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Macht - anders!
Das Leben ist eine Bühne? Unsere Kolumnistin sieht das anders Quelle: imago images

Das Leben ist keine Bühne

Als Chef, so die gängige Lehre, müsse man immer die perfekte Rolle spielen. Für Investoren, Kunden, Angestellte. Doch das ist Quatsch. Denn auch Chefs sind Menschen - und dürfen auch mal fluchen.

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Kürzlich überraschte mich ein ehemaliger Vorstand mit einer Managementweisheit der besonderen Art. Das Leben, so erklärte er im Rahmen eines Vortags, sei eine Bühne. Denn, so das ehemalige Vorstandsmitglied eines deutschen Medienkonzerns: Die Kollegen, Mitarbeiter, Kunden - sie alle erwarteten, dass man ihnen eine bestimmte Rolle vorspiele. Das wollte er nicht mehr länger und ging.

Diesen Abgang finde ich absolut nachvollziehbar. Doch: Müssen wir als Chef tatsächlich eine Rolle spielen? Müssen wir allzeit verständnisvoll, motivierend und sachlich sein? Ich finde nicht. Denn eine Führungskraft hat so manches auszubaden. Druck von allen Seiten kann frustrieren. Wie befreiend dann doch manchmal ein beherztes „Scheiße“ sein kann!

Das, so hat man es auch mir beigebracht, dürfen sich Chefs nicht vor der Belegschaft erlauben. Was sollen die denn denken? Ich sage es Ihnen: Sie sollen denken, dass ich ein Mensch bin, der unter Druck steht und gerade ein Ventil braucht. Ein Mensch, der auch mal etwas persönlich nimmt und nicht wie ein Roboter seinen Dienst macht. Jemand, der gerne ein offenes Ohr für andere hat, ab und an aber auch seine eigenen Sorgen mitteilen muss, um gesund zu bleiben.

Perfektionismus ist in der Theorie eine feine Sache. Aber wir alle wissen, dass kein Mensch perfekt ist. Auch keine Führungskraft. Einen ersten Schritt haben wir in der deutschen Führungskultur gemacht, als der eine oder andere Herr seine Krawatte abnahm. Wenn wir noch einen Schritt weitergehen und uns als die Menschen präsentieren, die wir sind, nehmen wir uns viel Druck. Denn das Leben ist keine Bühne – und der Arbeitsalltag kein Theaterspiel.

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    Nur wer selbst seine Bedürfnisse kommuniziert, kann erwarten, dass auch andere offen mit ihren Bedürfnissen umgehen. Und was bringt es, wenn das ganze Team zufrieden ist, die Führungskraft aber permanent die Zähne zusammenbeißt? Natürlich ist es mit dem Fluchen wie mit allem anderen auch: Die Mischung macht’s. Niemand möchte einen miesepetrigen, permanent fluchenden Chef. Also: Lachen, loben, leiden – alles im richtigen Maßstab. Und dann wird das Theater wieder etwas für den Feierabend.

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