Kommunikation Dax-Konzerne verschweigen Personalthemen

Die meisten Dax-30-Unternehmen haben großen Nachholbedarf, wenn es um die Kommunikation von Personalthemen geht. Sie verschenken Möglichkeiten, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren, wie eine Studie zeigt.

Vorsicht vor diesen Stellenanzeigen
Die StellenbeschreibungSie bewerben sich auf eine Stelle mit Assistentenfunktion beziehungsweise eine Stelle mit enger Zusammenarbeit mit dem Management? Dann stellen Sie sich darauf ein, den anderen den Rücken freizuhalten - und mehr nicht. Quelle: Fotolia
Ihr ProfilGesucht werden Mitarbeiter, die dynamisch und flexibel, kommunikativ, teamfähig und belastbar sind. Darunter verstehen der zukünftige Arbeitgeber sowie der Bewerber im besten Fall beide gar nichts, im schlechtesten Fall komplett unterschiedliche Dinge. Der belastbare Mitarbeiter kann zwar körperlich anpacken, hält aber Stress nicht aus, die dynamische Kollegin arbeitet schnell, ist aber menschlich eine Schlaftablette, teamfähig ist der Neue nur, wenn er das Team anführen darf und so weiter. Eine gute Stellenausschreibung sagt konkret, wen sie sucht und lässt keine Mehrfachdeutungen zu. Quelle: Fotolia
EinsatzbereitschaftDer neue Mitarbeiter sollte außerdem außergewöhnlichen Einsatz mitbringen. Wer das in einer Ausschreibung so betont, verwechselt Engagement mit Überstunden und Stress. Quelle: dpa
ArbeitsweiseGefragt sind außerdem selbstständiges Arbeiten und Entscheidungsstärke. Wenn nicht gerade jemand gesucht wird, der in einem jungen Unternehmen eine neue Abteilung aufbaut, könnte diese Phrase auch bedeuten, dass es im Betrieb an eindeutigen Vorgaben mangelt und jeder zusehen muss, was und wie er arbeitet. Quelle: Fotolia
VerantwortungsbewusstseinEinen Mangel an Strukturen und Vorgaben verstecken Unternehmen auch gern hinter schwammigen Formulierungen wie
ArbeitsumfeldSie bewerben sich auf eine Stelle in einem sehr dynamischen Arbeitsumfeld. Richtig klar wird auch hier nicht, was gemeint ist. Entweder herrscht bei den Mitarbeitern eine hohe Fluktuation oder Sie müssen sich täglich um neue Aufgaben kümmern. Quelle: Fotolia
GleichberechtigungIm neuen Betrieb sind alle gleichberechtigt, es herrschen flache Hierarchien. Klingt nett, kann aber auch heißen, dass niemand Verantwortung übernimmt oder sagt, wo es lang geht. Quelle: Fotolia

Die 30 Dax-Konzerne informieren die Öffentlichkeit nur mangelhaft über Personalthemen. Die Berichte betreffen im allgemeinen nur die Personalpolitik der Unternehmen und seien sehr nüchtern und faktenorientiert, zeigt eine Studie der Prüfungs-und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Im Mittelpunkt stünden dann Effizienz und Personalkosten.

"Gerade wegen des sich zuspitzenden Talentemangels auf dem Arbeitsmarkt ist jedoch eine zielgruppenspezifische und einheitliche Arbeitgeberkommunikation wichtiger und lohnender denn je", sagt Nelson Taapken von Ernst & Young. Er schlägt zu diesem Zweck einen speziellen Personalbericht als Kommunikationsinstrument vor, "um die gesamte Breite und Vielfalt der Personalthemen des jeweiligen Unternehmens darzustellen und speziell die Zielgruppe der potenziellen Bewerber zu adressieren."

Wo Bewerber tricksen
Vertrauen in die Angaben im LebenslaufNicht wirklich viel Vertrauen haben deutsche Unternehmen in die Korrektheit der Bewerberangaben. 49 Prozent der deutschen Manager die in einer Umfrage befragt wurden, denken, dass Bewerber grundsätzlich übertreiben. In Österreich glauben dies sogar 60 Prozent der Personalprofis und in Italien 53 Prozent. Die Studie
VertrauenInsgesamt hat die von Robert Half in Auftrag gegebene Studie gezeigt, dass 52 Prozent aller Befragten meinen, dass die Angaben in einer Bewerbung genau den Tatsachen entsprechen und das reale Profil des Jobsuchenden widerspiegeln. Stark abweichend davon sieht es in Luxemburg aus. Bekommen die befragten Manager Bewerbungen auf den Tisch, gehen sie zu 72 Prozent davon aus, dass die Angaben darin korrekt sind und sie sich darauf verlassen können, dass der Jobsuchende über die angegebenen Qualifikationen auch wirklich verfügt. Nur 28 Prozent der betreffenden Arbeitgeber in Luxemburg haben Zweifel an der Aufrichtigkeit ihrer Bewerber. Quelle: gms
Tschechische RepublikGanz anders sieht es dagegen in Tschechien aus: Bewirbt sich jemand beispielsweise in der Hauptstadt Prag (Foto), gehen 70 Prozent der Personaler davon aus, dass die Angaben im Lebenslauf aufgehübscht - oder, wie es in der Studie offiziell heißt, wenig vertrauenswürdig - sind. Nur 30 Prozent der Verantwortlichen glauben den Jobsuchenden und nehmen ihnen voll ab, was sie bei den eigenen Fähigkeiten, Abschlüssen und Erfahrungen angegeben haben. Quelle: dpa
Rangliste der SchwindeleienDie Befragten durften bei der folgenden Frage maximal drei Kreuzchen machen:
DubaiDoch auch bei den Punkten, an denen Bewerber gern übertrieben gibt es starke regionale Unterschiede. In Dubai beispielsweise nehmen die Personalverantwortlichen den Bewerbern ihre genannten Sprachkenntnisse zum größten Teil ab, nur neun Prozent zweifeln daran. Zu 93 Prozent glauben sie den Bewerbern auch im Punkt Softwarekenntnisse. Natürlich könnte dieser Glaube in die Aufrichtigkeit der Bewerber in diesen Punkten auch daher kommen, dass in Dubai zahlreiche Bewerber aus anderen Ländern stammen. Somit ist klar, dass Bewerber, sobald sei dort von einem Unternehmen eingestellt werden Sprach- und Softwarekenntnisse sehr schnell praktisch unter Beweis stellen müssen. In Deutschland dagegen werden Sprachkenntnisse meist standardmäßig angegeben - doch wirklich zeigen müssen Jobstarter sie nur selten. Quelle: REUTERS
wÖsterreich: Gründe, den vorherigen Arbeitgeber zu verlassen40 Prozent der Entscheider in Österreich glauben ihren Bewerbern, wenn es um die Angaben im Lebenslauf geht. Sieht man sich das Ergebnis der Studie einmal näher an, fällt auf, dass die Österreicher allerdings an einem Punkt doch besonders zweifeln. Während die Gesamtauswertung aller Länder ein Ergebnis von 33 Prozent Zweifel ausweist, bei den Gründen die zum Ausscheiden aus dem alten Job führten, sind die Österreicher da kritischer. Sie glauben nur zu 50 Prozent daran, dass die angegebenen Gründe, warum ein Arbeitnehmer sich nun bei einem neuen Arbeitgeber wechselt auch der Wahrheit entsprechen. Da in jedem Karriererageber nachzulesen ist, dass Bewerber nicht über ehemalige Kollegen oder Chefs lästern sollten, könnt dies ein Grund sein, warum die charmanten Österreicher davon ausgehen, in diesem Punkt zum großen Teil angeschwindelt zu werden. Quelle: dapd

Von allen Unternehmen werde der gesetzlich vorgeschriebene Jahresbericht genutzt, um über die Personalarbeit zu informieren – mehr aber häufig nicht. Das Thema Personal kommt nur am Rande vor, etwa in Bezug auf die Vergütung, demografische Daten, Angaben zur Fluktuation und den Anteil von Frauen im Unternehmen. Nur in Einzelfällen gehen die Unternehmen auf spezifische Themengebiete innerhalb des Personalbereichs zum Beispiel auf Diversity ein. Meist biete der Bericht nur eine Gesamtübersicht der Personalprogramme des Unternehmens, in denen jeweils die Ziele, Inhalte und teilweise auch Ergebnisse dargestellt werden. "Mitarbeiter und potenzielle Kandidaten sind also nicht mehr als  abstrakte Größen", sagt Taapken. Die Unternehmen hätten zwar inzwischen eingesehen, dass die richtigen Mitarbeiter für den Erfolg entscheidend seien, aber als Zielgruppe für einen eigenen Bericht haben sie sie offenbar noch nicht erkannt.

Lediglich drei Unternehmen veröffentlichen einen gesonderten Personalbericht, der dann speziell von der Personalabteilung veröffentlicht wird. Ein Teil des Berichts widmet sich der Personalstrategie und der Humanressource-Organisation. Mehr als 80 Prozent der Dax-30-Unternehmen veröffentlicht neben dem Jahresbericht zusätzlich einen CSR- bzw. Nachhaltigkeitsbericht. Darin werden dann Themen besprochen, die ansonsten fehlen, nämlich die Altersstruktur der Arbeiter, der Frauenanteil und Arbeitssicherheit.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Die Studie kritisiert, dass das Potential für Employer Branding und die Kommunikation mit potentiellen Kandidaten kaum genutzt wird: Weder die Jahresberichte noch die CSR- und Personalberichte spiegeln die Interessen und die Perspektive dieser Zielgruppe wider. Solche Informationen sind aber auf den Karriere-Websites der Konzerne zu finden: "Individuelle Erfolge oder herausragender Beispiele werden fast nie angeführt. Hier handeln die Unternehmen schlicht fahrlässig: Denn die Personalbereiche sind gefordert, sich insgesamt überzeugender zu präsentieren und konsistent nach außen zu kommunizieren", sagt Taapken. In eigenen Personalberichten könne man eine Grundbotschaft definieren und ausformulieren. Diese könne dann für Karriere-Webseiten, aber auch allgemeine Publikationen zu Einzelthemen angepasst und weiter verwendet werden.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%