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MDax-Unternehmen Zukunftsfähige Vorstände sind Mangelware

Exklusiv
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Vorstände brauchen digitale Kompetenzen

Stephan Wegerer, der die Abteilung Innovationsmanagement bei der Adidas Group verantwortete, hält das für ein systemisches Problem. „Die Vorstände gehen nicht als Vorbild voran, sondern delegieren das Thema“, sagt Wegerer, der mittlerweile als Partner bei Weissman & Cie. familiengeführte klein- und mittelständische Unternehmen in den Bereichen Digitale Transformation, Trend-, Innovations- und Ideenmanagement sowie Business Innovation berät. Seine Erfahrung zum Umgang vieler Vorstände mit der Digitalisierung: „Im besten Fall holen sie einen jungen CDO an Board, der dann irgendwo in den tradierten Strukturen untergeht.“

Auf den CDO sollten Unternehmen laut Wink aber auch nicht allein ihre Hoffnungen setzen. "Den Messias gab es bisher noch nicht", sagt er. Zum einen sei von großer Bedeutung, welchen Bewegungsradius ein Unternehmen einem CDO zubilligt. Und zum anderen komme es darauf an, dass die Vorstände selbst einen gewissen Wagemut an den Tag legten, sich mit anderen Unternehmen vernetzen und bereit seien, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Digital-Manager ab in die erste Führungsriege

Grundsätzlich moniert Wegerer fehlende digitale Kompetenzen in den Vorständen. Die Mehrheit bestehe aus Diplom-Ingenieuren, Kaufleuten, Controllern und Betriebswirten jenseits der 50. Zwar habe das Alter nicht zwingend mit digitalen Fähigkeiten zu tun, so Wegerer. Aber wer nur noch wenige Jahre zu arbeiten habe, stelle nicht unbedingt noch einmal alles auf den Kopf.

Digitale Skills: Wie wichtig ist der sichere Umgang mit...?

Die Betriebe sollten jetzt allerdings nicht darauf warten, dass der alte Vorstand in den nächsten fünf bis zehn Jahren abdankt, um erst dann auf Digitalaffinität zu achten. „Unternehmen müssen Manager mit digitalen Kompetenzen ins Managementteam holen – und zwar so schnell wie möglich“, sagt er. „Wenn ich China als meinen Kernmarkt identifiziere, hole ich doch auch einen Experten für China ins Board, der dafür verantwortlich ist.“

Es würde ja auch merkwürdig wirken, wenn sich ausgerechnet im Vorstand niemand für das Kerngeschäft zuständig sieht. Dass in vielen Betrieben die Themen Unternehmensentwicklung, Strategie, IT oder Innovation keine Rolle zu spielen scheinen, verwirrt die Unternehmenslenker dagegen offenbar wenig. „Der Verantwortliche fürs Digitale muss auf die erste Führungsebene und nicht auf der zweiten, dritten oder noch weiter unten angesiedelt sein“, fordert Wegerer deshalb.

Was Top-Manager können sollten

Auch bei Korn Ferry ist man überzeugt, dass Vorstände digitale Kompetenzen brauchen. Unter diesem Begriff lässt sich natürlich alles und nichts definieren – von Programmierkenntnissen bis zu Offenheit gegenüber Social-Media-Kampagnen. Die Personalberatung Rochus Mummert Executive Consultants hat deshalb bei Eigentümern und Top-Managern deutscher Unternehmen nachgefragt, welche Fähigkeiten sie für besonders wichtig halten, um in Zukunft im Top-Management erfolgreich zu sein.



„Weder Vorstandschefs noch -mitglieder müssen heute IT-Spezialisten sein oder Code schreiben können“, sagt Wink. „Eins ist aber auch klar: Wer heute nicht grundsätzliches technisches Verständnis mitbringt, der wird es nicht nur immer schwerer haben, seinen Karriereweg zu gestalten.“

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