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Perfektionismus Gut reicht vollkommen

Sie sind ehrgeizig? Gut. Sie sind Perfektionist? Schlecht. Denn Perfektionismus schränkt ein - und macht mitunter sogar krank. Ein Plädoyer für mehr Mut zum Unperfekten.

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6. Das VeränderungsmodellDas besagt diese Theorie: Auftauen, verändern, wieder einfrieren - das ist das Motto dieser Theorie. Kurt Lewin vergleicht sein Modell mit einem Eiswürfel, den man in einen Eiskegel verwandelt. Nach seiner Argumentation motiviert man durch den dreistufigen Prozess die Menschen dazu, dass sie den Wandel wollen. So wenden Sie diese Theorie an: Seien Sie sich darüber im Klaren, welche Veränderungen Sie vornehmen wollen und warum sie nötig sind. Danach steht die Gewinnung von Unterstützung im Mittelpunkt. Dabei heißt es geschickt sein: Diejenigen, die für das Geld zuständig sind, wollen finanzielle Gewinne sehen. Die Personalabteilung dagegen fordert positive Auswirkungen auf die Mitarbeiter. Aber unterschätzen Sie nicht die Macht der Kollegen: Sie müssen die Vorteile der Veränderung verstehen - das ist entscheidend für den Erfolg. Quelle: dpa
Umfangreiche Aufgaben ganz klein machen Quelle: Fotolia
Ausbeuterischer Arbeitgeber Quelle: Fotolia
Konkurrenzkultur Quelle: Fotolia
Soziale Vereinsamung Quelle: Fotolia
Zu wenig Freizeitaktivität Quelle: dpa
Grenzenlose Arbeit Quelle: dpa

Je bekannter jemand ist, desto öfter wird er nach Erfolgsgeheimnissen gefragt. Sandra Bullock ist eine der berühmtesten Schauspielerinnen der Welt, daher muss sie häufig darüber Auskunft geben: „Solange ich das Gefühl habe, mein Bestes zu geben, bin ich damit zufrieden", sagte die 49-Jährige kürzlich. „Früher wollte ich perfekt sein, aber damit macht man sich kaputt.“

Die Aussage mag überspitzt sein, doch sie hat einen wahren Kern.

Schon merkwürdig: Das Wort „perfekt“ geht zurück auf das lateinische Verb „perficere“, was so viel heißt wie „vollenden“. Heute hingegen assoziieren Menschen damit vor allem etwas Makelloses, Einwandfreies, Vollkommenes. Daher brüsten sich erfolgreiche Menschen gerne mit Perfektionismus – egal ob Politiker, Manager, Sportler oder Künstler. Damit wollen sie ihren Ehrgeiz verdeutlichen; den Eindruck erwecken, stets alles unter Kontrolle und im Griff zu haben. Und sich vielleicht auch das Image des Überfliegers verleihen, dem das Beste gerade gut genug ist.

Besonders hierzulande ist diese Attitüde weit verbreitet. „In den USA freuen sich alle, wenn ein Projekt zu 80 Prozent gelungen ist“, sagte vor einigen Jahren Bayer-Chef Marijn Dekkers. „Wenn dagegen in Deutschland ein Projekt 98 Prozent erreicht, fragen sich alle noch, woran es bei den restlichen zwei Prozent hakt.“ Wer das Haar sucht, dem entgeht die Suppe.

Damit deutete der gebürtige Niederländer bereits das Problem der Perfektionisten an. Sie sind nicht erfolgreicher. Im Gegenteil.

Zugegeben, es gibt Berufe, in denen jeder noch so kleine Fehler fatale Folgen hat. Wer sich unters Messer legt, hofft darauf, dass sein Chirurg nicht den kleinsten Fehler macht. Niemand will ein Auto fahren, dessen Ingenieur bei der Konstruktion der Bremsen geschlampt hat. Oder sich in ein Flugzeug setzen, dessen Pilot es bei der Landung nicht ganz so genau nimmt.

Doch immer wenn es nicht um Leben und Tod geht, ist Perfektionismus problematisch und hinderlich. Für die Produktivität und Kreativität, aber auch für die eigene Gesundheit und Zufriedenheit.

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