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Karriere Start-ups, die neuen Kaderschmieden der Top-Manager

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Gleiche Chancen

Die Neuausrichtung zeigt sich auch in den obersten Chefetagen. War früher häufig der Finanzvorstand der Kronprinz, haben Technologiechefs heute gleichermaßen Chancen auf den Spitzenjob. Zum Beispiel bei BASF, wo Chief Technology Officer (CTO) Martin Brudermüller Anfang Mai den Vorstandsvorsitz von Kurt Bock übernimmt. „In den vergangenen 20 Jahren ging es vor allem um Kosteneinsparungen und Ergebnisoptimierung“, sagt Cribb, „heute treiben Innovationen den Unternehmenswert.“

Das wissen auch die Personalverantwortlichen beim Telekommunikationskonzern Telefónica in München. Um Führungskräfte für die Digitalisierung fit zu machen, können sie via Onlinetool ihre eigene Zukunftsfähigkeit einschätzen. Dabei sollen sie unter anderem die Frage beantworten, ob sie schon mal für ein Start-up gearbeitet haben. Für Christian Sekels, Leiter Recruiting und Talentmanagement von Telefónica, ein entscheidendes Kriterium. „Wer schon mal in einem Start-up gearbeitet oder sogar selbst gegründet hat“, meint der 34-Jährige, „hat oft eine ganz andere Einstellung.“ Gründer seien mutig, neugierig, ausgestattet mit Unternehmergeist – genau das, was Telefónica brauche. „Wir wollen Mitarbeiter, die auch links und rechts ihrer Abteilung schauen und zukunftsweisende Ideen entwickeln“, sagt Sekels. Dafür sei es eine gute Voraussetzung, wenn man mal „in einer Dreimannfirma“ gearbeitet habe, wo man für alles gleichermaßen zuständig sei.

Auch Telefónica hat derweil ein eigenes Start-up gegründet – mit Sitz in Berlin, versteht sich. Die Ausgründung soll einerseits Geschäftsmodelle für die Zukunft entwickeln, aber andererseits auch digitale Köpfe der Start-up-Welt anlocken, die eines Tages eine Führungsposition im Konzern übernehmen könnten.

In den USA gibt es die direkte Verbindung vom Start-up in die Chefetage schon länger. Der Finanzchef der Investmentbank Goldman Sachs startete seine Karriere zum Beispiel im Silicon Valley. Der studierte Informatiker Martin Chavez gründete bereits in den Achtzigerjahren ein Software-Start-up, im Jahr 2000 folgte ein zweites.
Und Meg Whitman, frühere Chefin des Druckerherstellers Hewlett-Packard (HP), leitete zwischen 1998 und 2008 die Handelsplattform Ebay und formte aus dem Internetauktionshaus einen internationalen Konzern. Von ihren Start-up-Erfahrungen habe sie auch bei HP profitiert, sagt Whitman gerne – und erzählt die Geschichte, wie Ebay beinahe zufällig zum größten Gebrauchtwagenhändler der Welt wurde. Ein Mitarbeiter sei in ihr Büro gekommen und habe berichtet, dass Kunden Autos auf Ebay verkauften. Whitman beschloss kurzerhand, Gebrauchtwagen eine eigene Kategorie zu geben – und wurde innerhalb von drei Jahren zum größten Automakler der USA.

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