team ein Projekt erfolgreich gemanagt habe, sind durch nichts zu ersetzen.

Kein Firmenwagen und kein großes Büro dieser Welt könnten das ändern?
Ich habe mich längst von Symbolen befreit. Ich werde für meine Leistung und Ergebnisse bezahlt. In meinem ersten Büro als Interimsmanager waren sogar die Tapeten an einer Ecke runtergerissen.

Zum Abschied einen Blumenstrauß und das war´s?
Es gab selten den einen Abschiedsmoment. Zunächst ist es mir wichtig, reibungslos an einen Nachfolger zu übergeben. Ich messe meinen Erfolg darin, wie lange ich mit den Personen aus dem Unternehmen im Nachhinein noch Kontakt habe. Manchmal musste ich Projekte um 180 Grad drehen. Wenn die Mitarbeiter auch Jahre später noch regelmäßig mit mir sprechen, sagt das mehr als jeder Blumenstrauß.

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