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Künstliche Intelligenz „Deutsche Manager tun sich schwer damit, Dinge einfach mal zu machen“

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„Selbst vor zehn Jahren haben deutsche Unternehmen schon selbstlernende Produkte hergestellt“

Ärgert Sie das?
Diese Sichtweisen ärgern mich nicht, nein. Was mich aber ärgert ist, dass in Deutschland – wie in kaum einem anderen Land – die öffentliche Wahrnehmung von KI sehr kritisch, geradezu ängstlich und primär getrieben von Argumenten rund um Kontroll- und Arbeitsplatzverlust ist. Das hemmt die ganze Gesellschaft, überhaupt anzufangen, die sehr positiven Potenziale zu erschließen. Eben die unzähligen Einsatzmöglichkeiten etwa rund um Prozessempfehlungen und Frühwarnsysteme – alles Dinge, die weit vor dem „bedrohlichen“ humanoiden Roboter kommen.

Können Sie die Einsatzmöglichkeiten konkretisieren?
Klar: Zum Beispiel werden an einer CNC-Fräse Vibrationen zur Prognose der Werkzeugabnutzung gemessen. So kann der Fräskopf ausgetauscht werden noch bevor er ausfällt. Lange, kostenintensive Rüstzeiten werden so deutlich reduziert. Viel passiert auch in der Logistik: KI kann hier anhand der aktuellen Zulieferersituation, den spezifischen Produktionsdaten und der Logistikauslastung viel verlässlicher prognostizieren, wann ein bestellter Neuwagen dem Kunden ausgeliefert werden kann. So können ganze Prozessketten optimiert werden.

Diese Vorteile muss ein Unternehmer aber erstmal erkennen. Wenn er das nicht schafft, ist der Schrei nach politischer Nachhilfe tatsächlich so falsch?
Bessere Rahmenbedingungen wie Förderprogramme oder neue Lehrstühle an Universitäten sind ja nicht falsch. Sie werden nur dann zu einem Problem, wenn sie von Unternehmen als Ausrede benutzt werden. Denn selbst mit den Rahmenbedingungen, die vor zehn Jahren zur Verfügung standen, haben Unternehmen hierzulande selbstlernende Produkte wirtschaftlich effizient entwickelt.

So funktioniert Künstliche Intelligenz

Welche?
Zum Beispiel Navigationsgeräte, die zu der Zeit in Deutschland entwickelt wurden. Wenn so ein Navi über Staudaten und intelligente Routenführung verfügt, ist es ein im hohen Maße selbstlernendes System. 

Diese Navis sind in den Fahrzeugen der Autobauer eingebaut – große Konzerne mit viel Eigenkapital. Dass KI hier etablierter ist, erscheint logisch. Wie ist es bei traditionsreichen Firmen im deutschen Mittelstand?
Man darf sich unter deutschen Mittelständlern nicht nur Familienbetriebe vorstellen, die auf dem Land in einer kleinen Halle gemeinsam mit dem halben Dorf ihre Produkte herstellen. Vielmehr tüfteln viele Mittelständler an automatisierten, hochmodernen Lösungen. Meinem Eindruck nach sogar stärker als so mancher Großkonzern, der am Konferenztisch Budgets für Forschung und Entwicklung in Tabellen hin- und herschiebt.

Doch genau solche Unternehmen gibt es auch im Silicon Valley und da ist KI seit Jahren quasi beheimatet.
Allerdings sind die USA sehr heterogen entwickelt und bestehen aus so viel mehr als dem Silicon Valley. An der Ost- und Westküste mag KI womöglich recht etabliert sein. Doch in allen restlichen Teilen des Landes und der Unternehmen ist sie es nicht. Die gute Nachricht daran: Für Unternehmen, die sich auf diesem Markt etablieren wollen, birgt das natürlich Potenzial. Das gilt auch für den US-Markt: Gerade im produzierenden Gewerbe in den ländlichen Regionen der USA würde Künstliche Intelligenz vieles vereinfachen.

Das könnte sie in Deutschland auch. Dabei soll ein Fördergeld über drei Milliarden Euro helfen, das hat die Bundesregierung vor kurzem im Rahmen des Digitalgipfels beschlossen. Wie bewerten Sie die Förderung?
Grundsätzlich tut KI jede Art von Aufmerksamkeit erstmal gut. Das Fördergeld der drei Milliarden Euro bis 2025, schätzen viele als zu wenig ein. Ich halte es für durchaus ausreichend. Zumindest, wenn die Förderung den Zweck verfolgt, einen gesellschaftlichen Impuls zu geben und Unternehmen zu motivieren, selbst Geld in die Hand zu nehmen, um eigene KI-Experten auszubilden. Dafür ist die Summe akzeptabel.

Aber?
Wenn die drei Milliarden das Gesamtbudget für deutsche Unternehmen im KI-Segment sein sollen, dann ist der Betrag natürlich lächerlich wenig.

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