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Karriere Wenn Computer über Karrieren entscheiden

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Beförderung durch Maschinen?

Beim Suchmaschinenkonzern Google verhinderten die Mitarbeiter kürzlich, dass ein Algorithmus über ihre Karriere entscheidet – dabei ging es bei dem Programm ausschließlich um Beförderungen. In Testläufen hatte das System außerdem bewiesen, dass es in 90 Prozent der Fälle richtig entscheidet. Trotzdem lehnten die Programmierer ab: Sie wollten von einem Menschen befördert werden, nicht von einer Maschine.

„Der Aberglaube, der Mensch treffe stets die besseren Entscheidungen als die Maschine, ist tief verwurzelt“, sagt Stefan Strohmeier, BWL-Professor und Experte für Management-Informationssysteme an der Universität des Saarlandes. „Dabei ist empirisch gut nachgewiesen, wie viele Fehlentscheidungen Personaler treffen. Bewerbungen etwa begutachten sie im Schnitt nur sechs Sekunden. Da sind Fehlurteile programmiert.“

Doch viele Mitarbeiter akzeptieren die Entscheidung eines Menschen leichter – und misstrauen dem Computer. Strohmeier fordert deshalb, die rechtliche Debatte um den Datenschutz um eine ethische zu ergänzen: Was dürfen Unternehmen künftig über ihre Mitarbeiter wissen? Wie viel Privatheit muss am Arbeitsplatz herrschen, damit Angestellte sich dort wohlfühlen? Droht ein Vertrauensverlust zwischen Personalern und Personal?

Auf welche Bereiche wirkt sich die Digitalisierung im Arbeitsalltag aus?

Schon macht das Schlagwort der Work-Privacy-Balance die Runde, denn die Entwicklung beginnt gerade erst. Wenn erst das Internet der Dinge Gestalt annimmt, funken die Arbeitsgeräte beständig Informationen ins Unternehmensnetz.

Big Brother schlägt zu

Ob Mikroskop oder Schlagbohrer – die Geräte dokumentieren künftig sekundengenau, wann wir arbeiten, welche Fehler uns unterlaufen, wann wir vom üblichen Prozedere abweichen oder die Pause überziehen. „Dann haben wir tatsächlich ein Orwell-Szenario“, sagt Strohmeier. „Jetzt aber haben wir noch die Zeit, die Spielregeln festzulegen: nüchtern und ohne dabei in Hysterie zu verfallen.“

Denn die Vorteile der datengetriebenen Anwendungen sind offensichtlich – die menschliche Fähigkeit, das Gegenüber auch emotional zu erleben, können sie nicht ersetzen. Strohmeier hält daher wenig davon, die Analysestärke der Computer gegen menschliche Empathie auszuspielen. Programme sind unfähig, die zwischenmenschliche Chemie zwischen Bewerbern und Unternehmen zu erfassen. Auch geniale Chaoten würden sie im Zweifelsfall wohl eher aussortieren, als zu erkennen, dass genau sie einem Haus den vielleicht fehlenden kreativen Impuls geben könnten.

Management



Umgekehrt aber bieten die Programme auch Außenseitern eine Chance – wenn sie Personen auswählen, die vielleicht aufgrund ihres Auftretens oder ihrer Ausstrahlung immer wieder vorschnell aussortiert werden, obwohl sie fachlich ideal passen. Das menschliche Bauchgefühl ist nun mal zweischneidig – unersetzlich, aber auch fehlbar.

Jeder dritte Manager weltweit lässt sich bei seinen Entscheidungen dennoch lieber von seiner Intuition leiten als von Fakten, ergab gerade erst eine Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers. Allerdings: Die befragten Führungskräfte gaben auch an, warum sie die validen Daten nicht berücksichtigten. Mehr als die Hälfte hatte sie einfach nicht verstanden.

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