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Liqui-Moly-Chef Ernst Prost „Ich liebe meinen Sohn zu sehr, um ihn in diese Mühle zu zwingen“

Ernst Prost, Chef des Mineralölspezialisten Liqui Moly, hat sich frühzeitig um seine Nachfolge gekümmert. Und wenn er im nächsten Jahr abtritt, wird er noch mehr Zeit für seine sozialen Projekte haben.

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Ernst Prost war immer ein Mann klarer Worte – auch wenn es um seine eigene Nachfolge geht. „Ich liebe meinen Sohn zu sehr, als ihn in diese Mühle zu zwingen“, sagt der Chef des Ulmer Mineralölspezialisten Liqui Moly. Sein Sohn habe ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben und wolle nicht in seine Firma wechseln. „Es macht wenig Sinn, wenn ein Kind aufgrund erbhistorischer Zufälle gezwungenermaßen Chef spielen soll in einem Laden mit 1000 Mitarbeitern und einer dreiviertel Milliarde Euro Umsatz – das kann nicht gutgehen.“ 

Daher hat Prost frühzeitig vorgesorgt: Bereits Ende 2017 hat er die verbliebenen Anteile an seinem Unternehmen an die Würth Gruppe in Künzelsau verkauft. Würth war bereits vorher mit einer Minderheitsbeteiligung stiller Teilhaber von Liqui Moly. Für den umtriebigen Prost war dieser Schritt aber auch aus einem anderen Grund wichtig: „Es ist eine Rückversicherung, damit der Firma nichts passiert, wenn mir etwas passiert“, sagt der Unternehmer. „Durch den Verkauf an Würth weiß ich die Firma in sicheren Händen ­ und kann jetzt auch leichter aussteigen.“

Genau das hat der 65-Jährige im kommenden Jahr vor: Ohne Sorgen in den Ruhestand zu gehen. Dann hat er auch mehr Zeit für seine vielfältigen sozialen Projekte, die er seit Jahren vorantreibt: Mit zwei Stiftungen – eine mit Fokus auf Deutschland, eine auf Afrika – fördert er Menschen in Not. „In die fließt vor allem mein eigenes Geld aus den Erträgen von Liqui Moly“, beteuert Prost. „Ich tingle also nicht über die Dörfer und sammle irgendwelche Millionen von anderen reichen Leuten ein – um für die dann den Heilsbringer zu machen.“

Frontschwein und Rampensau

Prost nennt sich selbst mal Frontschwein, mal Rampensau. Und tut einiges, um diesem Namen gerecht zu werden. Erst im vergangenen Jahr etwa redete er sich über Manager von Konzernen in der Coronapandemie in Rage: „Dividenden und Kurzarbeit – und womöglich deshalb sogar steigende Aktienkurse? Wie passt das denn zusammen“, so Prost mit Blick auf viele börsennotierte Unternehmen, die beim Gehalt ihrer Beschäftigten auf staatliche Unterstützung zurückgreifen und gleichwohl Geld an ihre Aktionäre ausschütten. „Das geht gar nicht – und ist fast schon obszön. Frech und unanständig auf alle Fälle.“

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    Prost gefällt sich in der Rolle des unbequemen Mahners. So war für ihn klar, dass er im Zuge der Coronakrise selbst kräftig mit anpackte, um sein Unternehmen auf Kurs zu halten. Rund um die Uhr war Prost damals, Mitte 2020, am Telefon. Morgens sprach er mit Autowerkstätten in China, abends mit denen an der US-amerikanischen Westküste ­– all das, um zu verhindern, dass noch mehr Umsätze wegbrechen.

    Immerhin produziert der Mittelständler in seinen Werken in Ulm und Saarlouis rund 4000 Mineralöle und Zusätze, die er in viele Länder rund um den Globus exportiert. Lohn von Prosts Bemühungen: Der Umsatz von Liqui Moly stieg auch im Jahr 2020 um sieben Prozent auf einen neuen Rekordwert. Einziger Haken: Aufgrund eines millionenschweren Investitionsprogramms schrumpfte der Gewinn um gut die Hälfte.

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    Doch auch das ficht den gebürtigen Bayer nicht an: Anlässlich seines 30-jährigen Dienstjubiläums bei Liqui Moly Anfang Februar spendete er über eine Million Euro an insgesamt 63 Begünstigte in diversen sozialen Projekten. Mehr noch: Bei Beginn der Coronakrise verzichtete er auf sein Gehalt als Geschäftsführer – in seinen Augen ein weiterer Beitrag, um Arbeitsplätze bei Liqui Moly zu sichern und gleichzeitig zu signalisieren, dass hier ein Starker für die Schwachen einsteht. Prost: „Eine Selbstverständlichkeit!“

    Am 18. November wird der Entscheidungsmacher im Rahmen eines exklusiven Dinners in Frankfurt gekürt. Mehr über diese Veranstaltung und auch die Anmeldung finden Sie hier: https://anmeldung.me/enma/

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