Nachhaltigkeit contra Schnelligkeit "Unternehmen müssen Nutzen stiften“

Unternehmen müssen sich immer schneller anpassen, sonst sind sie weg vom Markt. Der Philosoph und Unternehmer Friedrich Glauner hält dies für ein Modell der destruktiven Wohlstandsmehrung. Er rät zu mehr Nachhaltigkeit.

Philosoph und Unternehmer Friedrich Glauner ist überzeugt: Im Wettlauf um das beste disruptive Geschäftsmodell verlieren alle. Quelle: Fotolia

WirtschaftsWoche: Wie sorgen Unternehmen Ihrer Meinung nach in einer volatilen, unsicheren und komplexen Welt dafür, nicht von einem Start-up aus dem Geschäft gedrängt zu werden?
Friedrich Glauner: Dadurch, dass sie die heute geltenden Spielregeln ändern. Im derzeitigen Wettlauf um die besten disruptiven Geschäftsmodelle und Unternehmenskonzepte, die die bestehende Geschäftslogik ersetzen und zu „Sieger-gewinnen-alles“-Märkten führen, verlieren auf längere Sicht nämlich alle Unternehmen.


Inwiefern?
Die Gewinner, die wie Uber oder Amazon, komplette Märkte dominieren, treiben die Abwärtsspirale aus Konzentration, Preisdruck und Ressourcenraubbau voran. Es kommt zu immer größeren Chancen und Wohlstand – aber nur für einige Wenige. Nämlich den sogenannten Einhörnern, also den Milliarden schweren Start-ups. Gleichzeitig fällt eine breite Basis von bestehenden Unternehmensmodellen einfach weg. Folgen dieser Entwicklung sind eine Zunahme der Ungleichheit und gesellschaftliche Verwerfungen, wie wir sie im Amerika von Donald Trump oder bei den Brexitiers sehen können.

Zur Person

Was sollen Unternehmen also tun, um nicht unterzugehen, diese Spirale aber auch nicht weiter zu befeuern?
Wie gesagt, sie müssen die Spielregeln ändern. Die des Marktes und ihre eigenen. Unternehmen müssen aus ihrem Antrieb überleben zu wollen, Geschäftsmodelle entwickeln, die diese Abwärtsspirale durchbrechen, indem sie die Marktteilhabe vieler ermöglichen und Mehrwert für alle schaffen. Nicht nur für die Aktionäre.


Sprich: Nachhaltigkeit geht vor kurzfristiger Gewinnmaximierung?
Langfristig geführte Unternehmen stehen in der Regel sogar wirtschaftlich besser da, als andere. Unternehmen wie Hilti, Hipp oder auch Interface und Icebreaker sind hier Beispiele. Sie haben Geschäftsmodelle entwickelt, die den Gegensatz von Profiten und Werten aufheben. Dadurch, dass sie in den Gesetzmäßigkeiten der Natur und der Ökologie denken und handeln, entsteht Wohlstand für alle und nicht nur für Wenige.

Trotzdem: Die Welt dreht sich immer schneller. Ist da eine langfristige Planung nicht tödlich?
Früher haben Unternehmen eine ganz klassische Planung mit einer Perspektive von sieben Jahren gemacht. Heute müssen sie sich ständig verändern, sollen sich dauernd überprüfen. Erfolgreiche Strategien setzen aber nicht an den Veränderungen an, die die Märkte von heute prägen, etwa dem technologischen Fortschritt oder der globalen Beschleunigung und Entgrenzung aller Prozesse und Märkte. Wer auf diese Dynamik nur reagiert, hechelt immer nur den kurzfristig sich abzeichnenden Veränderungen hinterher. Dieses System aus Aktion und Reaktion muss früher oder später kollabieren.

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