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Jeff Bezos Mieser Führungsstil bei Amazon?

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Rückendeckung aus der eigenen Belegschaft

Nick Ciubotariu arbeitet seit März 2014 bei Amazon als technischer Leiter und ist stolz auf seine Arbeit und die seiner Kollegen. Ihm stößt der Artikel der Times mehr als sauer auf und er wirft den Autoren vor, gezielt Anekdoten von ehemaligen Angestellten ausgewählt zu haben, um Vorurteile zu untermauen. Trotzdem schlägt dem Konzern seit der Times-Veröffentlichung weltweit Kritik entgegen. Die ist so groß, dass sich Bezos selbst zu einer Stellungnahme gezwungen sah. „Der Artikel beschreibt nicht das Amazon, das ich kenne, oder die Amazionians, mit denen ich jeden Tag arbeite“, schreibt er in einem Memo an die Angestellten – und startet gleich eine Gegenoffensive. „Aber wenn ihr von irgendeiner Geschichte wie den berichteten wisst, möchte ich, dass ihr sie an die Personalabteilung meldet. Ihr könnt mich auch direkt anschreiben unter jeff@amazon.com.”

Vita: Jeff Bezos

Es dürfe keine Toleranz gegenüber einem solchen Mangel an Empathie geben. „Ich glaube fest daran, dass jeder, der in einem Unternehmen arbeitet, wie es die New York Times beschreibt, verrückt wäre zu bleiben“, schreibt Bezos an seine Mitarbeiter. „Ich weiß, dass ich eine solche Firma verlassen würde.“ ´

Laut der Times lassen die Kündigungen der Amazon-Mitarbeiter auch nicht lange auf sich warten. Das Blatt zitiert eine Studie des US-Unternehmens PayScale aus dem Jahr 2013, wonach Amazon-Angestellte im Durchschnitt gerade mal ein Jahr bei dem Konzern bleiben. Doch jetzt kommt das Aber: Angestellte bei Google, dem weltweit beliebtesten Arbeitgeber, bleiben im Median auch nur 1,1 Jahre im Unternehmen. Bei Ebay sind es 1,9 Jahre, bei Yahoo 2,4. Unternehmen wie Facebook, Twitter oder Netflix tauchen in der Liste der untersuchten 500 US-Unternehmen nicht auf.

Trotzdem scheint es auf den ersten Blick ein Problem der Internetwirtschaft zu sein, dass die Mitarbeiter nach nur sehr kurzer Zeit das Handtuch werfen – und zwar unabhängig vom Wohlfühlfaktor. Die treuesten Mitarbeiter hat dagegen die Eastman Kodak Company. Dort bleiben die Angestellten im Median 20 Jahre.

Amerikaner kündigen im Schnitt nach fünf Jahren

Doch an der Branche liegt es nicht – jedenfalls nicht nur. Zum einen bleiben Amerikaner ihrem Arbeitgeber wesentlich kürzer treu als die Deutschen: Während amerikanische Mitarbeiter durchschnittlich nach 4,6 Jahren Betriebszugehörigkeit kündigen, bleiben die Deutschen 10,3 Jahre in einem Unternehmen, bevor sie weiterziehen. Ein schneller Durchlauf ist also nichts Ungewöhnliches. Zum anderen haben Internet- und Technik-Konzerne dank ihres rasanten Wachstums einen riesigen Personalhunger, der sich aber oft nur in befristeten Verträgen niederschlägt. Allein bei Google arbeiten mehr als 40.000 Menschen, jedes Jahr gehen dort mehr als 2,5 Millionen Bewerbungen ein. Im Jahr 2013 hat Google rund 8000 neue Mitarbeiter eingestellt. Diese haben entsprechend nur eine Betriebszugehörigkeit von maximal zwei Jahren vorzuweisen. Ähnlich argumentiert auch Amazon als Reaktion auf die Vorwürfe der Times. Die Kündigungsrate sei vergleichbar mit anderen Tech-Firmen.

Management



Hinzu kommt, dass Mitarbeiter in der Internetbranche in der Regel sehr jung und eher wechselwillig sind. Bei Google liegt das Durchschnittsalter bei 29 Jahren, bei Amazon sind es 32 Jahre. Zum Vergleich: Mitarbeiter bei Eastman Kodak sind im Schnitt 50 Jahre alt.
Entsprechend nutzen viele Berufseinsteiger die Konzerne als Sprungbretter. Das funktioniert besonders gut, weil die Personalchefs der Internet-Riesen oftmals auf gute Unizeugnisse und den Maßanzug pfeifen, solange der Bewerber nur den richtigen Hunger und ausreichend Leidenschaft mit bringt. Entsprechend schnell lässt es sich bei Amazon aufsteigen. Doch wie bei anderen US-Innovatoren ist auch bei Amazon ein Aufstieg nicht ohne entsprechendes Engagement zu schaffen. Auch Tesla-Chef Elon Musk soll nicht gerade zimperlich mit seinen Angestellten umgehen. Dennoch sind die Zufriedenheitswerte der Mitarbeiter – sowohl bei Tesla als auch bei Amazon – recht hoch.

So schreibt ein Nutzer bei der Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu: „Nach mehreren Arbeitgebern und 20 Jahren Berufserfahrung, kann ich nur sagen: Ich kenne keinen anderen Arbeitgeber, der so mitarbeiterorientiert ist wie Amazon. Die Arbeitsweise unterliegt klaren Regeln, damit muss man leben können oder nicht. Wer das kann, der ist bei Amazon sehr gut aufgehoben.“

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