Lockere Geschäfte Mit dem Chef in die Sauna

Nackt mit Kollegen oder Vorgesetzten in der Sauna? Was Deutsche skurril finden, ist in Finnland normal. Denn das stärkt den Teamgeist.

Eine entspannte, vertrauliche Saunaatmosphäre - das nutzen Finnen, um die Verbundenheit zwischen Kollegen und Geschäftspartnern zu stärken Quelle: dpa

Mikael Helle geht zwei bis drei Mal die Woche in die Sauna. Der stellvertretende Geschäftsführer der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Helsinki gehört damit zum finnischen Durchschnitt. Mehr noch: Saunagänge mit Kollegen und Geschäftspartnern sind in Finnland gang und gäbe.

„Je größer die Firma ist, desto wahrscheinlicher hat sie auch eine eigene Sauna“, sagt Helle. Dort entspannen Mitarbeiter nach Feierabend, halten Teammeetings ab und führen Kundengespräche.

Zehn Tipps für Saunagänger
GesundheitsfaktorSaunieren tut dem Körper gut. Der Besuch einer Sauna kann positive Auswirkungen auf den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System und den Blutdruck haben. Auch bei Hauterkrankungen wie Schuppenflechte kann Saunieren Wunder bewirken. Manche Studien gehen sogar davon aus, dass regelmäßige Saunabesuche die Lebenszeit verlängern können. Infoquelle: Deutscher Saunabund Quelle: dpa
Entspannen Sie sichAnstatt in der Sauna auch gleich wilde Fitnessübungen zu vollführen, sollte man sich lieber entspannen - sportliche Aktivitäten in der Sauna tun weder Ihrem Körper noch den genervten Mitmenschen gut. Quelle: obs
Ruhepausen einhaltenZwischen den Saunagängen und anschließend sollte man dem Körper eine Ruhepause gönnen. Jede Pause sollte mindestens so lange dauern, wie der Aufenthalt in der Sauna. Quelle: fotolia.com
Vorsicht bei HerzkrankheitenAbgesehen von einer Erkältung sollten auch Menschen, die an einer Herz-Kreislauf- oder Gefäßerkrankungen leiden oder bereits einen Herzinfarkt hatten, mit dem Saunieren aufpassen. Gleiches gilt für Herzrhythmusstörungen oder Asthma. Je nach Ausmaß kann der Saunagang nämlich sowohl gefährlich sein als auch gut tun. Für Betroffene empfiehlt sich deshalb vor dem Gang in einen Wellnesstempel ein Gespräch mit dem Hausarzt. Gleiches gilt für schwangere Frauen. Quelle: fotolia.com
Frische Luft schnappenNach dem Saunagang ist Sauerstoff ganz wichtig. Statt im stickigen Schwimmbad zu bleiben oder sich erstmal eine schöne Portion Pommes zu gönnen, sollte man also lieber an die frische Luft gehen und tief durchatmen. Quelle: fotolia.com
Krank in die SaunaWer allerdings schon einen dicken Schnupfen hat, der sollte der Sauna fern bleiben. Wer nämlich krank ist, dem geht es wegen des Temperaturwechsels von heiß zu kalt nach dem Saunabesuch schlechter als vorher. Von der Ansteckungsmöglichkeit der anderen Saunagäste einmal ganz abgesehen. Quelle: dpa
Auf die Hygiene achtenWer möchte schon auf einer vom Vorgänger vollgeschwitzten Holzbank sitzen - der Hygiene und den Mit-Saunierern zuliebe sollte immer ein großes Handtuch dabei sein. Auch Badeschuhe sind angebracht. Zudem sollte man vor dem Saunagang duschen, damit das gemeinsame Schwitzen nicht zur Geruchsbelästigung wird. Quelle: dpa

In Deutschland bevorzugen Geschäftsleute jedoch, Hose und Hemd anzulassen. Saunagänge bleiben dem Privatleben vorbehalten. „Ich persönlich würde nie mit Vorgesetzten oder Kollegen in die Sauna gehen“, sagt etwa die Berliner Karriereberaterin Martina Bandoly. Sollten sich Kollegen hierzulande zu einem Saunabesuch nach Feierabend verabreden, müsste zwischen ihnen schon ein enges, vertrauliches Verhältnis bestehen.

„Je nackter man ist, desto schutzloser fühlt man sich auch“, sagt Bandoly. Denn Kleidung schaffe eine berufliche Identität. „In einem Anzug nehmen Menschen eine andere Haltung ein als im Jogging-Anzug.“ Im beruflichen Kontext sogar nackt zu sein, schaffe eine ungewöhnliche Situation.

Saunabesuche schaffen Verbundenheit

Alle Kleider abzulegen, sehen die Finnen hingegen als Gewinn – denn nackt sind alle (fast) gleich. „Das stärkt den Teamgeist“, sagt der stellvertretende AHK-Chef Mikael Helle. Dafür sorgen die optisch wegfallenden Hierarchien und die entspannte, vertrauliche Atmosphäre.

„Die Kollegen lernen sich besser kennen, stärken ihre Beziehungen untereinander und kommen auf neue Ideen.“ Diese Vorteile gelten außer für Kollegen auch für Geschäftspartner. Ein gemeinsamer Saunabesuch signalisiert gegenseitiges Vertrauen und stärkt dieses.

Diesem positiven Zweck schadet es daher, seine schlechte Laune oder negative Einstellung kundzutun. „Das gehört nicht in die Sauna“, sagt Helle. Saunagänger sollen nicht nur ihre Kleidung, sondern auch ihre negativen Gedanken ablegen.

So entsteht eine konstruktive Atmosphäre, die die Finnen nutzen, um einen, nun ja: neuen Blick auf alte Probleme zu werfen. In der Sauna solle man sich völlig normal verhalten. „Es gibt keine Regel, wer das Wasser nachgießt oder wie lange man in der Sauna bleibt“, sagt Helle. „Das ergibt sich automatisch.“

Zwickmühle Ablehnung

Bis 2007 hat der AHK-Vize in finnischen Unternehmen der Banken- und Telekommunikationsbranche gearbeitet. Bei Besuchen deutscher, US-amerikanischer oder japanischer Geschäftspartner gehörte eine Einladung in die Sauna oft dazu.

„Ausländische Geschäftsleute sollten das als freundliche Geste ansehen, die man annehmen oder auch ablehnen kann. Da ist niemand beleidigt“, sagt Helle. So locker wie mit dem Saunabesuch gehen die Finnen auch damit um, wenn es jemandem zu unangenehm sein sollte.

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Zumindest, wenn ein lukrativer Geschäftsabschluss lockt, rät Martina Bandoly dazu, seinen inneren Schweinehund im Ausland zu überwinden. In allen anderen Fällen gilt: „Bevor man sich zu verklemmt verhält, sollte man den Saunabesuch lieber sein lassen“, sagt Bandoly.

Wer sich dazu durchringt, solle sich immer vor Augen halten, dass Kollegen, Vorgesetzte oder Geschäftspartner anwesend sind. „Nur weil wir unsere Kleider fallen lassen, heißt das nicht, dass wir unsere Konventionen fallen lassen“, sagt Bandoly. „Irgendwann gehen schließlich wieder alle aus der Sauna raus.“

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