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Motivation und Antrieb „Unternehmer sollten sich ihren Gott gut aussuchen“

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Essenziell für den erfolgreichen Unternehmer?

Gibt es eine Art Monomanie, die essenziell zum erfolgreichen Unternehmer gehört?
Ja: Das Produkt verbessern. Die Abläufe verbessern. Den Konkurrenten schluchzen lassen. Die Kunden glücklich machen. Heute immer öfter auch: Die Welt wieder grüner machen, vielfältiger, und das menschliche Produktions- und Konsummodell nachhaltig - bei eigenen schwarzen Zahlen. Solche Interessen können monomanisch werden, das heißt: man interessiert sich dann für anderes nicht mehr, zum Beispiel für eine echte sportliche Aufarbeitung der Fußball-WM 2018 durch den DFB.

Verbindet sich diese Monomanie bei den Aposteln des digitalen Kapitalismus mit einer fanatischen Technikgläubigkeit, die an die Grenzen des Möglichen und über sie hinaus geht?
Die Grenzen des Möglichen kennen wir alle nicht. Wer von den Digitalen sagt: Wir werden ewig leben und laden unsere Persönlichkeit später auf ein schwimm- und flugfähiges Auto mit Allradantrieb herunter, der ist aus der Pubertät nicht herausgekommen, was aber natürlich sympathisch sein kann. Die Technik wird noch viele Lösungen bringen - erlösen wird sie uns nicht. Die Kant‘schen Fragen bleiben: Was kann ich wissen? Was darf ich hoffen? Was soll ich tun? Die müssen wir selber beantworten, die Antwort darauf ist jedenfalls nicht „42“ wie bei „Per Anhalter durch die Galaxis“. 

Steckt hinter dieser Besessenheit womöglich der Traum vom Übermenschen, der sich selber zum Schöpfergott macht?
Das lässt sich nur von Fall zu Fall sagen. Manche halten den Homo Deus für eine wahrscheinliche Entwicklung, ohne sich an der Vorstellung zu berauschen. Andere haben keine Ahnung, fühlen sich aber schon so - das sind dann eher die pathologischen Fälle.

Ein klassischer Fall von Hybris, die sich wunderbar mit Besessenheit verträgt?
Da fielen mir vor allem Beispiele aus der Politik ein. 

Der Springer-Chef Mathias Döpfner hat Steve Jobs als einen Unternehmer beschrieben, den man eher als besessenen Künstler denn als klassischen Kapitalisten verstehen müsse - eine Stilisierung oder eine treffende Charakterisierung des Unternehmer-Genies? 
Steve Jobs und seine Designer (mit Verbeugung in Richtung Braun) und Techniker haben den Menschen etwas gegeben, das überraschend neu und schön und nützlich war, anmutig geradezu, und verblüffend. Sie haben eine Plattform geschaffen für Ideen und Anwendungen - das Telefon als Taschenlampe, als Taschenspiegel, als Taschenklavier, und und und… Vermutlich war Steve Jobs beides, ein genialer Künstler und ein exzellenter Unternehmer. Er hat die künstlerische und unternehmerische Gewinnformel schlechthin verwirklicht: Ich mache Euch glücklich, und Ihr macht mich reich.

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