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Modernes Management Mitarbeiter wollen agil arbeiten – Unternehmen sind die Bremser

Alle reden vom agilen Arbeiten, nur wenige setzen es auch um. Quelle: imago images

Die Vorzüge moderner Arbeitsmethoden überzeugen viele Arbeitnehmer. Doch eine exklusive Studie zeigt auch: Bis sie diese Methoden auch in ihrem Alltag erleben werden, dürfte es noch dauern.

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Die Schlagworte der Managementliteratur haben bei Arbeitnehmern oft einen schweren Stand. Schließlich haben die meisten aus Erfahrung gelernt: Wenn der Chef von Dynamik spricht, meint er meist einfach nur mehr Arbeit. Und wo das Arbeitsumfeld offener werden soll, geht es in Wahrheit schlicht darum, Platz und damit Miete einzusparen. Beim „agilen Arbeiten“ aber ist es offenbar anders. Auch dieser Begriff ist längst zur Floskel von Managern geworden. Die Angestellten in Deutschland aber verbinden damit dennoch positive Erwartungen, wie eine neue Studie des Beratungsunternehmens Kienbaum in Zusammenarbeit mit dem Jobportal Stepstone zeigt, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt.

Für die Studie wurden rund 10.000 Fachkräfte und Führungspersönlichkeiten zu den verschiedenen Managementaspekten befragt, die sich hinter dem Begriff „Agiles Arbeiten“ verbergen. Das erstaunliche Ergebnis: Die meisten Mitarbeiter heißen zwar die Methoden gut, betrachten ihr eigenes Unternehmen bei der Umsetzung aber als ziemlich rückständig. So befürworten 61 Prozent der Befragten flache Hierarchien, nur ein Drittel von ihnen erkennt jedoch, dass diese in ihrem Unternehmen bereits Realität wären.

Diese Schere zwischen Wunsch und Wirklichkeit zeigt sich auch in der allgemeinen Frage nach der Anwendung „agiler Methoden“ im Unternehmensalltag: 36 Prozent der Fachkräfte finden das wichtig, umgesetzt wird es jedoch nur in neun Prozent der Unternehmen. Laut Sebastian Dettmers, Geschäftsführer von Stepstone und verantwortlich für die Studie, schaden sich die Unternehmen mit ihrer Verweigerung der von Mitarbeitern gewünschten agilen Strukturen selbst: „Wenn allein eine kleine Anzahl an Vorgesetzen Entscheidungen für die Mehrheit der Mitarbeiter trifft, macht das ein Unternehmen nicht nur langsam, sondern es gefährdet oft auch den Erfolg“, so Dettmers.

Doch es ist offenbar nicht nur die langsame Umsetzung, die Unternehmen beim agilen Arbeiten vor Probleme stellt. Vielfach hapert es schon an der Wahrnehmung: Während die Mitarbeiter sich mehr Agilität wünschen, denken die Vorgesetzten, dass sie längst Realität sei. So geben 52 Prozent der befragten Führungskräfte an, ihre Mitarbeiter oft oder sehr oft in die Entscheidungsfindung einzubinden. Bei den Mitarbeitern kommen jedoch nur 17 Prozent der Befragten zu dem Schluss, dass die Einbindung in diesem Maße stattfinde. Von den Führungskräften sagen sogar 71 Prozent, sie würden ihre Mitarbeiter motivieren, neue Ideen auszuprobieren – diese Einschätzung teilen nur 27 Prozent der Mitarbeiter. Ähnliches gilt für die Fehlerkultur: 63 Prozent der Führungskräfte vermitteln ihren Mitarbeitern nach eigener Einschätzung, dass das Unternehmen aus Fehlern viel lernen könne. Nur 20 Prozent der Mitarbeiter sehen es genauso.

So gilt für die positiv besetzten Managementfloskeln offenbar das gleiche wie für die negativ konnotierten: Alle Befragungen über Dinge, die sich nicht wie Quadratmeter oder Krankentage durch objektive Zahlen messen lassen, werden für Mitarbeiter zum Kanal, um die allgemeine Zufriedenheit mit der eigenen Arbeitssituation zu äußern. Und die ist in Deutschland offenbar nicht besonders hoch, wie die Studie zeigt.

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