




Herr Schauf, heutzutage soll ein Manager im Team arbeiten können, ein Organisationstalent sein und am besten noch vor Kreativität sprühen. Zeichnet das Ihrer Meinung nach einen guten Manager aus?
Schauf: Nein, auch wenn es gewünscht ist – so eine eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht bei Führungspersönlichkeiten. Ich kann aus einem Kreativen keinen Top-Projektmanager machen. Manager sollten ihre Stärken ausbauen und nicht zu viel Zeit darauf verwenden, ihre Schwächen auszugleichen. Das wird in Unternehmen häufig falsch gemacht.
Sie arbeiten mit einem Verfahren, das Abhilfe schaffen soll. Wie funktioniert das?
Es basiert vor allem auf einem Modell, das der amerikanische Psychologe David Keirsey entwickelt hat. Er unterscheidet grundsätzlich vier Managertypen: den Beschützer, den Künstler, den Rationalisten und den Idealisten. Jeder weiß nach dem Test, welchem Typ er am ehesten entspricht, welche Aufgaben ihm liegen und welche eher nicht.

Zum Beispiel?
Prozessplanung etwa ist eher was für Rationalisten, Künstlern liegt das weniger. Die wollen sich nicht hinsetzen und eine Woche lang ein Projekt planen.
Ach …
Klingt vielleicht banal. Aber ich höre einfach sehr oft: Oh ja, das hasse ich auch. Aber ich muss es immer machen.
Welchen Ausweg empfehlen Sie?
Auch wenn es im Unternehmen erwünscht ist super zu planen, gibt es trotzdem Leute, denen das nicht liegt. Wenn jemand größtenteils Dinge erledigen muss, die ihm nicht liegen oder keinen Spaß machen, ist es der falsche Job. Eigentlich muss jeder erst gucken, welcher Typ er ist und dann, welcher Job zu ihm passt. Ein Künstler ist einfach nicht der Typ, der im Außendienst die Akquise macht. Er sollte mit seinem kreativen Potential lieber Projektideen entwickeln.
Dass jeder den ganzen Tag nur das macht, wozu er hundertprozentig Lust hat, ist doch illusorisch. Richtig, irgendwann kommt in jedem Job der Punkt, wo man sich über sein Naturell hinwegsetzen muss. Ich hatte mal jemandem im Coaching, der hat gesagt: Ich hasse Menschen. Ich habe ihm geraten nicht authentisch zu sein und bei den Menschen den Anschein zu erwecken, dass er sich für sie interessiert – sonst hätte er kaum eine Chance auf eine Führungsposition gehabt. Auch wenn du ein Schwein bist, musst du effektiv führen können.