Modernes Management Was erfolgreiche Unternehmen anders machen

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles will Arbeitsstress per Gesetz vermeiden. Das zeigt: Die Herausforderungen der Arbeitswelt sind in der Politik angekommen. Dabei gibt es schon längst bessere Lösungen.

Der beste Rat meines Lebens
Guter Rat ist teuer Quelle: WirtschaftsWoche Online
Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: In andrer Glück sein eignes findenIch war noch ein Junge, als mir mein Vater das Gedicht von Christoph Martin Wieland aufschrieb: „In andrer Glück sein eignes finden, ist dieses Lebens Seligkeit. Und andrer Menschen Wohlfahrt gründen, Schafft göttliche Zufriedenheit.“ Seine tiefe Weisheit hab ich erst in der Finanzkrise vollständig erfasst. Unternehmen haben eine gesellschaftliche Aufgabe: sozialen Mehrwert zu schaffen. Die erste Aufgabe von Managern ist es, Gewinn zu erwirtschaften. Aber nicht des Gewinnes selbst wegen, der ist nur Mittel zum Zweck, damit das Unternehmen wachsen und neue Produkte entwickeln, Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen – kurz Wohlfahrt gründen – kann. Quelle: dpa
Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner: Wenn du es eilig hast, nimm einen UmwegAls ich darüber grübelte, was wohl das richtige Studium wäre, um ein berühmter Journalist zu werden und mir mein gesamter Bekanntenkreis und alle Profis rieten, Publizistik zu studieren, fragte ich zur Sicherheit noch Artur Joseph, Journalist und väterlicher Freund meiner Mutter. Er sagte: „Es ist egal, was du studierst, nur ein Fach auf keinen Fall: Publizistik“. Ich war verwirrt: „Aber das ist doch der direkte Weg?“ „Und deshalb ist es falsch. Wenn du es eilig hast, mach einen Umweg“. Er fragte mich, worüber ich am liebsten schreibe. Ich studierte Musik, Literatur und Theater. Zwei Jahre später war ich freier Musikkritiker bei der FAZ. 20 Jahre später CEO von Axel Springer. Quelle: dpa
Henkel-Chef Kasper Rorsted: Mach es richtigMein Vater sagte mir schon als Teenager: Man kann als Schüler kein gutes Abitur machen, wenn man zehn Jahre in der Schule schläft, und auch an der Universität keinen guten Abschluss erzielen, wenn man erst kurz vor den Prüfungen anfängt, ernsthaft zu arbeiten. So ist es auch im Geschäftsleben. Es wird kein erfolgreiches Geschäftsjahr geben, wenn schon die ersten zwei Quartale schlecht gelaufen sind. Wenn man sich entschieden hat, etwas zu tun, dann natürlich auch richtig. Quelle: dpa
Allianz-Chef Michael Diekmann: Eine kleine Lüge wird immer größer„Eine kleine Lüge wird immer größer“, das war der beste Rat, den ich bekommen habe. Immer wieder habe ich erlebt, dass Unwahrheiten ihren Schöpfer einholen und womöglich übermannen. Deshalb rate ich zur Aufrichtigkeit. Nicht nur privat; beruflich erst recht. Ich finde es künstlich, die zwei Bereiche unter diesem Aspekt zu unterscheiden. Wenn ich beruflich handle, tue ich dies als Person. Quelle: dpa
UBS-Chef Sergio Ermotti: Der beste Rat ist der, den man sich holtFragen Sie andere um Rat, wenn Sie nicht weiterwissen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, im Gegenteil. Aber wählen Sie Ihre Berater sorgfältig aus. Und messen Sie die Qualität der Ratschläge stets daran, ob und wie gut diese auf Ihre eigenen Bedürfnisse und Ziele zugeschnitten sind. Dies zu beurteilen kann Ihnen kein Berater abnehmen. Quelle: REUTERS
Unternehmer Reinhold Würth: Von der Pike auf lernenDer beste Rat meines Lebens war die Entscheidung meines Vaters, mich nach den acht Pflichtschuljahren von der Schule zu nehmen und mich als ersten Lehrling in seinem Unternehmen zu beschäftigen. Noch heute, 64 Jahre später, bin ich meinem Vater dafür dankbar, denn über die Lehrzeit hinaus konnte ich noch zwei weitere Jahre bis zu seinem Tod mit ihm zusammen arbeiten. Dadurch war ich wohlgerüstet, die kleine, solide Schraubengroßhandlung mit zwei Mitarbeitern weiterführen zu können und wachsen zu sehen bis zu einer Unternehmensgruppe mit zehn Milliarden Euro Umsatz. Quelle: dpa
Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen: Keine Angst vor VeränderungenIn Veränderungen sollte man eine Chance sehen, diese Welt und die Zukunft mitgestalten zu können. Denn Zukunft geschieht nicht von allein: Jeder Einzelne ist Teil der Zukunft. Wer davor Angst hat, wird in unserer schnelllebigen Zeit keine Chance haben. Technischer Fortschritt und gesellschaftlicher Wandel in einer äußerst kompetitiven Umgebung erlauben keinen Müßiggang. Quelle: dpa
Rewe-Chef Alain Caparros: Kleiner Rat mit großer WirkungWenn man mich nach dem besten Rat fragt, den ich in meinem Berufsleben bekommen habe, fällt mir der frühere Chef der Metro-Gruppe, Hans-Joachim Körber, ein. Ich war vor vielen Jahren Chef der Schweizer Bon-Appétit-Gruppe und hatte den Auftrag, dieses Handelsunternehmen zu verkaufen. Körber gab mir den Rat, mich an Hans Reischl zu wenden, der damals Chef der Kölner Rewe-Gruppe war. Tatsächlich konnte ich 2003 die Bon-Appétit-Gruppe an Rewe verkaufen – aber Reischl war sehr schlau und hat dem Verkauf nur unter der Bedingung zugestimmt, dass ich mit zu Rewe komme. Ohne diesen Deal wäre ich damals nicht bei Rewe und wahrscheinlich nie an der Spitze gelandet. Quelle: dpa
Novartis-Chef Joseph Jimenez: Karrieren müssen nicht geradlinig verlaufenDer beste Rat, den ich je erhielt, war, mich dem gängigen Drang nach einem geradlinigen Karriereweg zu verweigern. Damals war ich als Produktmanager für eine bekannte Marke verantwortlich, die rund 300 Millionen Dollar erwirtschaftete. Ich dachte, in meiner weiteren Laufbahn immer größere Marken zu führen. Es war deshalb ein Schock, als ich eines Tages eine unbekannte Marke übernehmen sollte. Doch bald wurde mir klar, dass dieser Job hohe Ansprüche stellt. Durch diesen Sprung ins kalte Wasser überdachte ich meine Karrierevorstellungen. Und anstatt dem geradlinigen Weg zu folgen, baute ich mir eine wirklich persönliche Karriere auf. Quelle: AP
Deutsche-Telekom-Vorstand Marion Schick: Überlegen Sie sich, wofür Sie kämpfenMeine Lebenserfahrung ist: Kompromisse gehören zum Leben, aber man darf sich zu nichts zwingen lassen, was den tiefsten Überzeugungen widerspricht. Überlegen Sie gut, wofür Sie kämpfen und wofür nicht. Quelle: dapd
Unternehmensberater Roland Berger: Stehen Sie dem Zufall offen gegenüberDie besten Chancen ergeben sich unerwartet oder sind erst auf den zweiten Blick als solche zu erkennen. Während meines BWL-Studiums baute ich eine erfolgreiche Wäscherei auf, aber mir war klar, dass ich nicht als „Wäscherei-Millionär“ enden wollte. Bei einer Seminararbeit entdeckte ich den Beruf des Unternehmensberaters, der mich gleich faszinierte. Aber damals war der Job hierzulande noch völlig unbekannt. Eines Tages sagt mir eine Stammkundin der Wäscherei, dass ihr Sohn für eine italienisch-amerikanische Unternehmensberatung in Mailand arbeite. Ich schaffte es dort binnen fünf Jahre zum Partner und gründete 1967 meine eigene Firma. Quelle: REUTERS
Continental-Vorstand Elke Strathmann: Raus aus der KomfortzoneMein Rat lautet: Raus aus der Komfortzone! Denn wer sich immer wieder in neue Themenfelder wagt, den Weg ins Ausland nicht scheut und neue Kulturen und Sprachen lernt, bewegt sich kontinuierlich vorwärts. Menschen mit Profil sind gefragt, denn Fortschritt beginnt damit, Bestehendes zu hinterfragen. Ja-Sager sind deutlich bequemer als Warum-Frager, aber nur Letztere erzielen Wirkung. Wer die Komfortzone verlässt, ist bereit Fehler zu machen und daraus zu lernen. Ich habe im Laufe meiner Karriere einige Fehler gemacht und bin mir sicher, dass ich dadurch gewachsen und besser geworden bin.
Ex-Morgan-Stanley-Chef Lutz Raettig: Erst denken, dann handelnDieser Spruch hing an der Wand des Büros meine Vaters. Ich habe den Spruch schon in jungen Jahren gelesen, doch nicht gleich verstanden. Heute ist die genannte Handlungsmaxime wichtiger denn je. Es ist nämlich sehr verlockend, durch Schnellschüsse wirtschaftlichen, politischen oder geschäftlichen Druck kurzfristig zu lindern – aber eben auch möglicherweise fatal. Das Befolgen des Prinzips „Erst denken, dann handeln“ führt eher zu richtigen Entscheidungen. Quelle: dpa Picture-Alliance
Mövenpick-Chef Guido Egli: Lernen Sie FremdsprachenDer beste Rat für meine berufliche Karriere kam von meinem Vater. Er riet mir, schon in recht jungen Jahren möglichst viele Fremdsprachen zu lernen. Dabei legte er großen Wert darauf, dass ich die Sprache nicht in Schulen oder aus Büchern lernte, sondern vor Ort. So verbrachte ich einen Teil meiner Studienzeit in unterschiedlichen Ländern. Diese so erworbenen Fähigkeiten haben mir in meinem Berufsleben immer wieder geholfen. Quelle: PR
Uhrenchef des Luxus-Konzern LVMH Jean-Claude Biver: Die Spur des LebensIn den 1960er Jahren war ich Teil der Hippie-Bewegung. Dies trug maßgeblich dazu bei, dass ich mich fragte: Weshalb lebe ich? Eines Tages im Jahr 1968 riet mir mein bester Freund, mir Gedanken darüber zu machen, welche Spur ich hinterlassen möchte. Das Nachdenken über diese Frage, führte mich zu der Erkenntnis, dass ich zwei Spuren hinterlassen möchte: erstens eine Liebesspur und zweitens eine Kompetenzspur. Diese zwei übergeordneten Ziele haben von diesem Tag an mein ganzes Leben geprägt, und ich werde bis zu meinem letzten Atemzug versuchen, diese zwei Spuren zu ziehen. Quelle: dpa Picture-Alliance
Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes: Visitenkarten erteilen keine Autorität„Autorität wird nicht über die Visitenkarte verliehen. Autorität erwirbt man sich durch ausgezeichnete fachliche und persönliche Führungsqualitäten“. Diesen Rat hat Eberhard von Kuenheim, ehemaliger BMW-Chef, seinen „Oberen Führungskräften“ mitgegeben. Ich war damals einer der Jüngsten in dem Kreis. Quelle: dpa Picture-Alliance
Fresenius-Medical-Care-Chef Rice Powell: Respektiere andere SichtweisenIch weiß, das ist durchaus konventionell und vielleicht sogar trivial, aber meine Eltern haben auf mich einen größeren Einfluss gehabt als jeder andere. Ich war eigentlich kein sonderlich eigensinniges Kind, aber sie haben mir trotzdem immer wieder eingebläut, dass ich mir die Meinung anderer Person anhören- und diese beachten soll – egal ob ich mich dann dieser Meinung anschließe oder nicht. Quelle: dpa Picture-Alliance

Viele Unternehmen, die heute die Weltmärkte erobern, sind erfolgreich, weil sie ihre Zusammenarbeit moderner gestalten. Ihre Arbeitsweisen könnten auch anderswo segensreich wirken - wenn sie bekannter wären. Gemessen daran, was wir über eine leistungsfähige Arbeitskultur wissen könnten, organisieren wir uns im Arbeitsalltag meist kaum besser als in der Frühzeit der Industrialisierung. Schon merkwürdig. Denn es ist längst vielfach bekannt und wissenschaftlich bestens fundiert, was Menschen brauchen, um gerne viel zu leisten, und wie Führungskräfte begeisternde Zusammenarbeit fördern können.

Erstens sind Menschen von Natur aus motiviert, sinnvolle Aufgaben eigenverantwortlich anzugehen. Das heißt aber auch: Boni und Leistungsanreize sind meist wirkungslos und entwerten geradezu das angestrebte Ergebnis.

Zweitens finden Menschen in echter Gemeinschaft Schritt für Schritt viel leistungsfähigere Lösungen für komplexe Herausforderungen, als wenn nur wenige denken - und der Rest deren Pläne umsetzt.

Und drittens gilt: Wenn die Grundbedürfnisse gedeckt sind, engagieren Menschen sich auf Dauer viel intensiver für gemeinsame Anliegen als nur für persönliche Vorteile.

Wollen wir solche Erkenntnisse im Arbeitsalltag wirklich auf Dauer ignorieren?  Nein, sagen immer mehr Unternehmen. Stattdessen suchen sie nach neuen Wegen der Zusammenarbeit, um zu führen und zu kommunizieren.

Die großen Karriere-Irrtümer

Sie hinterfragen die bisherigen Grundwerte und Strukturen. Und sie wollen beweglicher werden. Innovativer. Authentischer. Menschlicher. Und damit letztendlich wettbewerbsfähiger und leistungsfähiger.

Es sind keinesfalls nur die exotischen "Start-Ups", "Apples" und "Googles" dieser Welt, die neue Wege gehen: Etwa ein börsennotierter Energiekonzern, der die Jahresbudgets abschafft. Ein großes führendes Ingenieurbüro, in dem die Mitarbeiter Jobtitel und Tätigkeit selber wählen.  Ein mittelständischer Weltmarktführer, in dem die Führungskräfte die Arbeiter unterstützen statt umgekehrt. Ein Großkonzern, der aktiv den Mut zu heiklen Dialogen fördert.

Sie alle sind erfolgreich. Gerade weil sie so arbeiten, nicht trotzdem. Denn Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten fühlen sich bei ihnen wohl.

Ansteckende Beispiele

Solche Beispiele stecken an: Wer einmal in einer solchen Umgebung gespürt hat, was es bedeutet, sich entfalten und vertrauen zu können, statt in ständiger Absicherung, Fehlervermeidung, unternehmensinterner Politik und Dienst nach Vorschrift zu erstarren - der will nicht mehr zurück. Er will mehr. Mehr hinzulernen, den Weg stärken und weitergehen.

Jeder solche Weg der Veränderung ist individuell. Aber kein Unternehmen muss jeden seiner Schritte selbst neu erfinden. Längst sind in den Pionierunternehmen wiederholbare Muster erkennbar, die sich regelmäßig bewähren und damit auch an anderen Orten nützlich sein können.

Über den Autor

Dazu gehört zum Beispiel Design Thinking, das Mitarbeiter unter anderem bei Audi, BMW, SAP, Telekom und der Swisscom systematisch dabei fördert, ernsthaft in die Gefühlswelt der Kunden einzutauchen. So entwickeln sie intuitiv Lösungen, die sie weit mehr begeistern als technische Raffinessen vom Reißbrett.

Oder agile Herangehensweisen wie Scrum, auf die jedes Jahr tausende Führungskräfte und Mitarbeiter geschult werden. Agile Organisationen tasten sich gemeinsam mit allen Beteiligten schrittweise an komplexe Lösungen und Endprodukte heran. Das ist besser, als wenn nur wenige planen und der Rest bloß umsetzt. Ein weiterer Vorteil: Egal ob Softwarekonzern oder Automobilzulieferer - sie sind wesentlich schneller, günstiger und vor allem marktnäher als mit klassischen, zentralistischen Planungsprozessen per Vorgabe und Lastenheft.

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