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Motivationsbullshit, Teil 3 Wir sind das Produkt eigener Entscheidungen? Träum weiter!

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Die Freiheit guter Entscheidungen

Der wahre Kern

Die schiere Realität des Lebens auf diesem Planeten kann einen schon ein wenig verrückt machen. Es gibt so viele Dinge, die wir nicht kontrollieren können. Der Autor des Beitrags schreibt diese Zeilen beispielweise gerade in einem, wie so häufig, verspäteten ICE nach Berlin. Doch das ist tatsächlich nur ein winziges Betrübnis angesichts der bösen Überraschungen, die das Leben für uns theoretisch bereithalten kann. In diesem Sinne scheint es Zeichen von psychischer Gesundheit zu sein, wenn wir unsere Handlungsmöglichkeiten, unsere Chancen, unseren Einfluss auf das, was uns tagtäglich geschieht, systematisch ein gutes Stück weit überschätzen.

Dies ist nicht einfach nur so dahergesagt: Es liegen Forschungsarbeiten vor, aus denen sich ableiten lässt, dass Menschen, die an einer akuten depressiven Episode leiden, die Welt und die Risiken darin realistischer einschätzen, als Menschen ohne psychische Beeinträchtigung. Ob übertriebener Realismus krank ursächlich macht oder eher eine Begleiterscheinung darstellt, ist an dieser Stelle nebensächlich. Was bleibt: es ist normal, unser Leben durch eine leicht-rosa Brille zu betrachten, alles andere ist offenbar nur schwer erträglich.

Fazit

Dem schottischen Schriftsteller Robert Louis Stevenson wird das folgende Zitat zugeschrieben: „Es geht im Leben nicht darum, gute Karten zu haben, sondern mit einem schlechten Blatt ein gutes Spiel zu machen.“ Dem ist nicht viel entgegen zu setzen. Wer sich allerdings darin übt, seine Stärken und Schwächen zu erkennen, die Gunst der Stunde zu achten, oder zu verstehen, dass kein Mensch eine Insel ist, der wird möglicherweise besser als andere erkennen, welche Spiele überhaupt vielversprechend und lohnenswert sind. Ein Teil des Erwachsenwerdens und der weiteren persönlichen Reifung liegt darin, die Beschränktheit unserer menschlichen Existenz und das Eingebundensein in größere Kontexte zu erkennen und auch anzuerkennen. Gerade darin liegt die Freiheit, die wirklich gute Entscheidungen erst ermöglicht.

Wertung

3,5 von 10 Bullshit-Punkten

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