Management Was Chefs von Grenzgängern lernen können

Bergsteiger, Polarforscher und Abenteurer erscheinen nicht als gute Vorbilder für kluges Wirtschaften. Ihr Risiko ist enorm, der Erfolg stets ungewiss. Trotzdem können Manager viel von diesen Grenzgängern lernen.

Brite, Polarforscher, Abenteurer: Sir Ernest Shackleton bestritt erst keine waghalsige Expedition, sondern kehrte 97 Meilen vor dem Südpol um. Quelle: dpa

Er war Weltmarktführer. Seine Domäne beherrschte er wie wenige, unzählige Projekte managte er mit stets glücklichem Ausgang. Seine Unternehmungen erforderten ebenso viel Personal wie Kapital. Doch er schaffte es immer wieder, beides zu bekommen.

Der Brite Ernest Shackleton war Polarforscher und bleibt bis heute der Inbegriff von Mut und Entschlossenheit. Vier Antarktisexpeditionen unternahm er zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bei der berühmtesten rammten er und seine drei Gefährten in den Mittagsstunden des 9. Januars 1909 den Union Jack in das Eis der Antarktis. Die kleine Gruppe war nur noch 97 Meilen vom Südpol entfernt. Kein Mensch war ihm bisher so nah gekommen.

Zu dem Zeitpunkt waren ihre Ponys im Schnee verelendet oder bereits verspeist. Die vier Männer hatten sich zuletzt nur noch von Keksen ernährt. Einer der Gefährten sagte später: „Wenn wir nur eine Stunde weitergegangen wären, hätten wir es nicht mehr zurück geschafft.“  

Sie kehrten um. Vor ihnen lag noch ein Rückmarsch von 700 Meilen durch die Eiswüste. Mit steifen Gelenken, geschwollenem Zahnfleisch und aufgeplatzter Haut.

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Das große Ziel – den Südpol – hatte Shackleton nicht mehr erreicht. Die Nimrod-Expedition scheiterte. „Shackleton als Weltmarktführer in Sachen Polarforschung bewertete das Überleben seiner Männer höher als den totalen Triumph“, schreibt Peter Baumgartner in seinem Buch „Geniale Grenzgänge. Limits in der Wirtschaft und am Ende der Welt“. „In vier Expeditionen verlor er kein einziges Mannschaftsmitglied“,  erzählt Baumgartner.

Nach Meinung des Autors und Wirtschaftsingenieurs Baumgartner taugt das Beispiel Shackletons als Vorbild für heutige Manager.

 „Shackleton hat vorgemacht, was man alles unter extremen Bedingungen erreichen kann, ohne dem Extrem der Maßlosigkeit zu verfallen“, sagt Baumgartner. Dabei ist nicht das Limit zu erreichen ausschlaggebend, sondern: heil zurückzukommen. „Grenzen erkennen und dabei doch nicht zu überschreiten, dass ist der Schlüssel eines nachhaltigen Wirtschaftens“, so Baumgartner. Schließlich spiele der Industrielle unter Umständen mit der Zerstörung von Menschenleben und Umwelt, der Sportler zur Überwindung selbstgesetzter Leistungsgrenzen mit Drogen und der Grenzgänger bei Abenteuern und Expeditionen mit dem Tod. Dieses Risiko zu erkennen und ihm trotzdem nicht zu verfallen, das sei elementar.

Shackleton zeichnete sich durch die Fähigkeit aus, zu erkennen, wann es genug war mit dem Streben nach Größe. „Der britische Abenteurer wusste vom richtigen Maße bei knappen Ressourcen, knappem Kapital und knappem Personal“, resümiert Baumgartner.

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