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KarriereleiterMit diesen sechs Tipps gelingt das Medien-Interview

Das Fernsehen möchte ein Statement, die Fachzeitschrift hat da mal ein paar Fragen. Wie Sie eine solche Herausforderung mit gekonnter Vorbereitung und der richtigen Einstellung optimal meistern – und für sich als Chance nutzen, erklärt der WiWo-Coach und Fernsehmoderator. Eine Kolumne.Marcus Werner 22.03.2023 - 11:22 Uhr
Foto: imago images

In der Abi-Prüfung damals haben Ihnen nur zwei, drei Leute zugehört. In den Medien erreichen Sie heute je nach Stellenwert der Sendung, der Site oder des Blattes zigtausende oder sogar mehrere Millionen Zuschauer, Hörerinnen oder Leser.

Da lohnt sich für Sie eine geschliffene Vorbereitung. Wenn Sie angefragt werden und zusagen, weil Sie sich zu einem Thema für kompetent halten, dann machen Sie es nicht wie so viele. Sagen Sie sich nicht: „Ach, der Journalist oder die Journalistin wird mich schon inhaltlich an die Hand nehmen.“ Sondern machen Sie Ihren Auftritt zu Ihrer Sache. Der wird nur dann zum Erfolg, wenn er auf Ihre Anliegen, Ihr Thema, Ihre Botschaft einzahlt.

Aber dafür, dieses Ziel zu erreichen, sind die Medien nicht zuständig. Deren Vertreter verfolgen eigene Ziele: den Interviewpartnern starke, mitreißende Statements zu entlocken (egal ob diese im Sinne der O-Ton-Geber sind), Exklusives zu verbreiten, die Zielgruppe an die Marke der Sendung oder der Plattform zu binden.

Denken Sie ruhig an sich. Wenn Ihr Auftritt gelingt, sind sogar meist alle Seiten zufrieden. Sechs Dinge, die Sie beachten sollten:

1. Überlegen Sie vorab: An wen richtet sich Ihre Botschaft? 

Fallen Sie nicht auf das Naheliegende herein: Ihr Gesprächspartner ist nicht Ihre Zielgruppe. Aus dieser Erkenntnis ergeben sich viele entscheidende Konsequenzen:
A. Reden Sie zum Journalisten. Und reden Sie für die Zuschauer/Hörer/Leser.
B. Analysieren Sie das Publikum.

Angenommen, Sie wollen für Ihr Unternehmen, einen Schokoladenhersteller, eine große Zukunft zeichnen: Wer hört Ihnen zu? Sind es Leute aus dem Finanzwesen, sind andere Fakten von Interesse (Bilanzen, Geschäftsmodell), als wenn die Endkunden zuhören (neuer Riegel mit Pistaziengeschmack) oder die Einzelhändler (Werbestrategie und Positionierung im Verkaufsbereich direkt im Laden).

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2. Was ist Ihre Kernbotschaft?

Sie könnten auf die Idee kommen, die Zeit auszunutzen, indem Sie in jeder Ihnen zur Verfügung stehenden Sekunde Redezeit eine neue Message platzieren. Aber die Aufnahmefähigkeit Ihrer Zughörenden ist deutlich beschränkter, als Sie vielleicht glauben.

Überlegen Sie sich vorab deshalb in Ruhe: Was wollen Sie vor allem Anderen loswerden? Von welchem Aspekt wollen Sie überzeugen?

Um beim Beispiel mit der Schokoladenfabrik zu bleiben. Geht es Ihnen um: das Engagement Ihrer Firma in Sachen Bio und Fairtrade, um die Frage, ob Werbung für Süßigkeiten im Kinderumfeld künftig noch zulässig sein soll oder um die Frage, oder darum, ob der Mittelstand im Lebensmittelsegment in Deutschland bei steigenden Rohstoffpreisen noch eine Zukunft hat.

3. Platzieren Sie Ihre Kernbotschaft gekonnt immer wieder

Viele Interviewgäste in Fernsehsendungen und Podiumsdiskussionen etwa von Zeitungsverlagen hauen am Anfang ihre Kernbotschaft raus und versuchen dann im Laufe des Gesprächs diese Kernbotschaft lang und breit zu erklären und mit Beispielen zu konkretisieren. Und am Ende weiß kaum jemand mehr: Was war Ihre Message?

Deshalb: Scheuen Sie sich nicht, Ihr Hauptanliegen zu wiederholen. Drei, vier Mal darf Ihre These schon fallen. Also etwa:

Erster Wortbeitrag: „Wir brauchen einen klaren rechtlichen Rahmen für die Bewerbung von fairem Handel. Damit Siegel für gerechte Produktionsbedingungen in den Anbaugebieten nicht zum Marketing-Trick verkommen.“

Zweiter Wortbeitrag: „Was fairer Handel ist, ist nicht genormt. Da gibt es Hinweise auf echten Schindluder. Deshalb nochmal: Wir brauchen einen klaren rechtlichen Rahmen für die Bewerbung für fairen Anbau und Handel.“

Dritter Wortbeitrag: „Uns erzählen Bauern in Mittelamerika, dass sie nie von irgendeinem Vertreter der Organisationen besucht wurden, deren Siegel die Produkte tragen, für die sie Kakao anbauen. Und wir, die wir ehrlich sind und deshalb teurer einkaufen, haben einen Nachteil auf dem Markt. Auch deshalb sind klare rechtliche Rahmenbedingungen für fairen Handel nötig. Sonst sind die Engagierten die Dummen.“

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4. Kritische Fragen: Bridgen Sie sich in Sicherheit

Es ist aus Sicht der Zuschauenden und Lesenden sehr sinnvoll, dass die Journalisten und Journalistinnen kritische Fragen stellen, auch wenn Sie das in Bedrängnis bringen könnte:
„Hätten Sie die Informationen über die Salmonellenverseuchung in einem Ihrer Schokoladen-Werke nicht früher öffentlich machen müssen?“
„Wir wollten erst einmal herausfinden, welches Werk überhaupt betroffen ist. Damit wir uns eng mit den Behörden und dem Handel abstimmen können.“
Hier droht Ihnen (aus journalistischer Sicht zurecht) eine Abwärtsspirale der Rechtfertigung. Die nächste Frage könnte lauten:
„Aber wäre es nicht sicherer gewesen, erst einmal den Verkauf aller Produkte zu stoppen. Egal aus welchem Werk sie stammten?“
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Deshalb: Bauen Sie sich selber eine Brücke raus aus diesem Strudel. Indem Sie Ihrer ersten Antwort einen weiterführenden Aspekt anfügen. Etwa so:
„Wir wollten erst einmal herausfinden, welches Werk überhaupt betroffen ist. Damit wir uns eng mit den Behörden und dem Handel abstimmen können. Wir sollten überhaupt einmal generell klären, wie in solchen Fällen eine für alle gültige Notfallstrategie zwischen Hersteller, Handel und Behörden aussehen kann. Wir schlagen einen Runden Tisch zwischen Handel, Herstellern und Bundesernährungsministerium vor.“

Es sei an dieser Stelle dahingestellt, wie die rechtliche Lage wirklich ist. Das Beispiel soll veranschaulichen, wie Sie das Gespräch auf einen interessanten neuen Aspekt lenken können. Hier noch einmal in den Rechtfertigungsstrudel zurückzukehren, wäre für den Interviewer ein großer Rücksprung, durch den er den von Ihnen neu eingeführten Aspekt links liegen lassen müsste. Ihre Chancen stehen daher gut, dem quälenden Nachhaken zu entgehen. Also Antwort plus Brücke zu einem neuen Aspekt in Sicherheit.

5. Lügen Sie nicht

Sie dürfen ablenken, Sie dürfen sich winden, Sie dürfen wortkarg sein. Aber lügen Sie nicht. Vom moralischen Aspekt einmal abgesehen: Ihre Lügenkonstrukte müssen Sie betreuen, im blödesten Fall über Jahre hinweg fortspinnen und ausufernd ausbauen. Das stresst. Kommt die Wahrheit dann doch einmal heraus, haben Sie sich direkt eine negative Berichterstattung eingehandelt und die ramponierte Reputation von Lügnern lässt sich nur schwer heilen.

Die Regel lautet deshalb: Du musst nicht alles sagen, aber was du sagst, muss wahr sein.

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6. Extratipp: Genießen Sie Ihr Lampenfieber

Der beste Trick gegen Lampenfieber ist, es einfach hinzunehmen. Es sogar zu genießen. Im Büro sitzen kann jeder. Und das Gute ist: Das Publikum bemerkt Ihre Nervosität meist gar nicht. Das ist wirklich so.

Was in Ihnen vorgeht; die sich anfangs überschlagenden Gedanken, der hohe Puls, die nassen Achseln, die Selbstzweifel, die erleben in den allermeisten Fällen nur Sie. Wenn Sie ganze Aspekte vergessen, die Sie eigentlich gerne unter die Leute bringen wollten, weiß das außer Ihnen niemand.

Und um sich zu beruhigen: drei Minuten langsam tief durch die Nase einatmen, kurz die Luft anhalten und danach beherzt und entspannt durch den Mund ausatmen.

Die Wirkung einer langsamen, bewussten Atmung wird von vielen unterschätzt. Probieren Sie es aus. Und dann raus auf die Bühne. Mit Ihrer Kernbotschaft. Wiederholen nicht vergessen. Viel Erfolg!

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