Kyocera-Gründer im Interview Darum sollten auch Mitarbeiter hohe Boni bekommen

Kazuo Inamori, der Gründer von Kyocera, ist Japans einflussreichster Manager. Er appelliert an Führungskräfte, sich auf die Belegschaft zu konzentrieren. Im Interview erklärt er, wie er mit seinen Mitarbeitern umgeht.

Inamori Kyoto, Ceramic Quelle: Ko Sasaki für WirtschaftsWoche

Kazuo Inamori schwört auf Weisheiten, die das westliche Denken irritieren: Nicht auf die Aktionäre, sondern auf die Mitarbeiter kommt es an. „Wer Eier möchte, muss für die Hennen sorgen“, sagte Inamori vor einigen Monaten dem US-Magazin Bloomberg. „Schikaniert oder tötet man die Henne, wird das nicht funktionieren.“

Seine erfolgreichen Gründungen Kyocera (1959) und KDDI (1984) sowie die Sanierung von Japan Airlines (2010) geben dem heute 84-Jährigen Recht. Er ist einerseits gewinnorientierter Kapitalist: Jedes Team im Konzern soll wie eine Amöbe selbstständig handeln und kalkulieren, damit eine Atmosphäre wie bei einem Start-up herrscht. Und jeder Mitarbeiter soll wie ein Manager handeln, Einnahmen maximieren und Ausgaben minimieren.

Andererseits will Inamori, seit 1997 buddhistischer Zen-Priester, den Kapitalismus mit Altruismus und Familiengeist zähmen. Seine Maxime: „Tue das, was menschlich richtig ist.“

Die zwölf Management-Prinzipien von Kazuo Inamori

Bei Kyocera zückt daher jeder Mitarbeiter bis heute bei jeder Morgenbesprechung ein kleines, in blaues Plastik gebundenes Buch mit Inamoris Managementlehre. Das 80-Seiten-Werk soll dem persönlichen Wachstum dienen, etwa mit Aussagen über die gesellschaftliche Bedeutung der Arbeit und die richtige Lebensweise. Viele wählen einen Lehrsatz aus und stecken ihn hinter ihr Namensschild mit dem Firmenausweis, um sich ständig an den Gedanken zu erinnern. Was Japans bekanntester Manager rät.

WirtschaftsWoche: Das Motto Ihrer Management-Philosophie lautet "Respektiere das Göttliche und liebe die Menschen". Wann haben Sie zuletzt bewusst an Ihr Motto gedacht?

Kazuo Inamori: Ich bin jetzt 84 Jahre alt, im Ruhestand und lese viel. Ein paar Mal in der Woche fahre ich in mein Büro bei Kyocera und treffe das Management. Dabei frage ich mich jedes Mal, wie wir als Menschen sein sollen. Eine Lehre ist, dass wir demütig und niemals arrogant sein sollten. Mit dem Alter wächst die Gefahr, arrogant zu werden. Daher kontrolliere ich mich strikt und frage mich, ob ich demütig genug bin.

Sie wurden nach dem Gründer- und Management-Leben ein buddhistischer Priester. Wie notwendig sind Kenntnisse des Buddhismus, um Ihre Ideen zu verstehen?

Man muss den Buddhismus nicht kennen. Ich wurde dadurch sicher beeinflusst, aber kurz gesagt, kehrt man zur selben Frage zurück: Was ist die richtige Sache, die ich als Mensch tun muss? Aber nicht als Kazuo Inamori, auch nicht als Japaner, sondern als Mensch, der auf diesem Planeten lebt. Das ist das konstante Thema. Am Fundament meines Lebens steht diese Frage nach dem Menschsein.

Sie haben Kyocera Ende der 1950er Jahre gegründet. Haben sich die Anforderungen an Manager seit damals geändert?

Nein, überhaupt nicht. Für Manager und Unternehmensführer ist ein integrer Charakter weiterhin das Allerwichtigste.

Welche andere Eigenschaft innerhalb Ihrer zwölf Management-Regeln halten Sie denn für besonders wichtig?

In jedem Menschen konkurrieren das Ego und ein altruistisches Selbst miteinander. In der Tiefe unseres Herzens folgen wir egoistischen Zielen. Zugleich freuen wir uns daran, wenn andere Leute glücklich sein können. Wenn wir uns nicht selbst kontrollieren, dann wird unser Ego größer und wir tun Dinge, die uns selbst nützen. Aber es gibt auch diesen anderen Faktor, dass wir uns um andere kümmern. Also versuche ich, dass meine Motivation auf dem altruistischen Denken basiert.

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