Konfliktmanagement Führungskräfte vertragen keine Kritik

Niemand ist perfekt - zumindest Angestellte nicht. Vorgesetzte machen dagegen immer alles richtig. So zumindest der Tenor in vielen Unternehmen. Die Fehler der Manager sind tabu.

ein Mann hält ein Glas in der Hand und raucht eine Zigarre Quelle: Fotolia

Meist liegt es an der Kommunikation, wenn etwas schief geht. So tun sich viele Vorgesetzte beispielsweise schwer, ihren Mitarbeitern ein ordentliches Feedback zu geben. Wer seinem Angestellten nur ein "Ihre Leistung ist ungenügend!" hinschmettert und damit den Raum verlässt, erreicht nichts - außer, dass der Mitarbeiter völlig verunsichert und zu Recht verärgert ist.

Schade um die verpasste Gelegenheit, finden Sabine Hübner und Carsten K. Rath, das Gründerduo der Management- und Unternehmensberatung RichtigRichtig.com, die häufig mit dem Thema schlechte Feedback-Kultur zu tun haben.

Das Problem ist nur, dass Chefs das nicht einsehen - und zwar unabhängig davon, was sie verbocken. Denn in zwei von drei Unternehmen wird über die Fehler von Vorgesetzten häufig geschwiegen. In jeder vierten Firma sind die Missgriffe der Chefs sogar ein absolutes Tabuthema. Das sind Ergebnisse der Studie "Einfluss des HR-Managements auf den Unternehmenserfolg" der Personalberatung Rochus Mummert. Dazu wurden HR-Führungskräfte sowie 1000 Arbeitnehmer befragt.

Mit wem wir uns im Beruf am häufigsten streiten

"Da sich die meisten Konflikte in Unternehmen an Fehlern entzünden, muss es erlaubt sein, auch die der Chefs zu thematisieren", sagt Hans Schlipat, Studienleiter und Managing Partner der RochusMummert-Gruppe. "Am besten von den Top-Führungskräften selbst. Denn das Schaffen einer offenen und konstruktiven Konfliktkultur funktioniert nur, wenn es von ganz oben vorgelebt wird." Denn die Vorstandsvorsitzenden oder Vorsitzenden der Geschäftsführung haben den mit deutlichem Abstand größten Einfluss auf die Leitkultur ihres Unternehmens.

"Die Vorbildfunktion der obersten Führungsebene ist essentiell, um einen kulturellen Wandel in einem Unternehmen zu bewirken", so Schlipat. Unternehmen, den dieser Wandel gelingt, profitieren zudem auch wirtschaftlich. So zeichnen sich ertragsstarke Unternehmen dadurch aus, dass Konflikte nicht tabuisiert und gemeinsame Überzeugungen durchgängig in allen Hierarchien gelebt werden.

"Die auf diese Art ausgedrückte Wertschätzung durch Vorgesetzte ist über alle Hierarchien hinweg der größte Motivator – und dazu noch völlig kostenlos", weiß Schlipat.

So werden Sie in Ihrem Unternehmer zum "Konfliktlöser"

Genauso motivierend - und kostenlos - ist das eingangs erwähnte Feedback an die Mitarbeiter. "Zeitnahes und konstruktives Feedback ist das effektivste Mitarbeiter-Entwicklungsinstrument. Führungskräfte dürfen diese Gespräche nicht auf die leichte Schulter nehmen", sagt Sabine Hübner. Denn Feedback kann sowohl positive – lobende – als auch kritische – anregende – Aspekte für den Mitarbeiter beinhalten. Damit daraus kein offener Schlagabtausch wird oder der Mitarbeiter auf Abwehr schaltet, sollten Chefs vor allem immer sofort Rückmeldung geben.

Ein Mitarbeiter kann Feedback, das unmittelbar nach seiner gezeigten Leistung gegeben wird, wesentlich besser reflektieren. Für ihn ist es dann eindeutig, dass nicht er als Person infrage gestellt wird, sondern das Feedback auf die gerade gezeigte Situation abzielt.

In Arbeit
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Außerdem macht der Ton die Musik: Hagelt es Wörter wie "schlecht" oder "grausam", wird das Gegenüber von Beginn an die Scheuklappen aufsetzen. Adressiert man das Anliegen so, dass man es auch selbst annehmen könnte, wird auch der Angesprochene eher die Rückmeldung annehmen.

Es kann auch nicht schaden, sich nach dem Feedbackgespräch noch einmal rückzuversichern, ob und wie die eigene Botschaft angekommen ist. Abschließende Fragen, wie "Wie ist Ihr Eindruck dabei?", lassen zum einen die Perspektive des Gegenübers erkennen. Zum anderen vermitteln sie die Wertschätzung seiner Person.

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