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Management Führen wie eine Katze

Wie kann man erfolgreich führen, wenn Mitarbeiter über zu viel Druck, Kontrollwahn und mangelnden Respekt klagen? Coach Peter Holzer zeigt in seinem Gastbeitrag Lösungen für Manager nach dem Vorbild der Haustiere.

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Kater Caruso in «PeePees Katzencafé» in Berlin-Neukölln weiß, wie er bekommt, was er will. Quelle: dpa

Jedem ist mittlerweile klar, dass sich die Zeiten geändert haben. Der militante Führungsstil ist ebenso aus der Mode, wie der Karrierepfad von Ausbildung bis Rente in ein und demselben Unternehmen. Von Führungskräften wird heute einerseits erwartet, dass Sie Ergebnisse bringen und hart in der Sache sind. Andererseits wollen die Mitarbeiter, dass der Umgang „menschlich“ bleibt. Manager wollen von diesem Ponyhof-Verhalten meistens nichts hören. Vor allen Dingen dann nicht, wenn die Organisation unter Druck steht, und die Ergebnisse hinter Plan liegen. Mitarbeiter empfinden das Verhalten der Manager dagegen als dominant bis arrogant. Wie lässt sich dieser Konflikt lösen?

Die Art und Weise, wie wir auf andere Menschen wirken, hängt vor allem von unserer Körpersprache ab. Doch wie verhält sich eine Führungskraft in der Praxis? In unser Analyse von mehr als 6.500 Teamsituationen haben wir beobachtet, dass Menschen mit Verantwortung typische körpersprachliche Mikromuster zeigen. Ihre Stimme ist monoton und flach. Am Satzende geht die Betonung runter. Dabei sinkt manchmal das Kinn ein bisschen mit nach unten. Der Kopf wird gerade und ruhig gehalten. Sie kennen dieses Verhalten von Piloten: „Hier spricht der Captain! ... Bleiben Sie am Platz!“

Menschen, die weiter unten auf der Karriereleiter arbeiten, zeigen meistens eine ganz andere Körpersprache. Ihre Stimme bewegt sich auf und ab. Am Satzende geht die Betonung hoch. Der Kopf bewegt sich beim Sprechen hin und her. Ähnlich wie bei einer Stewardess: „Herzlich Willkommen an Bord... Milch und Zucker zum Kaffee?“

Analogie von Hund und Katze

Die richtige Stimme macht erfolgreich
Tiefe Stimmen signalisieren FührungsstärkeZu diesem Ergebnis kommt Casey Klofstad von der Universität von Miami in einer aktuellen Studie. Für ihr Experiment sprachen zunächst einige Männer und Frauen einen Satz auf Tonband: „Ich empfehle Ihnen, bei der Wahl im November für mich zu stimmen.“ Diesen spielte Klofstad etwa 250 Freiwilligen vor, allerdings verfälschte sie die Stimmen digital: Mal klang sie tief und sonor, mal hell und hoch. Nun sollten die Probanden angeben, welcher Stimme sie am ehesten ihre, nun ja: Stimme geben würden. Und siehe da: Kandidaten mit tieferen Stimmen bekamen den Vorzug – sie galten durchweg als kompetenter und vertrauenswürdiger. Quelle: dpa
Tiefe Männerstimmen bleiben Frauen im GedächtnisDavid Smith und Kevin Allan von der Universität von Aberdeen zeigten für ihre Untersuchung knapp 100 Frauen das Bild eines Gegenstands. Gleichzeitig hörten die Teilnehmerinnen sowohl echte als auch manipulierte männliche oder weibliche Stimmen. Diese sprachen den Namen des Gegenstands aus - mal mit hoher, mal mit tiefer Stimme. Dann präsentierte Smith den Probandinnen zwei täuschend ähnliche Versionen des Gegenstands und bat sie, den zu nennen, den sie zuvor gesehen hatten. In beiden Experimenten hatten die Frauen nicht nur eine deutliche Vorliebe für die tiefe männliche Stimmlage. Sie konnten sich auch besser an Gegenstände erinnern, wenn sie sie mit einer tiefen Stimme in Verbindung brachten. Quelle: dpa
Frauen erhöhen ihre Stimme, um attraktiver zu wirken45 Frauen, zwei Männergesichter, eine Erkenntnis: Frauen erhöhen automatisch ihre Stimme, wenn sie einen Mann attraktiv finden. So lautete das Fazit einer Studie von Paul Fraccaro von der Universität von Aberdeen. In seinem Experiment zeigte er den Frauen eines von zwei verschiedenen Männergesichtern, das er zuvor am Computer verändert hatten. Eines war eher maskulin, das andere feminin. Nun sollten sich die Studentinnen vorstellen, den jeweiligen Mann am Vorabend in einer Bar getroffen und seine Nummer erhalten zu haben. Die Aufgabe: "Nun sprechen Sie ihm auf den Anrufbeantworter und fragen Sie, ob er Sie wiedersehen möchte." Während die Probandinnen diesen Text aufsagten, nahm Fraccaro sie auf Tonband auf. Und siehe da: Immer wenn die Studentinnen das Gesicht attraktiv fanden, sprachen sie mit höherer Stimme. Quelle: dpa
Die Stimme verrät die KörpergrößeSarah Collins von der niederländischen Uni Leiden ließ für eine Studie im Jahr 2000 34 Männer verschiedene Vokale laut aufsagen. Die Tonbänder spielte sie unterschiedlichen Frauen vor, die die Männer daraufhin einschätzen sollten: ihre Attraktivität, ihr Alter, ihr Gewicht und ihre Größe. Wenig überraschend: Männer mit tiefer Stimme wurden als attraktiver bewertet. Sogar das Gewicht konnten die Frauen nur durch die Stimme einigermaßen zuverlässig einschätzen. Quelle: dpa
Die Stimme offenbart körperliche KraftFür eine Studie zeichnete Aaron Sell von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara die Stimmen von Menschen in verschiedenen Ländern auf – in den USA, Rumänien, Bolivien und Argentinien. Außerdem bestimmte er die Stärke des Handschlags, den Bizepsumfang und weitere Indikatoren für die Kraft der Oberkörper. Nun spielten Sell die Stimmen Studenten vor, die daraufhin die Kraft, Körpergröße und Körpermasse auf einer Skala von 1 bis 7 schätzen sollten - was ihnen allein durch das Hören der Stimme recht zuverlässig gelang. Quelle: dpa
Die Stimme der Mutter beruhigt die NervenWenn Sie das nächste Mal Stress haben, greifen Sie zum Telefon - und rufen Sie Ihre Mutter an. Klingt vielleicht komisch, hilft aber. Das zumindest behauptet Leslie Seltzer von der Universität von Wisconsin-Madison. 61 Mädchen im Alter von sieben bis zwölf Jahren sollten in einem Experiment vor fremdem Publikum sprechen und Rechenaufgaben lösen. Im Anschluss bekamen sie entweder eine Umarmung ihrer Mutter, wurden von ihr angerufen oder sahen einen Film. Seltzer und Kollegen untersuchten vorher und nachher die Höhe des Hormons Oxytozin, das Stress abbaut. Und siehe da: Allein die Stimme der Mutter sorgte für mehr Oxytozin. Quelle: dpa
Babys erkennen Gefühle in der StimmeSchon im Alter von sieben Monaten können Babys menschliche Stimmen und deren Emotionen erkennen. Für eine Studie spielte Tobias Grossmann vom Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften Kleinkindern zwischen vier und sieben Monaten Stimmen mit einer neutralen, einer glücklichen und einer wütenden Betonung vor. Verblüffend: Auf die emotionalen Satzmelodien reagierten die Hirnregionen deutlich anders als auf die neutrale Stimme. Quelle: dpa

Durch ihre Körpersprache wirken diese Menschen unterschiedlich auf uns. Piloten empfinden wir als glaubwürdig. Sie senden Informationen. Stewardessen wirken zugänglich auf uns. Sie erfragen Informationen. Wir sprechen wegen dieser Unterschiede von der „Analogie von Hund und Katze“:

  • Piloten verhalten sich wie Katzen. Sie sind autark. Und wenn man sie ruft, liegt es an der Katze, ob und wann sie reagiert. Katzen sind Ergebnisse am wichtigsten.

  • Stewardessen verhalten sich dagegen wie Hunde. Wenn Sie einen Hund rufen, kommt er zu Ihnen. Denn ihm liegt die Beziehung am Herzen.

Diese körpersprachlichen Muster sorgen in der Praxis immer wieder für Turbulenzen: Der Chef fragt (mit der Stimme eines Piloten): „Was halten Sie davon, wenn wir das Muster in blau gestalten?“. Die Frage ist vom Chef als Vorschlag gemeint. Sie wirkt jedoch auf den Mitarbeiter wie ein Befehl, da er im Vergleich zum Chef ein Hund ist.

Oder ein Teammitglied wird zum Teamleiter befördert. Seine Körpersprache verändert sich: entsprechend seiner Position wird er mehr zur Katze. Das hat Auswirkungen. Seine Kollegen tuscheln in der Mittagspause: „Den Jürgen erkenne ich gar nicht mehr wieder, seit er die neue Position hat...“. Dagegen beschwert sich der beförderte Manager bei seiner Frau: „Seit ich die neue Position habe, bekomme ich gar nichts mehr von der Front mit“.

Oder ein Mitarbeiter klopft beim Chef an die Tür. Er fragt vorsichtig: „Chef, darf ich Sie mal kurz stören? ... Es dauert auch nicht lange... Ich hoffe, Sie hatten ein schönes Wochenende...“. Dabei rollt der Chef bereits die Augen und denkt (oder sagt): „Mensch, kommen Sie zur Sache!“

Charisma durch systematische Körpersprache

Was Gesten über Sie verraten
Ein Mann verschränkt die Hände hinter dem Kopf Quelle: Fotolia.com
Vermutlich Angela Merkel mit verschränkten Händen Quelle: dpa
Eine Frau mit verschränkten Armen Quelle: Fotolia.com
Eine Frau fasst sich an den Hals Quelle: Fotolia.com
Eine Hand berührt den Ärmel am Anzug der anderen Hand Quelle: Fotolia.com
Eine Frau zeigt mit "zur Pistole" geformten Fingern auf den Betrachter Quelle: Fotolia.com
Eine Frau fasst sich an die Nase Quelle: Fotolia.com

Unser Verhalten ist kontext-abhängig. Jeder von uns ist mal mehr Katze und mal mehr Hund. Ein Manager ist im Beruf z.B. fast immer als Katze aktiv. Wenn er abends mit seiner Frau bei einem Glas Wein sitzt und ihr in Ohr raunt: „Ich liebe Dich“ – kann dies jedoch auch durchaus in der Körpersprache eines Hundes erfolgen.

Es ist klar, dass Menschen mit Verantwortung immer den Fokus auf Ergebnisse halten. Was können sie nun tun, um hart in der Sache zu bleiben – und zusätzlich die Moral und Motivation im Team hochzuhalten? Solche Führungskräfte gibt es. Sie werden oft als charismatisch bezeichnet und zeigen ganz bestimmte Muster in ihrem Verhalten:

Management



Immer wenn es um wichtige Inhalte geht, handeln sie aus ihrer Position und verwenden die Körpersprache einer Katze. Sie sind fokussiert auf das Ergebnis. Sie gehen Risiken ein und übernehmen Verantwortung. Sie lieben die Herausforderung und fordern von den Menschen in ihrem Umfeld eine hohe Qualität ein.

Wenn es um persönliche Dinge geht, ändern sie ihr Verhalten. Sie wechseln in die Körpersprache eines Hundes. Sie verbringen Zeit mit den Mitarbeitern und halten Small-Talk. Sie erkundigen sich nach den Kindern – und fragen, was der Hausbau macht. Sie zeigen Interesse an ihren Mitmenschen und pflegen die Beziehung.

Der Schlüssel für eine wirkungsvollere Führung liegt also darin, unser Charisma zu verstärken. Hunde sind nett zu einander, jedoch leiden vor lauter Beziehungspflege oft die Ergebnisse. Katzen sind effizient, jedoch passen die Egos eines Katzen-Teams nicht in den Raum und es kommt oft zum Kräftemessen. Wir brauchen mehr charismatische Manager. Menschen, die sowohl die Beziehung pflegen, als auch hart in der Sache bleiben. Trainieren Sie als Führungskraft also Ihre „Hunde-Rolle“, damit sie zugänglich auf Ihre Mannschaft wirken. Wenn es darauf ankommt, fordern Sie Ergebnisse und handeln Sie aus Ihrer „Katzen-Rolle“.

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