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KPMG-Studie Problem erkannt – Lösung fehlt

Die Mehrheit der deutschen Vorstandsvorsitzenden geht davon aus, dass ihr Unternehmen in drei Jahren ein komplett anderes sein wird. Doch den Wandel auch aktiv gestalten? Das kann kaum jemand.

Zehn Tipps von Management-Guru Peter Drucker
1. Prioritäten setzenWas muss getan werden? Diese Frage sollte bei Ihnen an erster Stelle stehen. Die Antwort auf die Frage „Was will ich tun?“ ist somit zweitrangig. Das wusste schon Harry Truman, 1945 Präsident der USA, am Ende des zweiten Weltkrieges. Was er tun wollte, war klar: Die wirtschaftlichen und sozialen Reformen seines Vorgängers Franklin D. Roosevelt zu Ende bringen. Als er sich jedoch die essenzielle Frage stellte, was er tun musste, erkannte Truman, dass die Außenpolitik seines Landes an erster Stelle stehen sollte. So wurde er zum effektivsten Präsidenten in der Geschichte der USA. Druckers Tipp: Verzetteln Sie sich nicht und konzentrieren Sie sich auf eine einzige Aufgabe. Wenn Sie effektiv führen wollen, setzen Sie sich Prioritäten und halten Sie auch daran fest. Quelle: dpa
2. Entscheidungen hinterfragenAls Führungskraft sind Sie ständig damit beschäftigt, Entscheidungen für Ihr Unternehmen zu treffen. Aber hinterfragen Sie diese Entscheidungen auch? Wichtig ist nicht, ob sie für Eigentümer, Aktienkurs, Mitarbeiter oder Manager richtig ist, sondern für das ganze Unternehmen. Ein Beispiel für diese Tugend ist der Chemiekonzern DuPont. Anfangs noch als Familienunternehmen geführt, gehörten alle Spitzenmanager zur Familie. Eine Beförderung kam für sie jedoch trotzdem nur dann infrage, wenn ein aus Nicht-Familienmitgliedern bestehendes Managementgremium zu dem Schluss kam, dass der Kandidat hinsichtlich seiner Fähigkeiten allen gleichrangigen Mitarbeitern überlegen war. Druckers Tipp: Entscheidungen, die gut für das Unternehmen sind, sind auch gut für die einzelnen Interessengruppen. Stellen Sie daher stets das Wohlergehen und die Ziele des ganzen Unternehmens an erste Stelle. Quelle: dpa
3. Aktionsplan erstellenErfolg will geplant sein - aber richtig. Hilfreich ist ein Aktionsplan, in dem Sie die gewünschten Ergebnisse definieren (Umsatz, Aktienkurse, abzuschließende Projekte). Dann überlegen Sie, wie Sie sie erreichen können. Das macht Ihr Management effektiver. Aber Vorsicht: Ein Aktionsplan ist eher eine Art Absichtserklärung als eine verbindliche Zusage. Er darf nicht zur Zwangsjacke werden und sollte regelmäßig überprüft werden. Napoleon soll einmal gesagt haben, dass keine erfolgreiche Schlacht jemals ihrem Plan gefolgt wäre. Trotzdem hat er jede seiner Schlachten gründlicher geplant als alle Generäle vor ihm. Druckers Tipp: Erstellen Sie einen Aktionsplan für Ihr Unternehmen und planen Sie Ihr Management. Trotzdem sollten Sie aufmerksam bleiben und den Plan eventuell auf geänderte Gegebenheiten zuschneiden.
4. Effektiv kommunizierenIst erstmal ein Aktionsplan erstellt, sollten ihn auch alle Mitarbeiter verstehen. Konkret bedeutet das, dass Sie Ihre Pläne mit allen Kollegen teilen und diese um Ihre Meinung bitten sollten. Dank Chester Barnards Klassiker "The functions of the executive" ist bekannt, dass Organisationen in Wahrheit durch Informationen zusammengehalten werden, nicht durch gutes Management oder Besitzverhältnisse. Druckers Tipp: Sparen Sie nicht an Informationen, sondern kommunizieren Sie Ihre Pläne. Dabei sollten Sie auch untergebene Mitarbeiter nicht ausschließen. Quelle: dpa
5. Chancenorientiert denkenEs klingt wie eine Floskel, ist aber ein effektives Element guten Managements. Erfolgreiche Führungskräfte konzentrieren sich auf Chancen, nicht auf Probleme. Japan geht dabei als gutes Beispiel voran: Dort wird sichergestellt, dass vorhandene Chancen nicht von Problemen erdrückt werden. Dabei spielt auch die Stellenbesetzung eine wichtige Rolle. Japanische Führungskräfte lassen ihre besten Mitarbeiter an Chancen arbeiten, nicht an Problemen. Druckers Tipp: Probleme und Risiken gibt es überall – aber auch Chancen. Stellen Sie diese in Ihrem Unternehmen in den Mittelpunkt. Auch Probleme lassen sich in Chancen umwandeln, indem Sie sich fragen: Wie können wir diese Veränderung oder jenes Problem als Chance für unser Unternehmen nutzen? Quelle: dpa
Multitasking während eines Meetings Quelle: fotolia
7. Zeit managen"Effektive Führungskräfte fangen nicht mit ihren Aufgaben an, sondern mit ihrer Zeit." Diese Aussage von Drucker sagt eigentlich schon alles über das richtige Zeitmanagement aus. Unproduktive Zeitfresser sollten reduziert werden, auch wenn sie sich überall verstecken. Druckers Tipp: Damit Ihr Arbeitstag nicht den Zeitdieben zum Opfer fällt, sollten Sie Ihre Zeit in drei Blöcke einteilen: Zeiterfassung, Zeitmanagement und Zeitkonsolidierung. Letztendlich geht es dann darum, zu erkennen, wie viel Zeit für unnütze, aber unumgängliche Aktionen verschwendet werden muss - und wie viel für die großen, produktiven Aufgaben übrig bleibt. Wichtig ist dabei, dass Sie Ihre Zeit immer in große Blöcke einteilen. Ein paar Minuten hier und da bringen nichts - und sind letztlich nur uneffektiv.   Quelle: dpa

Gewohnheitstiere sind eine rare Spezies auf Deutschlands Chefetagen – zumindest legt das eine neue Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG nahe, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. Dafür wurden 1200 Topmanager aus Deutschland und der ganzen Welt gefragt, welche Themen sie in den nächsten drei Jahren umtreibt. Was für Ängste sie plagen und wo sie die größten Chancen wittern.

 Die gute Nachricht zuerst: 76 Prozent der Manager blicken optimistisch in die Zukunft. Sie erhoffen sich eine sehr viel positivere Entwicklung des globalen Wirtschaftswachstums als noch im Vorjahr. Und auch für ihr eigenes Unternehmen sehen sie große Chancen: 64 Prozent erwarten, dass sich ihre Geschäfte im kommenden Jahr besser entwickeln als zuletzt. Einen solchen Optimismus gab es selten auf Deutschlands Chefetagen. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der es so viele Krisenherde und damit verbundene Unwägbarkeiten gibt, wie lange nicht mehr: Ob drohender Grexit, die Ukraine-Krise oder der Crash der chinesischen Börse.

Was gute Führung ausmacht

 Hinzu kommt der große gesellschaftliche Umbruch. Durch Digitalisierung, Globalisierung und Automatisierung befindet sich auch die Wirtschaft im ständigen Wandel. Kein Geschäftsmodell scheint mehr sicher, Neues löst das Alte immer schneller ab. Bei diesem Tempo mitzuhalten, fällt vielen Unternehmen schwer. Doch das Gute daran ist, dass die meisten Firmenlenker sich dessen erstaunlich bewusst sind. 70 Prozent der befragten Manager rechnen damit, dass sich ihr Unternehmen bis 2018 erheblich wandeln wird. Das sind deutlich mehr als im weltweiten Durchschnitt: Global sehen nur 29 Prozent einen solch eklatanten Wandel auf sich zu kommen. Das ist ungewöhnlich: erwartet man solche Töne doch eher aus dem Start-up-Mekka Silicon Valley, wo sie die Zukunft bekanntlich erfinden. Und nicht vom deutschen Mittelständler auf der Schwäbischen Alb.

Über die Studie

 Diese deutsche Weitsicht bleibt nicht ohne Folgen. So sehen sich 78 Prozent der deutschen Vorstandschefs dazu gezwungen,  die Strategie ihres Unternehmens innerhalb der kommenden Jahre zu ändern. Mehr als die Hälfte wollen das eigene Geschäftsmodell an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Darauf richten sie auch ihre künftigen Investitionen aus. 55 Prozent der CEOs planen bis 2018 am stärksten in die Transformation des Geschäftsmodells zu investieren. 54 Prozent legen ihren Fokus auf die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen. Um der Welt diese Innovationen auch präsentieren zu können, sind 49 Prozent der befragten Manager bereit, Geld in Marketing und Werbung  zu stecken.

 Wandel aus Angst

 Das alles passiert allerdings nicht ganz freiwillig. „Ein volatiles Umfeld, hohe technologische Dynamik und das veränderte Kundenverhalten zwingen die Unternehmen dazu, ihre Strategie zu ändern oder ihr Geschäftsmodell komplett in Frage zu stellen“, sagt Angelika Huber-Straßer, Bereichsvorstand Corporates bei KPMG. „Nur die wenigsten können es sich noch leisten, weiter zu machen wie bisher.“ Das zeigt auch die Studie. Möchte man dem Antreiber für den Wandel einen Namen geben, wäre das vermutlich Angst.

 

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