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Personalien 2017 Wer geht, wer kommt, wer bleibt

Was sich in den Führungsetagen der deutschen Konzerne ändert, wer sich in Position bringt.

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Wer geht, wer kommt, wer bleibt
Claudia Nemat, 48, wird ab Januar 2017 Vorstand Technologie und Innovationen. Lächeln, lächeln, immer nur lächeln – auch wenn die Last auf den Schultern immer schwerer wird. Die optimistische Grundeinstellung braucht Nemat in ihrem neuen Job. Zum ersten Mal zieht Konzernchef Tim Höttges alle wichtigen Zukunftsthemen rund um Netze, Innovationen und IT-Systeme zusammen und legt diese Aufgabe in die Hände der einzigen Frau im Vorstand. Die Physikerin übernimmt eine Aufgabe, an der schon viele Vorgänger gescheitert sind. Sie soll eine Fabrik für alle europäischen Landesgesellschaften bauen, die quasi auf Knopfdruck und ohne monatelange Anpassungsprozesse neue Produkte und Tarife auf den Markt wirft. Neue Geschäftsfelder wie das autonome Fahren funktionieren nur, wenn Mobilfunk, Festnetz und IT-Systeme absolut sicher aufeinander abgestimmt sind. In einer durch Hackerangriffe, Netzausfälle und Softwarepannen zunehmend labilen Digitalwelt ist das ein schwer lösbares Unterfangen. Die vollständige Übersicht mit den wichtigen Personalien 2017 finden Sie hier. Digitalpasskunden lesen kostenlos.Quelle: Kienbaum Quelle: dapd
Dieter Zetsche Quelle: REUTERS
Matthias Müller, 63, hat einen Vertrag, der noch bis 2020 läuft. Der Wunsch nach einem Schlussstrich unter den Dieselskandal ist im VW-Vorstand allgegenwärtig. „Wir haben die Zukunft zu gestalten statt Kriminalromane aus der Vergangenheit zu studieren“, meint Entwicklungschef Ulrich Eichhorn. Dabei ist der Krimi bestenfalls ein unfertiges Manuskript, weder Ausmaße der Vergehen noch Täter sind bekannt. Dass sich die oberen VW-Manager unverändert widerspenstig bei der Aufklärung anstellen, erhöht ihre Chancen auf dauerhafte Weiterbeschäftigung kaum. Müller selbst beschimpfte im November sogar öffentlich seine Kunden, die sich erdreisteten, wegen der Abgasaffäre auf Schadensersatz zu hoffen. Seine eigene Rolle bleibt ebenso wie die einiger Vorstandskollegen bis auf Weiteres nebulös. Als langjährige Produktverantwortliche im Konzern könnten sie von Manipulationen gewusst haben, sie mussten es aber nicht. Ermittler und Kläger werden keine Ruhe geben, bis sich dieser Nebel gelichtet hat. Wird der Druck zu groß, kommt selbst der nibelungentreue Aufsichtsrat von VW nicht um einen Neuanfang herum – ohne Müller. Quelle: dpa
Burkhard Lohr (rechts), 53, ab Mai 2017 Vorstandsvorsitzender, ist Hobbyleichtathlet und wird einen schnellen Start hinlegen müssen, wenn er den Vorstandsposten bei K+S von seinem Vorgänger Norbert Steiner übernimmt. Denn bei dem Rohstoffkonzern brennt es derzeit sprichwörtlich an allen Ecken: Nach einem Brand in einer Untertagedeponie des Kalibergwerks Werra hat ein weiteres Feuer im November einen ganzen Standort des Werks vorübergehend stillgelegt. Schwerer wiegt der Sinkflug des Kalipreises, der K+S in diesem Jahr sogar aus dem Dax katapultiert hat. Der Betriebswirt und derzeitige K+S-Finanzvorstand Lohr zeigte sich schon als Finanzvorstand bei Hochtief als unkomplizierter Teamplayer mit Durchsetzungsstärke. Norbert Steiner (links), 62, Vorstandsvorsitzender, bis Mai 2017 Quelle: dpa
Angela Titzrath, 50, ist eher Landratte als Seebär. Das „Kind des Ruhrgebiets“ hatte mit der Schifffahrt vor ihrem Antritt als Chefin der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) im Januar nichts zu tun. Ihre Karriere machte die 50-Jährige bei Daimler und als Personalvorstand bei der Deutschen Post. Aktionäre der „Hala“, wie das Unternehmen in Hamburg genannt wird, empfahlen der Managerin auf der Hauptversammlung erst mal eine Hafenrundfahrt. Mittlerweile hat sie sich Grundwissen erarbeitet und bereits einen Spaziergang in 70 Meter Höhe über eine Containerbrücke absolviert. Titzrath braucht Mut: Immer weniger Schiffe steuern den Hafen an, Hamburg verliert seinen Status als Tor zur Welt. Neue Geschäftsfelder muss die HHLA im Ausland suchen. Internationalität ist Titzraths Stärke. Sie hat in Italien und Portugal studiert, arbeitete für Daimler in Kanada, den USA und Spanien und spricht sechs Sprachen. Quelle: dpa
Alexander Birken, 52, wirkt nicht unbedingt wie ein Paradevertreter der Spezies Homo Digitalis. Vier Kinder, Auftritt vorzugsweise im dunklen Businessanzug. Dennoch hat er sich im Kreis der hanseatischen Kaufmannsfamilie Otto den Ruf eines digitalen Beschleunigers erarbeitet. Folgerichtig entert er ab Januar den Chefposten des Otto-Konzerns. Vorgänger Hans-Otto Schrader hatte sich dort emsig ums Kulturwandeln bemüht, inklusive Duz-Offensive. „Alex“ muss das Werk vollenden und dem schwergängigen Traditionskonglomerat Start-up-Spirit einhauchen. Ziel: Angreifern von Amazon bis Zalando Paroli zu bieten. Quelle: dpa
Thomas Winkelmann, 57, Vorstandsvorsitzender, ab Februar 2017, bringt seine überraschende Berufung nicht aus der Ruhe. Der gebürtige Westfale startete wie geplant mit Familie in den Florida-Urlaub. Jetzt rätselt die Branche, was hinter seinem Wechsel von der Lufthansa an die Spitze der Hauptstadtlinie steckt. Soll er als ehemaliger Leiter der Lufthansa-Billigtochter Eurowings Air Berlin wirklich sanieren? Wahrscheinlicher: Er muss den von ihm lange spöttisch „Rot-Weiß Berlin“ genannten Rivalen so lange in der Luft halten, bis Lufthansa ihn in Ruhe übernehmen kann. Quelle: dpa

Alle sechs Jahre wechseln deutsche Aktiengesellschaften im Durchschnitt ihren Vorstandschef. Herbert Hainer hat bei Adidas mehr als doppelt so lange durchgehalten. Im Oktober 2016, nach mehr als 15 Jahren an der Spitze des fränkischen Sportartikelherstellers, hat er den Stab an Kasper Rorsted übergeben, der von Henkel kam. 2017 räumt ein weiterer Topmanager, der sein Unternehmen mehr als ein Jahrzehnt geprägt hat, seinen Chefsessel: Im April endet die Ära Nikolaus von Bomhards bei der Munich Re. Er hatte den Vorstandsvorsitz beim weltgrößten Rückversicherer 2004 übernommen. Nun rückt Joachim Wenning nach.

Es bleibt dabei: An die Spitze eines Dax-30-Unternehmens wird es wohl auch 2017 keine Frau schaffen. Auch insgesamt bleibt die große Frauenoffensive in den Vorstandsetagen aus. Nur drei neue Gesichter finden sich unter den weiblichen Dax-Vorständen: Sabine Eckhardt bei ProSiebenSat.1 Media, Britta Seeger bei Daimler, und im BASF-Vorstand wird Saori Dubourg einrücken. Dagegen geht Margret Suckale bei BASF in den Ruhestand. SAP beließ es beim Ankündigen, nachdem es schon nicht gelang, die zwei ehemaligen weiblichen Vorstandsmitglieder Angelika Dammann und Luisa Delgado zu halten.

Frauen und Digitalprofis vermisst

Frauen bekleiden nur rund zehn Prozent der Vorstandsposten in den Dax-30-Unternehmen. Unter den 100 größten deutschen Unternehmen ist die Quote gar noch geringer. Ein leuchtendes Vorbild ist Siemens: Beim Münchner Technologiekonzern sind zwei von sieben Vorstandsposten mit Frauen besetzt.

Nicht nur Frauen werden vermisst in der obersten Führungsebene, auch Digitalvorstände, sogenannte Chief Digital Officers (CDOs), die die digitale Transformation verantworten und vorantreiben, sind noch rar. Rund 90 Prozent der Unternehmen beschäftigen keinen ausgewiesenen Digitalprofi im Topmanagement. Und von diesen Unternehmen erwägen lediglich sieben Prozent, daran etwas zu ändern. Auch auf der Wechselliste, die die Kölner Personalberatung Kienbaum exklusiv für die WirtschaftsWoche erstellt hat, findet sich kein CDO als Neuankömmling.

Im Trend liegen dafür junge Finanzvorstände. Prominentes Beispiel: Bei ProSiebenSat.1 Media übernimmt Jan Kemper von Juni an das Finanzressort. Der 36-Jährige kommt vom Onlinehändler Zalando.

Die vollständige Übersicht mit den wichtigen Personalien 2017 finden Sie hier. Digitalpasskunden lesen kostenlos.

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