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Karriere

Fachkräftemangel? Bildet einfach selbst aus!

Simone Janson Freie Autorin

Viele Unternehmen klagen, dass sie keine geeigneten Fachkräfte finden. Dabei könnten sie selbst aktiv werden und eigene Aus- und Weiterbildungen für ihre Mitarbeiter initiieren. Das ist unkomplizierter als viele denken.

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So gewinnen Unternehmen junge Talente
Mitarbeiter fertigen in einer Polsterei in Weidhausen (Bayern) Sitzmöbel. Quelle: dpa
ÜbernahmegarantieEine ähnliche geringe Attraktivität für junge Menschen dürften auf den ersten Blick auch scheinbar altmodische Branchen haben, die einen heftigen Strukturwandel hinter sich haben - beispielsweise die Porzellanbranche. Die Übernahmequote dort sei sehr hoch, wirbt Christoph René Holler, Geschäftsführer des Bundesverbandes Keramische Industrie, um Nachwuchs. „Die Fachkräfte werden gebraucht. Es hat sich herumgesprochen, dass man in der Regel übernommen wird.“ Bislang gelinge es noch, die meisten Ausbildungsplätze zu besetzen, „aber es wird immer schwieriger“, räumt er ein. Deshalb habe man bei den Tarifabschlüssen den Nachwuchs besonders berücksichtigt. Eine Sprecherin des traditionsreichen Porzellanherstellers Rosenthal in Selb sagt: „Durch eine gute Zusammenarbeit mit Schulen und der Agentur für Arbeit gelingt es uns trotz des demografischen Wandels und seiner Auswirkungen in den meisten Fällen, gut geeignete Kandidaten zu finden.“ Alle zum 1. September angebotenen Lehrstellen habe man besetzen können. Quelle: AP
Model Clelia zeigt "Putzpantoffeln" des Herstellers Present Time Quelle: dpa/dpaweb
Segeltörn
Hochseilgarten Quelle: dpa
Innovation Challenge Quelle: Fotolia
Krimi Quelle: Fotolia

Die Messen Personal 2016 Nord und Süd, die Ende April in Hamburg und Stuttgart stattfinden, sind wichtige Frühjahrsindikatoren für die aktuellen Entwicklungen in der Personalgewinnung. Ein Thema wird dort wieder heiß diskutiert: Wie können Unternehmen im War for Talents die begehrten Fachkräfte für sich gewinnen?

Dabei kommen die lautesten Klagen über den Mangel an qualifizierten Mitarbeitern aus Branchen, in denen die technische Entwicklung schneller voranschreitet als sich entsprechende Aus- und Weiterbildungen etablieren - zum Beispiel in der Digital-Branche. Die Folge ist gesuchtes Fachpersonal, das sich seine speziellen Fähigkeiten oft in Eigenregie beigebracht hat.

Eine Lösung könnte es für Unternehmen sein, die Mitarbeiter selbst aus- oder weiterzubilden. Doch gerade kleinere Firmen und Start-ups schrecken häufig davor zurück: Sie fürchten hohe Kosten, Mehraufwand und oft lassen sich die starren Regeln des deutschen Aus- und Weiterbildungssystems auch schlecht mit der lockeren Unternehmenskultur vieler Start-ups verbinden. Das Thema wurde in der Karriereleiter-Kolumne bereits im vergangenen Jahr ausführlich behandelt.

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    Dabei ist es gar nicht so schwer, eine eigene Weiterbildung ins Leben zu rufen. Wie das funktionieren kann, hat etwa die Mediafix GmbH in Köln erfolgreich vorgemacht: Das 2012 gegründete Unternehmen digitalisiert analoge Bild-Medien wie Diafotos, alte Film-Spulen oder Video-Kassetten. Die Idee dazu kam Gründer Hans-Günter Herrmann auf einem Familientreffen. Die Digitalisierungsgeräte sind Eigenentwicklungen, daher müssen die Mitarbeiter speziell geschult werden. Mediafix hat daher eine fünftägige Ausbildung geschaffen, die mit einer Prüfung zum Mediendigitalisierer abschließt.

    "Inhalte sind zum Beispiel Materialkunde, Qualitätsrichtlinien, verschiedene Medientypen sowie die Bedienung der Geräte“, erklärt Herrmann. Pro Jahr werden zwölf neue Mitarbeiter ausgebildet. 50 Mitarbeiter hat das Unternehmen mittlerweile – und wächst stetig. Wo andere Aufwand und Kosten scheuen, bleibt Herrmann gelassen: "Da wir in einer absoluten Nische agieren, ist das nötige Fachwissen auf dem Arbeitsmarkt schlicht nicht vorhanden. Unser Angebot ist sehr gefragt, also haben wir gar keine andere Wahl."

    So steht es um die Personalplanung in deutschen Unternehmen

    Doch die Investition rechnet sich: Die gut ausgebildeten Mitarbeiter können auch für andere Aufgaben eingesetzt werden – etwa im Kundenservice. Und sie helfen mit, ständig die Qualität des Produktes zu verbessern. „Das aktuelle Reinigungsverfahren für unsere Geräte wurde durch die Digitalisierer entwickelt und erprobt. Und auch das Druckluft-Verfahren wurde im Zuge des Lärmschutzes verbessert“, erklärt Firmengründer Herrmann.

    Den größten Vorteil kann er direkt an seine Kunden weitergeben: "Wir haben standardisierte Abläufe geschaffen und können dadurch ein sehr preisgünstiges Angebot halten", sagt Herrmann.

    Einfacher, als viele denken

    Standards sind bei der Anerkennung von Aus- und Weiterbildungen auf dem Arbeitsmarkt ein großes Thema. Arbeitgeber möchten schließlich auf einen Blick erkennen können, welches Fachwissen ein Mitarbeiter mitbringt. Da hilft eine gewisse Vergleichbarkeit hinsichtlich der Qualität weiter.

    Und noch besser ist es, wenn eine Aus- oder Weiterbildung gleich gemeinsam mit einer so etablierten Institution wie der IHK ins Leben gerufen wird. Das hat der deutsche Crowdsourcingverband getan und mit der IHK München die Weiterbildung zum IHK zertifizierten CrowdFunding Manager(in) initiiert.

    „Das Thema CrowdFunding stößt auf großes Interesse und wir haben Anfragen aus ganz unterschiedlichen Bereichen“, erklärt Thomas Kölbl, Referatsleiter Seminare in der IHK Akademie München und Oberbayern: „Gründungs- und Finanzberater oder Fundraiser wollen das Know-how für ihre tägliche Arbeit nutzen." Öffentliche Träger, Stiftungen und gemeinnützige Einrichtungen erkennen zunehmend die Chancen von CrowdFunding, erklärt Kölbl weiter. Laut ihm setzen auch immer mehr mittelständische Unternehmen auf CrowdFunding, um beispielsweise neue Produkte am Markt zu testen.

    Was im Talent-Management schiefläuft
    Führungsmannschaft der Zukunft Quelle: Fotolia
    Personalauswahl Quelle: Fotolia
    Zielgerichtete Entwicklung für High Potentials Quelle: Fotolia
    Risikoanalyse Quelle: Fotolia
    Potenzial pragmatisch einschätzen Quelle: Fotolia
    Verpixeltes Profilbild Quelle: Fotolia
    Karriereleiter Quelle: Fotolia

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      Daneben suchten auch potentielle Investoren Informationen über CrowdFunding. Grundsätzlich stehe der Kurs aber allen offen und verlange auch keine tieferen Vorkenntnisse.

      In acht Tagen lernen die Teilnehmer Ideenfindung, Konzeption, Vorbereitung, Auswahl der Partner und Plattformen, eigentliche Durchführung und Folgefinanzierungen kennen und erarbeiten ihr eigenes Projekt. „Zudem werden Schwerpunkthemen wie rechtliche Einschätzungen, Betriebswirtschaft, Investment-Psychologie, moderne Marketinginterpretation oder Big Data Pre-Analysis behandelt", erzählt Kölbl. "Unser Trainer Michael Gebert bringt als Berater fundierte Branchenkenntnisse mit“, erläutert er die Verzahnung von Theorie und Praxis.

      In diesen Berufen dauert es überdurchschnittlich lange, Stellen neu zu besetzen

      Am Ende absolvieren die Teilnehmer einen Abschlusstest und erwerben ein IHK-Zertifikat: „Das Qualifikationsziel ist: Ganzheitlich zu CrowdFunding-Themen beraten, Projekte umsetzen und das Risiko des Scheiterns von Kampagnen nachhaltig reduzieren können“, so Kölbl.

      Die Beispiele zeigen: Unternehmen, die händeringend geeignete Mitarbeiter suchen und keine finden, tun gut daran, die Aus- und Weiterbildung selbst in die Hand zu nehmen. Entweder indem sie einen eigenen Kurs installieren oder sich mit einer anerkannten Institution zusammensetzen. Vieles geht doch einfacher, als manche denken.

      Die Autorin betreibt das Blog "Berufebilder". Sie können auch über Twitter mit ihr in Kontakt treten. Eine Übersicht der bereits erschienenen Beiträge in der Kolumne Karriereleiter finden Sie hier.

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