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Karriere Was bringen Business-Netzwerke wirklich?

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Netzwerke sind mitunter elitär

Schon das zeigt: Solche analogen Netzwerke sind ganz anders als Xing und Co. nicht für jeden gedacht: Ohne Empfehlung eines anderen Mitgliedes kann man bei YPO nicht aufgenommen werden. Wer nicht CEO, Vorsitzender, Aufsichtsratsvorsitzender, Geschäftsführer oder geschäftsführender Gesellschafter eines Unternehmens mit mindestens 50 Mitarbeitern ist, bleibt trotz Empfehlung außen vor.

Auch was den Umsatz des Unternehmens angeht, gibt es Aufnahmekriterien. „Das Netzwerk macht dann Sinn, wenn man eine unternehmensweite Führungsaufgabe mit einer gewissen Verantwortung hat“, fasst Carlo Bewersdorf, Director & Head of Global Digital Business beim Versicherer Allianz, zusammen.

Er ist ebenfalls seit einigen Jahren Teil des YPO-Netzwerkes. Auch er schätzt es sehr: „Wenn ich beispielsweise nach China fahre, informiere ich mich vorher, welche Mitglieder vor Ort Ansprechpartner für Geschäftliches sein können, aber auch, mit wem man abends ein Bier trinken gehen kann“, sagt er. Sowohl Bewersdorf als auch Herjavec betonen, dass der größte Nutzen des Netzwerkes der offene Austausch zwischen den Mitgliedern sei – offenes Feedback, ehrliche Kritik und Handlungsanstöße, die man im eigenen Unternehmen eher selten bis gar nicht zu hören bekomme.

Wie Sie als Chef auf Feedback reagieren sollten

Auch einer der Befragten des Soziologen Gradinger sagt, dass heterogene Netzwerke vor allem der persönlichen Horizonterweiterung dienen. Hinzu kommt eine für die Mitglieder selbstverständliche Form der Kungelei: So sagte einer der Befragten, dass er, falls er einen Fachmann benötige, sich zuerst in seinem Club umschaue. „Da gehe ich doch vorzugsweise zu einem Rechtsanwalt aus meinem Club oder aus dem Nachbarclub.“ Denn die Mitglieder solcher Netzwerke – seien es nun Rotarier, Lions, Milliardäre oder Top-Manager – bekommen zusätzlich zur Mitgliedschaft auch einen Vertrauensvorschuss, wie der französische Soziologe und Sozialphilosoph Pierre Félix Bourdieu in seinen Abhandlungen über das soziale Kapital beschreibt. Im Gegensatz zum Humankapital bezieht sich das soziale Kapital nicht auf natürliche Personen an sich, sondern auf die Beziehungen zwischen ihnen. Und da spielt Vertrauen eine große Rolle.

Bei sozialen Netzwerken wie den Lions, die sich ausschließlich dem guten Zweck verschrieben haben, werden Mitglieder allerdings sanktioniert, wenn sie ihre Kontakte für ihr berufliches Vorankommen nutzen.


Millionäre unter sich

Bei anderen Netzwerken steht der soziale Gedanke weniger im Vordergrund. Bei Affluence beispielsweise geht es um Vermögen und Einfluss der Mitglieder. Wer ein paar Millionen schwer ist, kann dort seine Freundschaften und Geschäftskontakte verwalten und Gleichgesinnte kennen lernen. Beim britischen Netzwerk Family bhive kann teilhaben, wer mindestens fünf Millionen britische Pfund schwer ist.

Für solche Millionärsnetzwerke wie auch für Netzwerke wie YPO gilt laut Gradinger: Man ist nicht dabei, um Karriere zu machen, sondern weil man Karriere gemacht hat. So wirbt auch YPO damit, die prominentesten Wirtschaftsbosse der Welt zu unterstützen, indem man ihnen einen Raum gibt, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Bewersdorf erzählt von Vorträgen und Seminaren, die von anderen Mitgliedern gehalten werden und schwärmt von einer inspirierenden Tagung mit Bill Clinton und Tony Blair als Gastredner. „Von diesem gegenseitigen Coaching profitiere ich sehr stark“, sagt er.

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