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Neue Studie Umstrittene Branchen zahlen höhere Gehälter

Hohes Gehalt: Ethisch fragwürdige Branchen zahlen besonders gut Quelle: imago

Alkohol, Waffen, Tabak: Auch ethisch fragwürdige Branchen brauchen neue Talente. Laut einer aktuellen Studie zahlen sie ihren Managern dafür überdurchschnittlich hohe Gehälter.

Fragt man Studenten, wo sie nach dem Abschluss gerne arbeiten würden, sind die Antworten immer gleich: Angehende Informatiker wollen zu Google, IBM oder SAP, Ingenieure zu Audi oder BMW, Naturwissenschaftler zum Max-Planck-Institut. 

Unternehmen aus der Rüstungsindustrie, Tabak-, Waffen- oder Spirituosenhersteller landen in den Beliebtheitsrankings der Absolventen selten vorne. Kein Wunder: Kaum ein Student denkt bei der Karriereplanung an Munition oder Zigaretten.

Stattdessen stellt vor allem die aktuelle Absolventengeneration moralische Ansprüche an ihren künftigen Arbeitgeber. Er soll nachhaltig wirtschaften, fair beschäftigen und sich sozial engagieren. Daher ignorieren viele High Potentials jene Unternehmen, die ihr Geld mit tödlichen Waffen oder tödlichen Stoffen verdienen, was wiederum deren Personalsuche erschwert. Und das wissen anscheinend auch die betroffenen Arbeitgeber – denn sie zahlen ihren Führungskräften überdurchschnittliche hohe Gehälter. 

Zu diesem Ergebnis kommen zumindest Jiri Novak (Karls-Universität in Prag) und Pawel Bilinski (Cass Business School in London). In ihrer neuen Studie, die im November im Fachjournal Journal of Banking & Finance erscheint, verglichen sie die Gehälter von 5775 Topmanagern aus 2050 Unternehmen zwischen 1992 und 2012. Darunter waren auch Einkommenssätze von 220 Managern aus der Tabakindustrie, 473 aus der Glücksspielbranche und 393 von Alkoholherstellern. 
Insgesamt verdienten alle Führungskräfte im Schnitt 1,18 Millionen Dollar. Doch die Topmanager in der Tabak-, Alkohol- und Glücksspielbranche kamen hingegen auf 1,9 Millionen Dollar. Offensichtlich gab es gewissermaßen einen Bonus für die Arbeit beim schlecht beleumundeten Unternehmen. 

Doch die dortige Anstellung hatte einen weiteren Preis, und zwar wortwörtlich: Zwar verdienten die Manager mehr als ihre Kollegen in vergleichbaren Positionen. Allerdings hielten sie im Schnitt auch 14 Prozent weniger Mandate in anderen Aufsichtsräten – und wenn, dann waren sie mit größerer Wahrscheinlichkeit Kontrolleur in einem kleineren Unternehmen. Anscheinend wollten sich andere Großunternehmen nur ungerne mit ihnen schmücken.

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