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Internetstandort Berlin Klaus Wowereit will nicht mit Startups sprechen

Berlins Internetbranche boomt. Grund genug, um mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit über das künftige Potenzial dieses Wirtschaftszweigs zu sprechen, fand 6Wunderkinder-CEO Christian Reber und bat um einen Termin. Doch aus dem Roten Rathaus kam eine Absage.

Startup Twago

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg trat schon bei Internet-Branchenevents wie TechCrunch Disrupt auf, erklärte den 16. April 2011 zum “foursquare Day” und hat sich für 2012 zumindest aus Spaß das Ziel gesetzt, programmieren zu lernen. Alles mit dem Bewusstsein, durch symbolische und moralische Unterstützung der lokalen Startup-Szene einen der wichtigsten Wirtschaftszweige der Zukunft zu fördern. Auch Londons Bürgermeisters Boris Johnson ist sich dessen Wertes bewusst und setzt sich dafür ein, die britischen Hauptstadt in einen Leuchtturm der digitalen Wirtschaft zu verwandeln.

Florierende Gründerszene

Und was macht Klaus Wowereit, Berlins Regierender Bürgermeister? Obwohl die hauptstädtische Gründer- und Internetszene floriert wie nie zuvor und verstärkt ausländische Entrepreneure und Investoren anzieht, ist der Sozialdemokrat bisher nicht mit nachhaltig motivierenden Auftritten oder pressewirksamen Engagements zur Förderung des digitalen Sektors Berlins in Erscheinung getreten.

Berühmte deutsche Gründer
Andreas von Bechtolsheim Quelle: Presse
Ibrahim Evsan Quelle: dpa
Stephan Uhrenbacher Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche
Lukasz Gadowski Quelle: Presse
Lars Hinrichs Quelle: Presse
Gerrit Schumann Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Oliver, Marc und Alexander SamwerDie drei Brüder (im Bild: Oliver Samwer) gelten als Bad Boys der Gründerszene. Dabei halten sie sich nur an eine simple Erfolgsregel, die viele Serienunternehmer zu ihrem Motto erklärt haben: Lieber gut kopiert als schlecht selbst gemacht. Der Erfolg gibt ihnen Recht. So gründeten sie die deutsche Kopie des US-Auktionshauses Ebay, riefen danach den Klingeltonriesen Jamba ins Leben und hatten auch beim Facebook-Klon StudiVZ ihre Finger mit im Spiel. Quelle: Armin Brosch für WirtschaftsWoche

Einblick in die Webbranche

Christian Reber, Gründer und CEO des Berliner Startups 6Wunderkinder, wollte dies ändern und hat in einer E-Mail an Klaus Wowereits persönlichen Referenten Falk Branzke sowie an den Chef der Berliner Senatskanzlei Björn Böhning um einen Termin mit dem Bürgermeister gebeten, um ihm Einblick in die Webbranche der Stadt zu geben. Hier die E-Mail, die Reber per Twitter öffentlich gemacht hat:

Hallo Herr Branzke, hallo Herr Böhning,

unter vielen Berliner Startups und Investoren gibt es aktuell sehr starkes Interesse mit der Berliner Regierung zusammenzuarbeiten um den Standort zu stärken. Wir würden Ihnen und insbesondere Herrn Wowereit gerne einen Einblick in die Branche geben. Mit dabei wären: Gidsy, SoundCloud, Amen, Wooga, Readmill, Moped, totalCommerce, ezeep, Moviepilot, Xyologic, Upcload, 6Wunderkinder und noch einige mehr…

Wir würden uns freuen wenn wir kurzfristig einen Termin finden.

Viele Grüße
Christian Reber
CEO & Founder of 6Wunderkinder

Idee: Diskussionsrunde mit Klaus Wowereit

Klaus Wowereit Quelle: REUTERS

Doch im Roten Rathaus Berlins scheint man an diesem Angebot kein Interesse zu haben. Folgende Antwort erhielt Reber vom Empfang der Senatskanzlei:

vielen Dank für Ihr Schreiben an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, der mich gebeten hat, Ihnen zu antworten.

Leider ist es Herrn Wowereit nicht möglich ein Treffen einzurichten da andere Terminverpflichtungen bestehen.
Er bittet um Ihr Verständnis.

Man kann sich darüber streiten, ob die von Reber erbetene Kurzfristigkeit des Termins notwendig war und vielleicht sogar eine ablehnenden Haltung provoziert hat. Auch fehlte in seiner Anfrage womöglich des Politikers wichtigstes Reizwort “Arbeitsplätze”. Dennoch muss man angesichts dieser Reaktion von Wowereit nüchtern konstatieren, dass der Regierende in dem Glauben zu verharren scheint, auf die Digitalwirtschaft nicht angewiesen zu sein. Was angesichts der chronischen Wirtschaftsschwäche der Stadt und der allgemeinen Annahme, Berlin habe das Potenzial, sich zu einem europäischen Silicon Valley zu entwickeln, mehr als verwunderlich ist.

"Arm aber sexy"

Kritiker mögen monieren, die noch immer vergleichsweise kleine Webbranche Berlins überschätze ihre eigene Bedeutung. Doch gerade wenn dies so wäre, müsste es Wowereit am Herzen liegen, deren Status zumindest durch (öffentliche) Gesten zu stärken. Die Reaktion aus dem Rathaus ist für den Internetstandort Berlin ein Schlag ins Gesicht und lässt befürchten, dass Berlin auch in zehn Jahren noch auf seinen Kultslogan “arm aber sexy” angewiesen sein wird.

Keine Termine

Wirklich verwunderlich ist die Absage auch deshalb, weil der Terminkalender auf Wowereits Website gar keine aktuellen Termine enthält.

Christian Reber bleibt unterdessen hartnäckig und hofft, doch noch zu dem angestrebten Termin zu gelangen.

In Arbeit
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Nachtrag: Christian Reber hat in einem Kommentar konkretisiert, dass der E-Mail eine Diskussion mit der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung vorausgegangen war. Vom Senat selbst kam demnach bereits die Idee, Klaus Wowereit zu einer Diskussion einzuladen, was bisher jedoch erfolglos blieb.

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